Merkmale aus dem Katalog
Woher hole ich die Merkmalsliste, wenn niemand einen Katalog nennt?
Themenfeld 4 · Das Modell, das Information trägt · Lesezeit 7 Minuten
Im Modell steht ein Feld, und darin steht ein Wort. Ob der Empfänger es später auslesen kann, hängt daran, wie das Merkmal heißt. Die Frage ist also, woher dieser Name kommt, wenn in den Unterlagen kein Katalog genannt ist, was so ein Katalog liefert und was er offenlässt.
Was gemeint ist
Ein Objektkatalog ist die Liste, aus der die Namen kommen: welche Objektarten es gibt und welche Merkmale sie tragen müssen. Wer stattdessen den Namen nimmt, der im Büro seit Jahren üblich ist, liefert eine Angabe, die niemand nachschlagen kann. Auch wenn sie stimmt, ist sie nirgends verzeichnet, und beim Empfänger fällt sie durch jedes Raster.
In den Unterlagen kommen drei Lagen vor. Entweder ist ein Katalog mit Version und Bezugsquelle benannt, dann schlägst du nur noch nach. Oder er wird angedeutet, etwa als Objektkatalog des Bundes, dann gibt es mehrere Kandidaten, und sie benennen dasselbe Bauteil verschieden. Oder zur Benennung steht nichts, und dann entscheidet jeder Bearbeiter für sich.
Der Best-Practice-Katalog Fachmodell Verkehrsanlage des Bundes (kurz: der Bundeskatalog) kennt kein einzelnes Wort für ein Bauteil, er ordnet in drei Katalogebenen: Die Objektgruppe des Katalogs fasst zusammen, die Objektklasse beschreibt die Art des Objekts, der Objekttyp ordnet innerhalb dieser Art ein. An der untersten dieser Ebenen hängt die Zuordnung zum Austauschformat IFC.1
Der Bundeskatalog ist dabei kein Dokument, sondern ein Datenbestand im BIM-Portal des Bundes samt einem erklärenden Begleitdokument.2 Er beantwortet, wie ein Merkmal heißt, aber nicht, welchen Wert du in welcher Einheit einträgst.
Von den 1.233 Merkmalen der Pflegestelle Straße im BIM-Portal hatten bei einem Abruf am 06.08.2026 acht eine Einheit im dafür vorgesehenen Feld. Eine Werteliste fehlte bei allen.3 Einheit und Werteliste vereinbart dein Büro deshalb selbst, stimmt sie mit dem Auftraggeber ab und hält sie im BIM-Abwicklungsplan fest.
Was das für dein Büro heißt
Zurück zum gedachten Beispiel, der Ortsdurchfahrt über 800 Meter, für die unser Büro mit acht Leuten gerade den Abwicklungsplan schreibt. Die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA), in unserem Vergabeordner die Anlage 7, nennen keinen Katalog.
Wir schlagen also selbst einen Katalog vor, mit Name, Version und Abrufdatum im vorläufigen BIM-Abwicklungsplan (BAP), dessen Aufbau die Seite „Der BAP im kleinen Büro“ in Themenfeld 2 zeigt.
Die Bauteile in der Katalogsprache
So sieht die Einordnung aus.
| Bauteil | Objektgruppe | Objektklasse | Objekttyp |
|---|---|---|---|
| Achse | Trassierungselement | Achse | Achse |
| Straßenablauf | Entwaesserung | Ablauf | Ablauf |
| Schacht | Entwaesserung | Schacht | Schacht |
| Bodenauftrag | Erdbau | Auftrag | Auftrag |
Zuordnung nach dem Datenbestand der Pflegestelle Straße, Schreibweise ohne Umlaut wie dort.
Die drei Angaben der Tabelle stehen zusätzlich als Merkmale im Eigenschaftssatz Klassifizierung, wegen des Austauschformats: Das Begleitdokument hält 2024 fest, für die neuen Infrastrukturklassen gebe es noch keine IFC-Zertifizierung bei den Herstellern, und empfiehlt für die Klassen, die IFC4 nicht kennt, vorerst den Platzhalter IfcBuildingElementProxy.1
Damit landen verschiedene Bauteile in derselben Klasse, und allein an der Klasse kann die Prüfsoftware sie nicht unterscheiden.1 Welche Merkmale aus der Klassifizierung folgen, sagt die Seite „Merkmale vor dem ersten Bauteil“ dieses Themenfelds.
An der Achse zeigt sich der Unterschied je Version: Der Musterdatensatz zur Achse nennt die sprechende Klasse IfcAlignment nur für IFC 4.3, davor denselben Platzhalter.4
Einheit und Werteliste
Was der Katalog offenlässt, schließt das Projekt: eine Tabelle im BAP mit Merkmal, Einheit und zulässigen Werten, nur für Merkmale, die gefüllt werden. Bei uns sind das die Abtragsbreite in Meter, die Bodenart aus der Werteliste des Baugrundgutachtens und der Bauzustand aus drei Einträgen, die wir selbst festlegen.
Dazu gehört, was gilt, wenn kein Wert passt: Ein leeres Feld sagt ehrlich, dass niemand entschieden hat, sofern die Prüfung es nicht als Pflicht verlangt; ein erfundener Eintrag verdeckt das.
Beim Kanal wird die Lage dünner
Ein Fachmodell Leitungsbau war in der Meldung von BIM Deutschland zur Veröffentlichung bis zum zweiten Quartal 2026 angekündigt, bei einer Suche am 06.08. und 11.09.2026 aber nicht auffindbar.2 Belastbar sind zwei Kataloge von BIM.Hamburg, Verkehrsanlage-Straße V001 (2023) und Leitungsbau V001 (2025), dort ist der Schacht ein Leitungspunkt; dazu Hamburg Wasser.5
Denselben Schacht beschreiben zwei Verzeichnisse verschieden, der Musterdatensatz im BIM-Portal als Bauwerk mit Abdeckung für den Zugang zu unterirdischen Anlagen, das buildingSMART Data Dictionary als Bauteil zur Richtungsänderung und Höhenüberbrückung.6 Deshalb steht die Katalogzeile im Abwicklungsplan.
Zur DÜP 7 am Ende von Leistungsphase 8 bekommt der Kanalbetrieb die Kanaldaten für sein Kataster. Im Austauschformat des Kanalkatasters ist die Bezeichnung der Schlüssel, eine eigene Objektkennung gibt es nicht:7 Wer den Schacht anders bezeichnet als der Betreiber, liefert ein neues Objekt statt einer Fortschreibung. Die Systematik dafür erklärt die Seite „Kanal kommunal“ in Themenfeld 5.
Woran die Prüfregel ansetzt
Das BIM-Portal gibt eine Anforderung ohne Anmeldung auch als Prüfdatei im Format IDS aus. Die Regel hat zwei Teile. Der erste wählt die Objekte über die drei Klassifizierungsmerkmale aus, nicht über die IFC-Klasse. Der zweite listet die geforderten Merkmale mit Eigenschaftssatz, Name, Datentyp und Pflichtangabe, dazu die IFC-Klasse, die je Formatversion für das Objekt gefordert ist.8
Geometrie prüft die Datei nicht. Die beiden hier ausgewerteten Ausgaben unterscheiden sich in Version und Merkmalszahl. Die Achsdatei vom 26.03.2026 führt Version 2.1 und 16 Merkmale je Block, die Schachtdatei vom 26.01.2026 Version 1.1 und 22 je Block.8 Wie man mit ihr prüft, sagt die Seite „Prüfen, bevor jemand anderes prüft“ in Themenfeld 6.
Woran du es prüfst
Bevor du einen Merkmalsnamen übernimmst, notierst du sechs Angaben dazu. Sie machen aus einem Feldnamen eine Festlegung, die jemand nachvollziehen kann.
- Der Name in der Schreibweise des Katalogs. Groß- und Kleinschreibung gehören dazu, weil ein anderes Zeichen ein anderes Merkmal ergibt.
- Der Eigenschaftssatz, in dem er sitzt. Ohne ihn ist der Name nicht eindeutig, denn dasselbe Wort kommt in mehreren Zusammenhängen vor.
- Der Datentyp in der Schreibweise der Organisation. Für Text steht dort je nach Herausgeber string, STRING oder Zeichenkette.
- Die Einheit, sofern eine hinterlegt ist. Fehlt sie, ist die Festlegung deine.
- Die dauerhafte Kennung des Eintrags. Über sie findest du den Eintrag wieder, unabhängig von seinem Namen.
- Katalogname, Herausgeber und Freischaltungsdatum. Diese Zeile zählt im Streitfall, weil sich sonst nicht sagen lässt, welche Version gemeint war.
In das Kapitel Modellstruktur und Modellinhalte deines Abwicklungsplans gehören dazu drei Festlegungen des Projekts: welcher Katalog gilt, in welcher Version, und wann du ihn abgerufen hast; das Freischaltungsdatum des Eintrags ist etwas anderes als dein Abrufdatum. So kann dein Auftraggeber widersprechen, solange das billig ist.
Führt der Katalog ein Merkmal nicht, das dein Projekt braucht, etwa die Herkunft der Höhe an einer Spartenauskunft, legst du es in derselben Tabelle fest, mit Name, Datentyp und dem Vermerk, dass es eine eigene Festlegung ist.
Die Namen suchst du im Merkmals- und Klassenfinder dieses Themenfelds; was jede Quelle liefert und unter welcher Lizenz, hält das Datenblatt Kataloge und Merkmale.
Ein Eigenschaftssatz fällt dabei aus dem Rahmen: Die Projektinformationen enthalten neben Projektname und Leistungsphase die Georeferenz, also Bezugssystem, Höhensystem und Projektnullpunkt.3 Was dort hineingehört, klärt die Seite „Wo das Modell liegt“ in Themenfeld 3.
Fundstellen geprüft am 06.08.2026, Datenabrufe wiederholt am 11.09.2026. Die Ortsdurchfahrt ist ein konstruiertes Beispiel.
- ↩ Begleitdokument „Best Practice zum Objektkatalog BIM Bundesfernstraßen der Autobahn GmbH und der DEGES“, Mai 2024, Abschnitt 3.2 (Seiten 8, 9) und 3.4 (Seiten 13 ff.).
- ↩ BIM Deutschland, Meldung zur Veröffentlichung des Fachmodells am 15.12.2025, mit der Ankündigung weiterer Fachmodelle; Suche am 06.08.2026 und 11.09.2026 über Veröffentlichungsseiten, Organisationsliste und Merkmalssuche.
- ↩ Eigene Auszählung am Merkmals-Endpunkt des BIM-Portals, Pflegestelle Straße, 06.08. und 11.09.2026: 1.233 Merkmale, acht mit Einheit, keine Werteliste; Projektinformationen 17 Merkmale; Datenlizenz Deutschland Zero 2.0.
- ↩ Eigene Erhebung am Musterdatensatz „Achse: LPH 3″ der Organisation „Demonstrator FM Verkehrsanlage“ im BIM-Portal, Feld der Formatzuordnungen, 06.08.2026.
- ↩ BIM.Hamburg (Hrsg.), Objektkatalog Verkehrsanlage-Straße V001, 2023, und Objektkatalog Leitungsbau V001, 2025, Anlage Stand 10.07.2025.
- ↩ Eigener Abgleich der Beschreibungen in Portal-Datensätzen und bSDD-Wörterbuch, 06.08.2026 und 11.09.2026; von neun Objekttypen mit Beschreibung in beiden Beständen weicht der Schacht inhaltlich ab.
- ↩ BVBS, Implementierungs-Leitfaden ISYBAU, 13.11.2025, Abschnitt 7: Objekte führen keine eigene Kennung, der Name ist der Schlüssel.
- ↩ Eigene Auswertung der Prüfdateien zu den Musterdatensätzen „Achse: LPH 3″ und „Schacht: LPH 3″, 06.08.2026 und 11.09.2026; in einer Prüfsoftware nicht getestet.
