Civil 3D | Elementkanten-Höhen bearbeiten: Stützpunkt, Höhenpunkt, Editor, Neigungen und Griff-Workflow

Höhen bearbeiten: Stützpunkt, Höhenpunkt, Editor, Neigungen und Griff-Workflow

Eine Elementkante zu zeichnen ist schnell gelernt. Den Unterschied macht die Höhenbearbeitung. Hier entscheidet sich, ob die Bordsteinkante ein sauberes Längsgefälle hat oder ob das DGM hinterher Wellen schlägt. Civil 3D bietet dafür mehrere Werkzeuge. Sie überschneiden sich, haben aber klare Einsatzfälle.

Zuerst der Begriff, der in der Praxis häufig für Verwirrung sorgt: der Unterschied zwischen Stützpunkt und Höhenpunkt. Danach folgt eine sinnvolle Reihenfolge der Werkzeuge: Höhen-Editor für exakte Tabellenarbeit, Neigungen für geplante Gefälle, Schnellhöhenbearbeitung für einzelne Korrekturen und Höhen aus Oberfläche, wenn die Kante dem DGM folgen soll. Am Ende steht der Griff-Workflow ab Civil 3D 2026.1/2026.2 als schnelle Ergänzung im Zeichenbereich.

Schnelleinstieg

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Arbeitsrahmen: Als Ausgangsbasis dient dieselbe Übungskante aus Tutorial 1. Ziel ist kein perfektes Straßenmodell, sondern ein prüfbarer Höhenverlauf: Anfangshöhe stimmt, Endhöhe stimmt, Gefälle ist plausibel und Gefällewechsel liegen als Höhenpunkte auf der Kante.

Schritt 1 Stützpunkt und Höhenpunkt: die wichtigste Unterscheidung

Eine Elementkante kennt zwei Arten von Punkten. Sie sehen im Editor ähnlich aus, haben aber einen grundverschiedenen Effekt:

PunkttypWirkt auf Grundriss (XY)Wirkt auf Höhe (Z)Wofür
Stützpunkt (Geometriepunkt)Ja, definiert den LinienverlaufJa, trägt ebenfalls eine HöheEcken, Richtungswechsel, Anfang und Ende
HöhenpunktNein, ändert den Grundriss nichtJa, knickt nur die HöheGefällewechsel auf gerader Strecke, Hoch- und Tiefpunkte

Beispiel Bordsteinkante: Der Grundriss ist eine fast gerade Linie über 60 m, also nur zwei Stützpunkte. Trotzdem braucht die Kante einen Hochpunkt in der Mitte und definierte Gefällewechsel an den Einfahrten. Dafür setzt du Höhenpunkte. Sie verschieben den Grundriss nicht, sie steuern nur, wo das Längsgefälle kippt.

Längsschnitt der Elementkante Stützpunkt 124.10 Stützpunkt 126.40 Höhenpunkt 125.60 Höhenpunkt 125.30 +3.0 % -1.2 % +2.5 %
Faustregel: Ändert sich die Richtung im Lageplan, brauchst du einen Stützpunkt. Ändert sich nur das Gefälle, brauchst du einen Höhenpunkt. Wer für jeden Gefällewechsel einen Stützpunkt setzt, verbiegt unnötig den Grundriss.

Schritt 2 Höhen-Editor: das Panorama als Tabelle

Der Höhen-Editor ist das genaueste Werkzeug. Er öffnet ein Panorama, das jeden Punkt der Kante als Tabellenzeile zeigt. Hier arbeitest du mit exakten Zahlen, nicht mit der Maus.

  1. Editor öffnen: Elementkante selektieren. Über die Kontextregisterkarte ElementkanteHöhen bearbeiten. Das Panorama erscheint dort, wo die Panorama-Palette in deiner Oberfläche angedockt ist: häufig unten, manchmal seitlich oder frei schwebend.
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    Kontextregisterkarte Elementkante mit dem Aufruf Höhen bearbeiten und geöffnetem Panorama-Editor
  2. Spalten lesen: Jede Zeile ist ein Punkt. Die wichtigen Spalten sind Station (Lage entlang der Kante), Höhe, Neigung zurück (zum vorherigen Punkt), Neigung vor (zum nächsten Punkt) und der Punkttyp.
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    Höhen-Editor mit den Spalten Station, Höhe, Neigung zurück, Neigung vor und Punkttyp
  3. Höhe ändern: Doppelklick in die Zelle Höhe, neuen Wert eingeben, Eingabetaste. Die Kante aktualisiert sich sofort im Zeichenbereich.
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    Doppelklick in eine Zelle der Spalte Höhe und Eingabe eines neuen Werts
  4. Über Neigung steuern: Statt einer Höhe gibst du in Neigung vor oder Neigung zurück einen Wert ein. Civil 3D rechnet die abhängige Höhe aus dem Abstand und der Neigung selbst aus.
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    Eingabe einer Neigung in die Spalte Neigung vor oder Neigung zurück, die abhängige Höhe wird berechnet
  5. Höhenpunkt einfügen oder löschen: Über die Schaltflächen im Panorama-Kopf fügst du einen Höhenpunkt ein oder entfernst die markierte Zeile. Ein gelöschter Höhenpunkt glättet den Gefälleverlauf an dieser Stelle.
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    Panorama-Kopf mit den Schaltflächen zum Einfügen und Löschen eines Höhenpunkts
Graue oder nicht editierbare Werte: Prüfe zuerst, woher die Höhe kommt. Bei dynamisch aus Achse oder Profilkörper erzeugten Kanten ist die Quelle führend, normale Elementkanten-Bearbeitung ist dann gesperrt. Bei relativen DGM-Höhen bearbeitest du nicht die DGM-Höhe selbst, sondern den relativen Versatz oder die Ableitungsart. Eine weitere Ursache sind Teilungspunkte: Schneiden sich Elementkanten im selben Gebiet, kann Civil 3D die Höhe an der Kreuzung von der anderen Kante übernehmen. Dann steuerst du nicht den Teilungspunkt direkt, sondern die verursachende Kante, die Elementkanten-Stilpriorität oder die Gebietszuordnung. Erst wenn du freie Höhen brauchst, machst du die Kante statisch, entfernst die dynamische Verknüpfung oder trennst die Kanten in passende Gebiete.

Schritt 3 Schnellhöhenbearbeitung: klassischer Befehl im Zeichenbereich

Die Schnellhöhenbearbeitung ist der klassische schnelle Weg für einzelne Korrekturen, ohne das Panorama. Das ist nicht der neue Griff-Workflow aus Civil 3D 2026.1/2026.2, sondern ein eigener Befehl: Civil 3D blendet Höhen und Neigungen direkt an der Kante ein, du klickst einen Punkt oder ein Segment an und tippst den neuen Wert in die Befehlszeile.

  1. Aufrufen: Kante selektieren, Kontextregisterkarte ElementkanteSchnellhöhenbearbeitung.
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    Kontextregisterkarte Elementkante mit dem Befehl Schnellhöhenbearbeitung
  2. Punkt anfahren: Bewege den Cursor über einen Punkt. Civil 3D zeigt dessen aktuelle Höhe oder Neigung an.
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    Eingeblendete Höhe an einem Punkt, sobald der Cursor in der Schnellhöhenbearbeitung darüberfährt
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    Eingeblendete Neigung an einem Segment der Elementkante bei Cursor-Hover
  3. Wert eingeben: Klicke den Punkt an und tippe die neue Höhe in die Befehlszeile. Mit einem Klick auf ein Segment statt auf einen Punkt bearbeitest du stattdessen dessen Neigung.
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    Eingabe einer neuen Höhe in die Befehlszeile nach Anklicken eines Punkts
  4. Weiterklicken oder beenden: Du kannst direkt den nächsten Punkt anfahren. Eingabetaste beendet den Befehl.

Schritt 4 Höhen aus einem DGM übernehmen

Wenn die Kante auf das Bestandsgelände soll, übernimmst du die Höhen direkt aus einem DGM, statt sie einzeln einzutippen. Für eine einzelne Kante ist die Kontextregisterkarte bequem. Für mehrere Elementkanten startest du besser den Befehl selbst, weil du dann an der Befehlszeile die Option Mehrere wählen kannst.

  1. Einzelne Kante über die Kontextregisterkarte: Kante selektieren, Kontextregisterkarte ElementkanteHöhen von DGM. Im Dialog wird das passende DGM ausgewählt.
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    Kontextregisterkarte Elementkante mit dem Befehl Höhen von DGM und Dialog zur DGM-Auswahl
  2. Mehrere Kanten über die Befehlszeile: Den Befehl FeatureElevsFromSurf in die Befehlszeile eingeben. Im Dialog Höhen von DGM festlegen werden DGM und Optionen festgelegt. Nach OK fragt Civil 3D nach den Objekten; über die Option Mehrere lassen sich alle Elementkanten auswählen, die dieselbe Höhenquelle bekommen sollen.
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    Befehlszeile mit dem direkten Aufruf FeatureElevsFromSurf
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    Dialog Höhen von DGM festlegen, danach die Befehlszeilen-Option Mehrere zur Objektauswahl
  3. Zwischenpunkte entscheiden: Die Option für Zwischenliegende Neigungsbrechpunkte fügt Höhenpunkte dort ein, wo die Kante DGM-Dreieckskanten schneidet. Das macht das Höhenprofil genauer, erzeugt aber viele Punkte. Für eine grobe Kontrolllinie reicht es oft ohne, für eine präzise Geländekante ist es sinnvoll.
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    Dialogoption Zwischenliegende Neigungsbrechpunkte an den DGM-Dreieckskanten
  4. Relativ oder statisch: Statisch übernimmt die Höhen einmalig. Relativ speichert die Beziehung zur Oberfläche und einen Versatz; wenn sich die Oberfläche ändert, ziehen die abgeleiteten Höhen nach. Relativ ist stark bei laufender Bearbeitung, darf aber nicht mit einer Bruchkante in dieselbe Oberfläche verwechselt werden.
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    Auswahl zwischen statischer und relativer Höhenübernahme mit Versatzfeld
  5. Bestätigen und prüfen: Im 3D-Orbit kontrollieren, ob die Kante sauber auf dem Gelände liegt.
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    3D-Orbit-Ansicht mit der Elementkante sauber auf dem Bestandsgelände
Warum die Befehlszeile hier wichtig ist: Autodesk führt für Höhen von DGM ausdrücklich drei Auswahlarten: einzelnes Objekt, Mehrere und Partiell. Wer vorher nur eine Kante markiert und über die kontextbezogene Registerkarte geht, übersieht die Mehrfachauswahl leicht. Bei mehreren Kanten lohnt sich deshalb der direkte Aufruf FeatureElevsFromSurf über die Befehlszeile.

Schritt 5 Neigung zwischen Punkten setzen

Oft ist nicht die Höhe eines Punkts bekannt, sondern das Gefälle dorthin. Genau dafür gibt es die Neigungsbearbeitung: Die Neigung wird vorgegeben, Civil 3D rechnet die Höhe.

  1. Funktion aufrufen: Kontextregisterkarte ElementkanteNeigung bearbeiten oder die Spalten Neigung vor / Neigung zurück im Höhen-Editor.
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    Kontextregisterkarte Elementkante mit dem Befehl Neigung bearbeiten
  2. Bezugspunkt fixieren: Der Punkt, dessen Höhe feststeht, wird als Bezug gewählt. Von dort aus rechnet Civil 3D in die gewählte Richtung.
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    Auswahl des Bezugspunkts mit fixer Höhe als Startpunkt der Neigungsberechnung
  3. Neigung eingeben: Der Wert wird als Prozent (zum Beispiel -2.5), als Verhältnis oder als Grad eingegeben. Die Zielhöhe ergibt sich aus Abstand mal Neigung.
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    Eingabe einer Neigung als Prozentwert in die Befehlszeile
  4. Höhenverlauf kontrollieren: Für vertikale Knicke sind Höhenpunkte, die Spalten Neigung vor / Neigung zurück oder der Befehl für Hoch- und Tiefpunkte die richtigen Werkzeuge. Befehle wie Glätten oder Kurve anpassen betreffen vor allem die Grundrissgeometrie und tessellierte Bögen, nicht den Standardweg für ein Längsgefälle.
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    Kontrolle des Höhenverlaufs mit Höhenpunkten und den Neigungsspalten im Höhen-Editor
Höhe und Neigung sind zwei Sichten auf dieselbe Sache. Setzt du eine Höhe, ändert sich die Neigung der Nachbarsegmente. Setzt du eine Neigung, ändert sich die Folgenhöhe. Im Elementkanten-Explainer (Topic Höhenlogik) lässt sich dieses Wechselspiel risikofrei ausprobieren.

Schritt 6 Der Griff-Workflow ab Civil 3D 2026.1/2026.2

Versionshinweis: Die Griffbearbeitung wurde gestaffelt ausgebaut: ab Civil 3D 2026.1 für direkte Punktaktionen am Griff, ab 2026.2 zusätzlich mit direkter Höhenbearbeitung am Zeichenbereich.ab 2026.1/2026.2 Alle bisher beschriebenen Wege funktionieren weiterhin und sind in älteren Versionen die richtige Wahl. Der Griff-Workflow ersetzt nichts, er ist die schnellere Ergänzung.

Bisher musstest du für eine Höhenänderung die Kante selektieren, eine Kontextregisterkarte öffnen oder das Panorama aufrufen. Ab Civil 3D 2026.1/2026.2 erscheinen wichtige Funktionen direkt am Griff, sobald du mit dem Cursor darüberfährst. Punktaktionen und einzelne Höhenänderungen gehen damit schneller, ohne den Höhen-Editor zu öffnen.

  1. Kante selektieren: Die Elementkante anklicken. An Stützpunkten und Höhenpunkten erscheinen die Griffe wie gewohnt.
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    Selektierte Elementkante mit sichtbaren Griffen an Stütz- und Höhenpunkten
  2. Höhe direkt am Griff eingeben: Jetzt kannst du auf einen Punktgriff fahren. Civil 3D zeigt ein Griffmenü.
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    Griffmenü direkt am Punktgriff zur sofortigen Höheneingabe ab Civil 3D 2026.2
  3. Griffmenü nutzen: Das Kontextmenü am Griff bietet direkt: Stützpunkt hinzufügen, Stützpunkt entfernen, Höhenpunkt hinzufügen, Höhenpunkt entfernen. Du baust die Kante um, ohne zur Multifunktionsleiste zu wechseln.
  4. Höhenpunkt verschieben: Einen Höhenpunkt kannst du am Griff entlang der Kante ziehen, um die Lage des Gefällewechsels zu verschieben, ohne den Grundriss zu berühren.
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    Höhenpunkt wird per Griff entlang der Elementkante gezogen, ohne den Grundriss zu verändern
AufgabeKlassisch (alle Versionen)Ab Civil 3D 2026.1/2026.2
Höhe eines Punkts ändernHöhen-Editor oder SchnellhöhenbearbeitungGriff anfahren, Wert eintippen
Höhenpunkt einfügenHöhen-Editor oder Befehl Höhenpunkt einfügenGriff-Kontextmenü, Höhenpunkt hinzufügen
Stützpunkt entfernenKontextregisterkarte, Geometrie bearbeitenGriff-Kontextmenü, Stützpunkt entfernen
Exakte Tabellenarbeit über viele PunkteHöhen-Editorweiterhin Höhen-Editor, der bleibt das Werkzeug der Wahl
Der Griff-Workflow ist schnell für einzelne Eingriffe direkt am Modell. Sobald du viele Punkte systematisch nach Stationen prüfen oder mit exakten Neigungen rechnen willst, bleibt der Höhen-Editor überlegen. Beide Wege schließen sich nicht aus.
Checkpoint: Prüfe deine Kante im 3D-Orbit und im Höhen-Editor: Anfangs- und Endhöhe stimmen, das Längsgefälle ist plausibel, Gefällewechsel sitzen als Höhenpunkte auf der Kante, und Stützpunkte werden nur für den Grundriss gebraucht. Du kannst Höhen über Editor, Neigung, Schnellbearbeitung und DGM setzen, kennst für mehrere Kanten den Befehl FeatureElevsFromSurf mit der Option Mehrere, und weißt, dass der Griff-Workflow ab 2026.1/2026.2 eine zusätzliche Bedienmöglichkeit ist. Tutorial 3 bringt die Geometriebearbeitung und die Anbindung an das DGM als Bruchkante.