Punkt-, Verknüpfungs- und Profilartcodes
Die Bestandteile aus Tutorial 2 sind mehr als geometrische Formen. Jeder Punkt, jede Linie und jede Fläche trägt einen Code, eine kleine Textmarke. Diese Codes sehen unscheinbar aus, tragen aber den ganzen späteren Nutzen: Aus ihnen entstehen im Profilkörper die durchgehenden Linien, die Oberflächen für die DGMs und die Materialflächen für die Massen. Wer die Codes versteht, versteht, warum ein sauber aufgebauter Querschnitt später so viel Arbeit spart.
Dieses Tutorial ist bewusst ein Verständnis-Kapitel, kein Klick-Ablauf. Es zeigt die drei Codearten, wie ein Codestilsatz ihnen ein Aussehen gibt, und vor allem die Auszahlungskette: Code jetzt setzen, Nutzen später im Profilkörper ernten.
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Konzept Warum jeder Bestandteil codiert ist
Ein Querschnittsbestandteil besteht aus Punkten, den Verknüpfungen zwischen ihnen und den geschlossenen Flächen, die daraus entstehen. Jedes dieser Elemente kann einen oder mehrere Codes tragen. Ein Code ist einfach ein Name für eine bestimmte Stelle im Bestandteil: in der Fahrbahnmitte der Kronenpunkt Crown, am äußeren Fahrbahnrand ETW (edge of travelled way), an der Bordstein-Rückkante Back_Curb und dort, wo die Böschung das Gelände trifft, Daylight. Die Codes sind nicht sichtbar wie eine Beschriftung, sie sind eine innere Eigenschaft des Bestandteils. Die Bezeichner selbst sind englische Literale, auch in der deutschen Oberfläche, gemeint ist aber immer ein handfestes Bauteil: Fahrbahnrand, Bordkante, Bankett, Böschungsfuß.
Der Grund für diese Codes liegt außerhalb des Querschnitts. Der Querschnitt wird im Profilkörper an jeder Station wiederholt. Damit Civil 3D über die Stationen hinweg weiß, welcher Punkt an einer Station zu welchem Punkt an der nächsten gehört, braucht es einen gemeinsamen Namen. Genau das ist der Code. Ohne ihn wären die Punkte an jeder Station namenlose Einzelfälle; mit ihm werden sie zu einer durchgehenden Linie.
Kern Die drei Codearten am Bestandteil
Es gibt genau drei Codearten, eine je Geometrie-Element. Die deutschen Namen unten sind die offiziellen UI-Begriffe; die intuitiveren Wörter in Klammern helfen beim Merken, sind aber nicht die Oberflächen-Wörter.
| Codeart | Sitzt an | Beispiel |
|---|---|---|
| Punktcode (Point Code) | Den Punkten des Bestandteils (P1, P2, P3 …). | Crown, ETW, Back_Curb, Daylight |
| Verknüpfungscode (Link Code) | Den Verknüpfungen, also den Linien zwischen den Punkten. | Top (fertige Oberfläche), Datum (Erdplanum), Pave (Belag) |
| Profilartcode (Shape Code) | Den geschlossenen Flächen (Profilarten) im Bestandteil. | Pave1, Base, SubBase |
Diese Namen und ihre Schreibweise stammen aus dem metrischen Standard-Codesatz. Sie sind sprachunabhängige englische Bezeichner, keine deutschen Wörter.
Das folgende Bild zeigt einen Bestandteil im Schnitt: drei Punkte mit ihren Punktcodes, die Verknüpfungen dazwischen mit dem Verknüpfungscode und die gefüllte Fläche mit dem Profilartcode. Rechts oben ist angedeutet, wie derselbe Punktcode über mehrere Stationen längs verbunden wird und daraus eine 3D-Profilkörper-Elementkante entsteht:
Wo du die Codes eines Bestandteils nachschaust, ist die Registerkarte Codes. Du findest sie in den Eigenschaften des Querschnittsbestandteils, des Querschnitts oder später des Profilkörpers. Dort stehen alle vergebenen Punkt-, Verknüpfungs- und Profilartcodes. Das ist die Stelle zum Kontrollieren, ob die Codes vorhanden und richtig geschrieben sind.
Ein Blick auf diese Registerkarte lohnt sich früh, weil er ein Missverständnis ausräumt: Die Standard-Bestandteile bringen ihre Codes fertig mit, du vergibst sie also selten selbst. In den Spalten stehen die Punkt-, Verknüpfungs- und Profilartcodes wie Fahrbahnrand, Top, Back_Curb oder Sidewalk bereits eingetragen.
Was aber, wenn ein Code falsch geschrieben ist oder du ihn ändern willst? Ein Knopf, der einen Code in einem Rutsch über alle Bestandteile umbenennt, ist im Standard-Civil-3D nicht dabei. Die Registerkarte Codes ist zum Ansehen und zum Zuweisen der Darstellung da, nicht zum Umbenennen. Wie du einen Code änderst, hängt vom Bestandteil ab: Die Katalog-Bestandteile bringen ihre Codes fertig mit, du fasst sie kaum an. Bei einem eigenen Bestandteil legst du den Code im Subassembly Composer fest. Ein echtes Suchen und Ersetzen über den ganzen Querschnitt leistet nur ein Zusatzwerkzeug oder ein Skript. Am saubersten hältst du die Codes deshalb von Anfang an einheitlich, dann musst du gar nicht erst umbenennen.
Back_Curb und back_curb sind für Civil 3D zwei verschiedene Codes. Eine kleine Abweichung reicht, damit ein Codestilsatz einen Code nicht findet und der Punkt oder die Fläche unformatiert bleibt. Beim Mischen eigener und Katalog-Bestandteile ist das die häufigste Ursache für scheinbar fehlende Codes.Darstellung Der Codestilsatz: Codes bekommen ein Aussehen
Ein Code allein ist nur ein Name. Damit ein Punkt ein Symbol bekommt, eine Verknüpfung eine bestimmte Linienfarbe und eine Fläche eine Schraffur, braucht es einen Codestilsatz. Er ist die Zuordnungstabelle: Jedem Punktcode weist er einen Darstellungs- und Beschriftungsstil zu, jedem Verknüpfungscode einen Linienstil, jedem Profilartcode eine Schraffur oder Füllung.
Den Codestilsatz hast du in Tutorial 1 beim Anlegen des Querschnitts schon gewählt. Deshalb der dortige Hinweis, nicht Uncoded zu nehmen: Ohne echten Codestilsatz bleiben die Codes ohne Aussehen, und der Querschnitt zeigt seine Bestandteile grau und unformatiert. Der Codestilsatz ist die Brücke zwischen dem inneren Code und dem sichtbaren Ergebnis.
Der Codestilsatz entscheidet auch über eine Sache, die im Straßenbau sofort ins Auge fällt: ob eine Böschung als Einschnitt oder als Damm dargestellt wird. Der Böschungs- und Anbindungs-Bestandteil vergibt dafür eigene Codes, je nachdem, ob er an einer Station ins Gelände schneidet oder darüber aufschüttet, den Abtrag markiert er mit Daylight_Cut, den Auftrag mit Daylight_Fill. Der Codestilsatz hängt an diese beiden Codes verschiedene Farben, damit Einschnitt und Damm im Querprofil auf einen Blick auseinandergehen, im Regelfall braun für den Einschnitt und grün für den Damm. Die Verknüpfungscodes Top und Datum sagen dagegen nichts über Einschnitt oder Damm; sie unterscheiden nur, ob eine Verknüpfung zur fertigen Oberfläche oder zum Erdplanum gehört.
Nische Der Markierungspunkt: gezielt codieren
Manchmal brauchst du einen codierten Punkt an einer Stelle, an der kein Standard-Bestandteil einen setzt, etwa um dort später eine eigene Elementkante oder Beschriftung greifen zu lassen. Dafür gibt es einen generischen Bestandteil, den Markierungspunkt (englisch MarkPoint, in der Palette als MarkierterPunkt). Er setzt einen einzelnen, bewusst codierten Punkt.
Das Gegenstück ist eine Verknüpfung, die einen zuvor gesetzten Markierungspunkt wieder aufgreift (englisch LinkToMarkedPoint, in der Palette AnschlussMarkierterPunkt). Damit lassen sich Bestandteile über einen gemeinsamen Markierungspunkt verbinden. Beides ist ein Nischenwerkzeug für Sonderfälle und für den Bau eigener Bestandteile; im Regelquerschnitt aus dem Katalog kommt es selten vor.
Der Nutzen Die Auszahlung: was die Codes im Profilkörper bewirken
Jetzt der eigentliche Grund, warum sich das Verständnis lohnt. Die Codes zahlen sich nicht im Querschnitt aus, sondern erst im Profilkörper und in der Auswertung danach. Ein Code, den du heute im Querschnitt setzt oder mitnimmst, wird morgen zu einer durchgehenden Linie, einer Oberfläche oder einer Massenfläche. Diese Kette ist der Kern des ganzen Kapitels:
| Code jetzt (Querschnitt) | Wird später zu | Konkreter Nutzen |
|---|---|---|
| Punktcode | 3D-Profilkörper-Elementkante (gleich-codierte Punkte werden längs verbunden) | Bordkanten, Fahrbahnränder und Böschungsfußlinien entstehen automatisch als durchgehende Linien über die ganze Trasse. |
| Verknüpfungscode | Oberflächen des Profilkörpers (Datum, Belag) | Aus den codierten Verknüpfungen baust du Profilkörper-DGMs, etwa das Planum oder die Belagsoberfläche. |
| Profilartcode | Materialfläche für Schraffur und Massen | Die Profilarten liefern die Materialflächen, aus denen die Mengenermittlung Asphalt, Frostschutz und Erdmassen rechnet. |
Der erste Punkt ist zugleich die Brücke zum Elementkanten-Kapitel. Eine 3D-Profilkörper-Elementkante ist dieselbe Objektklasse wie eine normale Elementkante. Setzt du also einen Punktcode wie Back_Curb links und rechts, bekommst du im Profilkörper zwei durchgehende Bordstein-Rückkanten über die ganze Trasse, die du als Bruchkante ins DGM oder zur Beschriftung nutzen kannst.
Ehrlich bleibt der Restaufwand: Die Elementkanten entstehen erst im Profilkörper, und dort musst du sie bei Bedarf gezielt als Elementkante extrahieren. Die Profilkörper-DGMs baust du aktiv aus den gewählten Verknüpfungscodes. Und die Massen entstehen erst, wenn du den Profilartcodes in der Mengenermittlung die Materialien zuordnest. Der Code ist die Voraussetzung, nicht der fertige Automatismus. Aber ohne ihn geht nichts davon. Genau deshalb lohnt sich ein sauber codierter Querschnitt.
Uncoded die Codes unsichtbar lässt. Vor allem kennst du die Auszahlung: Punktcodes werden zu Elementkanten, Verknüpfungscodes zu Oberflächen, Profilartcodes zu Massenflächen. Damit ist der Querschnitt bereit für den Profilkörper. Tritt beim Aufbau ein Problem auf, hilft die Fehlerbehebung.