Kollisionsprüfung im Tiefbau
Die Prüfung meldet hunderte Treffer. Welche davon sind echt?
Themenfeld 6 · Zusammenarbeiten und nachweisen · Lesezeit 6 Minuten
Ein Prüflauf über zwei Modelle ist schnell gestartet, und die Liste, die dabei herauskommt, ist meist lang. Vieles darin ist kein Mangel, sondern eine Folge der Einstellung, mit der gefahren wurde. Hier steht, welche Regel im Tiefbau überhaupt maschinell geprüft werden kann, woher ihre Zahl kommt und warum eine leere Liste das schlechtere Ergebnis sein kann.
Was gemeint ist
Dass die Kollisionsprüfung aus dem Hochbau stammt und der geforderte Abstand aus einem Regelwerk kommt, sagt schon die Seite „Was im Tiefbau anders läuft“ in Themenfeld 1.
Ein Koordinationsmodell ist eine zweckgebundene Zusammenführung der Fachmodelle, eines je Frage und Zeitpunkt; das Bundesdokument zum Datenmanagement nennt die Kollisionsprüfung ausdrücklich als Beispiel für einen solchen Zweck.1 Zusammengeführt wird nur, was im Zustand „geteilt“ liegt, und zwar schreibgeschützt.1
Gelesen wird im Koordinationsmodell, geändert wird im Fachmodell, und den Nachweis führt der Prüfbericht mit seinen Vorgängen. Wie ein Projekt seine Fachmodelle abgrenzt, steht auf der Seite „Fachmodelle abgrenzen“ in Themenfeld 4.
Die Voreinstellung der Prüfung sucht Durchdringungen zwischen Volumenkörpern in einer geschossweise gegliederten Struktur. Der Konflikt im Tiefbau ist dagegen meistens ein Abstands- oder Regelverstoß zwischen Objekten, die sich gar nicht berühren.
Die maßgebliche Zahl kommt deshalb von außen, aus einem Regelwerk oder dem Merkblatt des Versorgers. Werkzeuge können Abstände prüfen, sie tun es nur nicht von selbst, und sie kennen die Zahl nicht. Das deutsche Regelwerk ist so gebaut: VDI 2552 Blatt 4 gliedert ebenenweise, führt Durchbrüche und Elementkollisionen als eigene Punkte der Modellierungsregeln, und unter den fünf Prüfarten in Abschnitt 9 trägt keine den Namen Kollisionsprüfung.2
Echte Durchdringungen gibt es trotzdem; für Volumenkörper wie Schacht und Straßenablauf ist der harte Konflikt das richtige Werkzeug. Die Abstandsprüfung führen die Programme als eigenen Konflikttyp, die Freiraumprüfung,3 und sie brauchen dafür je Lauf eine eigene Zahl.
Was das für dein Büro heißt
Nehmen wir das gedachte Beispiel dieser Seiten, eine Ortsdurchfahrt über 800 Meter mit Mischwasserkanal, geplant von einem Büro mit acht Leuten.
In Leistungsphase 3 führt unsere Projektleiterin, die im Abwicklungsplan die Gesamtkoordination übernimmt, alle 14 Tage das Koordinationsmodell zusammen: die Fachmodelle Straße und Kanal im Zustand „geteilt“, den Bestand und das Lageband der fünf Sparten Trinkwasser, Gas, Strom, Telekommunikation und Straßenbeleuchtung. Die Baumreihe im Gehweg kommt mit dem Bestand herein; wer sie in der Planung führt, ist bei uns offen.
Sechs Zeilen aus unserem Regelsatz
Unser Prüfumfang steht im Abwicklungsplan als Regelsatz, mit Regelart, Wert, Herausgeber und Stand je Zeile. Daran hängt, was maschinell entscheidbar ist.
| Was geprüft wird | Kriterium und Herkunft | Maschinell entscheidbar |
|---|---|---|
| Trinkwasser gegen Kanal und andere Medien im Parallelverlauf | lichter Abstand je Paarung, aus der Auflage des Versorgers | ja, je Paarung ein eigener Lauf |
| Trinkwasser gegen andere Leitung in der Kreuzung | lichter Abstand im Kreuzungspunkt, im Beispiel 0,20 m, bei Transportleitungen 0,40 m | ja |
| Überdeckung von Kanal und Sparten gegen die fertige Straßenoberfläche | Wert aus dem Merkblatt des Versorgers | nur, wenn die Endoberfläche als Fläche vorliegt |
| Baumreihe gegen Leitung | Planungsgrundsatz nach DVGW GW 125 (M): mehr als 2,50 m zwischen Stammachse und Leitungsaußenkante | der Abstand ja, wenn die Bäume als Objekte vorliegen; die Zulässigkeit bleibt Abstimmungsthema |
| Schacht und Straßenablauf gegen kreuzende Sparte | Durchdringung, harter Konflikt | ja |
| Dieselbe Bestandsleitung aus Auskunft und Vermessung | Duplikate innerhalb der Toleranz | nur bei deckungsgleichen Darstellungen innerhalb der Toleranz, sonst Handarbeit; dass es vorkommt, ist wahrscheinlich |
Die 0,20 m stammen aus dem wvr-Merkblatt, Stand 01.04.2019, und gelten für dieses Unternehmen;4 der Baumabstand aus DVGW GW 125 (M), Februar 2013.5
Die Baumzeile zeigt, warum eine Zahl Zusammenhang braucht: Der Grundsatz hat Empfehlungscharakter, unterhalb des Abstands sieht das Merkblatt gestufte Schutzmaßnahmen und eine Vereinbarung vor, oberhalb ist Wurzeleinwuchs nicht ausgeschlossen.5
Die Zahlen kommen aus drei Ebenen: Normen setzen den Rahmen, Merkblätter und Werknormen der Versorger liefern die Zahl, gegen die geprüft wird, und die Auflage des Netzbetreibers geht im Einzelfall vor, das liegt nahe.
Ein Regelsatz ist deshalb ein Projektdokument; ein gepflegter öffentlicher Satz war am 14.08.2026 nicht auffindbar.6 Alle zwölf Zeilen stehen auf dem Datenblatt Koordination und Prüfung dieses Themenfelds.
Was die Liste aufbläht und was sie leert
Bei der Überdeckung haben wir die Regel, uns fehlt aber der Prüfpartner: Die fertige Straßenoberfläche ist bei uns kein Lieferobjekt, und was nicht geliefert wird, prüft der Lauf nicht; Bordanlage und Flurstücksgrenze geht es genauso.
Dann die Toleranz. Dasselbe Eingabefeld wirkt bei unserem Programm beim harten Konflikt als Untergrenze und bei der Freiraumprüfung als Obergrenze.3 Eine Merkregel gibt es deshalb nicht; im Abwicklungsplan steht der Wert je Konflikttyp. Ein üblicher Wert war nicht auffindbar.6
Null Treffer sieht dagegen aus wie Erfolg. Liegen zwei Modelle nicht auf derselben Lage, meldet der Lauf nichts Brauchbares, weil er Körper vergleicht, die aneinander vorbeiliegen; wo Lage und Höhe herkommen, steht auf der Seite „Wo das Modell liegt“ in Themenfeld 3. Aus dem Koordinationsmodell kommen nur Vorgänge und Sichtpunkte zurück; wie wir sie führen, steht auf der Seite „Vorgänge führen“ dieses Themenfelds.
Dass wir dort nichts reparieren, entlastet uns nicht. Wer fremde Modelle verwendet, haftet nach den Muster-Vertragsbedingungen des Bundes für sie wie für eigene Informationen; einen Ausschluss für Fremddaten kennt die Klausel nicht, begrenzt ist nur die Haftung für vorgegebene Software und Hardware; das Landesmuster Baden-Württembergs von 2025 kennt einen engen Ausschluss.7
Woran du es erkennst
Hunderte Treffer sagen vor allem etwas über den Prüfumfang: Ohne Filter meldet der Lauf jede geplante Durchdringung und jedes Rauschen mit.
Ob ein Prüflauf brauchbar ist, siehst du an vier Stellen; die Länge der Liste sagt darüber wenig.
- An deinem Prüfbericht. Nennt er die Modellstände, Programm, Version, Regelsatz samt Ausschlussregeln und die Toleranz je Konflikttyp, kann ein Zweiter den Lauf wiederholen.
- An deinem Abwicklungsplan. Steht der Regelsatz dort mit Herausgeber und Stand je Zeile, läuft je Medienpaarung ein Abstandswert als eigene Regel, und sind geplante Durchdringungen benannt und ausgenommen?
- An der Lage. Liegen alle Modelle auf derselben Grundlage und in derselben Einheit? Wenn nicht, prüft der Lauf an der falschen Stelle und liefert trotzdem einen sauberen Bericht.
- An den Prüfkörpern. Manche Modellierungsrichtlinien verlangen einen eigenen Volumenkörper allein für die Koordination und lassen einen zweiten nur zu. Lies deshalb die Modalverben mit, denn gefordert ist etwas anderes als zugelassen, und ein Körper, den niemand baut, fehlt später im Lauf.
Für die Abnahme reicht der Satz „bei mir sieht es richtig aus“ nicht. Die Dokumentation des Prüfdienstes von buildingSMART benennt keinen IFC-Viewer als Referenz und erklärt die Darstellung ausdrücklich als außerhalb seines Auftrags.8
Öffne eine Lieferung deshalb in zwei IFC-Viewern statt in einem, vereinbare deren Version im Abwicklungsplan und belege das Ergebnis mit dem Prüfbericht. Wie du eine Prüfregel und den Prüfdienst dafür einsetzt, steht auf der Seite „Prüfen, bevor jemand anderes prüft“ dieses Themenfelds.
Fundstellen geprüft am 14.08.2026. Die Ortsdurchfahrt ist ein konstruiertes Beispiel; die Abstandswerte stammen aus benannten Merkblättern.
- ↩ Rahmendokument Datenmanagement, Fassung 1.0, Teil 1 Abschnitt 3, Teil 2 Abschnitt 5 mit Tabelle 13; BIM-Standards Niedersachsens, Fassung 1.08, Mai 2026, Abschnitt 6.1.1.
- ↩ VDI 2552 Blatt 4:2020-08, frei abrufbares Inhaltsverzeichnis: 8.5, 8.10, 8.12, Anhang A und Abschnitt 9 mit fünf Prüfarten.
- ↩ Deutsche Hilfe eines Koordinationsprogramms, Jahrgang 2026 (Hersteller und Produkt nennt das Datenblatt Koordination und Prüfung): vier Konflikttypen, Glossar zur Toleranz; Namen werkzeugspezifisch.
- ↩ wvr Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz, Merkblatt Trinkwasserversorgungsanlagen, Stand 01.04.2019, Abschnitte 3.1, 3.2 und 4; Grundlage ist DVGW W 400-1 (A).
- ↩ DVGW GW 125 (M), Februar 2013, Leseprobe, Volltext kostenpflichtig; 2,50 m nach einem frei abrufbaren IKT-Vortrag; Merkblatt „Schutz öffentlicher Abwasseranlagen“, Stadt Mettmann, 01.10.2022.
- ↩ Zwei Nichtauffindbarkeiten mit Suchweg, Stand 14.08.2026: ein gepflegter öffentlicher Regelsatz und ein üblicher Toleranzwert, letzterer auf zwei getrennten Wegen.
- ↩ BIM4INFRA2020 Teil 5, § 7 Absatz 1 Satz 3: Fremddaten wie eigene, kein Ausschluss; Landesmuster BW BIM-BVB F-StB, 01.07.2025, § 7 Absatz 1: enger Ausschluss.
- ↩ buildingSMART Technical, Dokumentation des Prüfdienstes, Abschnitt „Visualisation“; einen IFC-Viewer als Referenz benennt sie nicht.
