Bisher hast du Punkte frei in die Zeichnung gesetzt. Im Planungsalltag musst du aber an bestehende Objekte anschließen und Konstruktionen von ihnen ableiten. Genau dafür gibt es die Präzisionswerkzeuge. Sie sind dein Schlüssel zu sauberen, exakten Zeichnungen.
2D-Objektfang (F3): Punkte an Geometrien fangen
Der Objektfang ist vermutlich das wichtigste Präzisionswerkzeug überhaupt. Er ermöglicht dir, beim Zeichnen automatisch bestimmte Punkte an vorhandenen Geometrien zu erkennen und zu nutzen. Den Objektfang aktivierst du über die Funktionstaste F3 oder das Symbol in der Anwendungsstatusleiste. Leuchtet es blau, ist er aktiv.
Über das Dreieck neben dem Symbol öffnest du das Objektfang-Menü, in dem du festlegst, welche Punkte erkannt werden sollen:
- Endpunkt (END): Erfasst Anfangs- und Endpunkte von Linien und Bögen sowie alle Stützpunkte von Polylinien
- Mittelpunkt (MIT): Findet die Mitte eines linearen oder bogenförmigen Segments. Achtung: Das ist nicht der Zentrumspunkt eines Kreises!
- Mitte zwischen zwei Punkten (M2P): Berechnet den Mittelpunkt zwischen zwei beliebigen Positionen. Hilfreich, wenn an der gesuchten Stelle keine Geometrie liegt
- Schnittpunkt (SCH): Erkennt Stellen, an denen sich zwei Objekte kreuzen
- Angenommener Schnittpunkt (SCH): Berechnet, wo sich zwei Objekte schneiden würden, wenn man sie gedanklich verlängert
- Zentrum (ZEN): Fängt den Mittelpunkt eines Kreises oder Bogens
- Quadrant (QUA): Erkennt die vier Hauptpunkte (0°, 90°, 180°, 270°) eines Kreises
- Lotrecht (LOT): Fällt das Lot vom letzten Punkt auf ein Objekt
- Tangential (TAN): Findet den Berührpunkt auf einem Bogen oder Kreis
- Nächster (NÄC): Fängt den nächstgelegenen Punkt auf einer beliebigen Geometrie
Ein wichtiger Rat aus der Praxis: Aktiviere nur die Objektfänge, die du für den aktuellen Arbeitsschritt wirklich brauchst. Zu viele gleichzeitig aktive Fänge führen dazu, dass AutoCAD bei dicht beieinander liegenden Punkten den falschen wählt.
Temporäre Objektfangüberschreibungen
Manchmal brauchst du für einen einzelnen Klick einen anderen Objektfang als den permanent eingestellten. Statt jedes Mal die Einstellungen zu ändern, nutze die temporäre Überschreibung:
- Halte die STRG-Taste gedrückt und klicke die rechte Maustaste im Zeichenbereich.
- Es erscheint ein Kontextmenü mit allen verfügbaren Objektfängen.
- Wähle den gewünschten Fang (z.B. Zentrum).
- Jetzt sind für diesen einen Klick alle anderen Fänge deaktiviert.
- Nach dem Klick gelten wieder die permanenten Einstellungen.
Ortho-Modus (F8): Nur waagerecht und senkrecht
Der Ortho-Modus beschränkt das Zeichnen auf horizontale und vertikale Richtungen. Das ist ideal, wenn du rechtwinklige Strukturen konstruierst. Aktiviere ihn mit F8 oder über die Anwendungsstatusleiste.
Besonders mächtig wird der Ortho-Modus in Kombination mit der Systemvariable SNAPANG. Damit drehst du das Bezugssystem: Gib SNAPANG in die Befehlszeile ein und fange zwei Punkte einer schrägen Linie. Das Fadenkreuz richtet sich an dieser Linie aus, und der Ortho-Modus arretiert das Gummiband parallel und orthogonal dazu. So konstruierst du mühelos entlang schräger Gebäudekanten. Vergiss nicht, SNAPANG am Ende auf 0 zurückzusetzen.
Polarer Spurfang (F10): Winkelraster nutzen
Der polare Spurfang arretiert das Fadenkreuz in regelmäßigen Winkelintervallen. Das ist zum Beispiel nützlich, wenn du Leitungsnetze erfasst, bei denen nur bestimmte Winkel für Rohrbögen zulässig sind.
Die Einstellungen findest du im Flyout der Schaltfläche des polaren Spurfangs:
- Inkrementwinkel: Bestimmt das Raster (z.B. alle 50 gon)
- Absolut: Die Arretierung bezieht sich auf das kartesische Koordinatensystem
- Relativ zu letztem Segment: Die Arretierung bezieht sich auf die Richtung des zuletzt gezeichneten Segments
Wichtig: Ortho-Modus und polarer Spurfang schließen sich gegenseitig aus. Es kann immer nur einer von beiden aktiv sein.
Objektfangspur (F11): Ausrichtungen verlängern
Die Objektfangspur ist ein echtes Profi-Werkzeug. Sie hilft dir, neue Punkte zu berechnen, indem du die Ausrichtung vorhandener Geometrien gedanklich verlängerst. So findest du zum Beispiel den Schnittpunkt zweier verlängerter Linien, ohne diese tatsächlich verlängern zu müssen.
Und so funktioniert es:
- Aktiviere die Objektfangspur (F11) und stelle die Objektfänge Schnittpunkt und Hilfslinie ein.
- Starte einen Zeichenbefehl (z.B. Linie).
- Halte die Maus über das Ende eines Liniensegments, ohne zu klicken. Es erscheint ein kleines rotes Kreuz.
- Bewege die Maus in Richtung der Linie. Du siehst ein gestricheltes Gummiband.
- Halte die Maus über das Ende einer zweiten Linie (ohne zu klicken). Beide Markierungen bleiben sichtbar.
- Bewege die Maus dorthin, wo sich die beiden Verlängerungen treffen.
- Klicke, um den berechneten Schnittpunkt zu übernehmen.
Diese Technik funktioniert auch mit Bogensegmenten und eröffnet dir eine Vielzahl von Konstruktionsmöglichkeiten, die ohne Hilfskonstruktionen auskommen.
