BIM | IFC im Tiefbau

IFC im Tiefbau

Was ist IFC 4.3, und wie passt meine Straße hinein?

Themenfeld 5 · Liefern · Lesezeit 7 Minuten

Eine Datei im offenen Austauschformat ist schnell erzeugt. Ob der Empfänger darin eine Straße samt Kanal wiederfindet, hängt daran, wie das Schema sie ordnet, und diese Ordnung sieht anders aus als im Hochbau. Hier stehen die Klassen, die ein kommunales Vorhaben wirklich braucht, und die Stelle, an der das Schema an seine Grenze kommt.


Was gemeint ist

Dass im Tiefbau die Anlage an die Stelle des Gebäudes tritt und die Achse am Projekt hängt, steht schon auf der Seite „Was im Tiefbau anders läuft“ in Themenfeld 1.

stellt neben die Hochbau-Kette aus Projekt, Grundstück, Gebäude und Geschoss eine zweite Ordnung. Das Bauwerk heißt dort Anlage, im Schema IfcFacility, und das Gebäude ist einer ihrer fünf Untertypen.1 An die Stelle des Geschosses tritt der Anlagenteil, unter einer Straße IfcRoadPart. Die Klasse IfcFacility ist nicht abstrakt, ein Kanalnetz bekommt deshalb eine allgemeine Anlage mit allgemeinen Teilen darunter.2

Ein Anlagenteil bringt zwei eigene Angaben mit: UsageType sagt, ob er längs, quer, der Höhe nach oder flächig gliedert, und sein Sachtyp, ein vorgegebener Wert aus der Aufzählung seiner Klasse, sagt, was er ist, unter einer Straße etwa Fahrbahn oder Gehweg.1

Wer bisher „Abschnitt zwei, rechts, Deckschicht“ in den Objektnamen geschrieben hat, drückt Gliederung und Art jetzt über diese beiden Felder aus. Was als Struktur dasteht, lässt sich filtern und prüfen; was im Namen steht, muss jemand lesen.

Das Schema führt mehrere hundert Klassen, für ein kommunales Vorhaben braucht man ein gutes Dutzend. Aus der Reihe fällt die Achse, im Schema : Sie ist kein Bauteil und kein Raum, sondern ein Positionierungselement, denn sie beschreibt, wo etwas liegt, und nicht, was gebaut wird.

Die Prüfregel zur Achslogik2 verlangt deshalb, dass jede Achse über die Zusammensetzungsbeziehung am Projekt hängt, unmittelbar oder über eine übergeordnete Achse.


Was das für dein Büro heißt

Nehmen wir das gedachte Beispiel dieser Seiten, eine Ortsdurchfahrt über 800 Meter mit Mischwasserkanal, geplant von einem Büro mit acht Leuten.

Unsere Autorensoftware ist Civil 3D 2026 mit der IFC-4.3-Erweiterung, einem separaten Zusatzmodul, das es als eigene Ausgabe zu jeder Programmversion seit Civil 3D 2022 gibt; die Ausgabe für 2026 schreibt voreingestellt IFC4X3_ADD2 in unsere Kopfzeile. Welcher Erweiterungsstand belegt ist, steht im Blatt „Versionen und Stände“.

Die Bauteile in der Klassensprache

So sieht die Zuordnung aus, jeweils mit dem Sachtyp.

BauteilKlasse in IFC 4.3Sachtyp
AchseIfcAlignmentohne sachlichen Wert
FahrbahnschichtIfcCoursePAVEMENT
HaltungIfcPipeSegmentRIGIDSEGMENT
SchachtIfcDistributionChamberElementMANHOLE
StraßenablaufIfcWasteTerminalGULLYSUMP
BodenabtragIfcEarthworksCutTRENCH
BodenauftragIfcEarthworksFillBACKFILL

Die linke Spalte nennt die Bauteile unseres Beispiels, die Klassen stammen aus der Dokumentation.3

Regelmäßig vertauscht werden zwei Zeilen: Der Schacht gehört als begehbares Bauwerk am Kanal zu IfcDistributionChamberElement, der Straßenablauf mit Schlammfang zu IfcWasteTerminal.3 IfcSanitaryTerminal klingt nach Abwasser, führt aber nur Sanitärobjekte wie Waschbecken, Dusche und Toilette; wer Schacht oder Ablauf dorthin legt, liefert eine formal fehlerfreie Datei im falschen Fach.

stehen im Leistungsverzeichnis nebeneinander, das Schema behandelt sie verschieden. Der Auftrag ist ein gebautes Element, der Abtrag ein Abzugskörper, den IfcRelVoidsElement mit dem Element verbindet, aus dem er Material nimmt.4

Die beiden Massen entstehen deshalb verschieden, und ein Abzugskörper bleibt in vielen IFC-Viewern unsichtbar. Wer den Aushub im Modell nicht sieht, hat ihn womöglich korrekt geliefert bekommen. Dass ein deutsches Wörterbuch den Auftrag zeitweise wie den Abtrag zuordnete, steht im Datenblatt Kataloge und Merkmale in Themenfeld 4.

Die Achse hängt am Projekt und nicht unter der Straße, und daraus entsteht der häufigste Fehlalarm der Abnahme: Wer sie unter der Straße sucht, meldet sie als fehlend. „Achse liefern“ ist außerdem keine vollständige Angabe: Unter ihr dürfen Lageplan, Höhenentwicklung, Überhöhung und Stationierungsmarken liegen, immer vorhanden ist nur der Lageplan.2

Wie viel Schema bestellt ist

Für IFC 4.3 führt buildingSMART zwei Prüfregeln, IFC430 und IFC431, die je eine Ausschlussliste von Klassen haben und so zwei Prüfumfänge beschreiben. Welcher gilt, nennt die Datei in ihrer Kopfzeile, ReferenceView für den kleineren und Alignment-basedView für den größeren.5 Diese , ein festgelegter Ausschnitt des Schemas, beschreibt buildingSMART, die Hersteller setzen sie um; den projektbezogenen Prüfsatz (IDS) schreibt dagegen der Anwender.

Der Unterschied trifft die Achse: Das Achsobjekt selbst ist in beiden Umfängen zulässig, der kleinere kennt aber weder Lageplan und Höhenentwicklung noch die Kurventypen, aus denen eine Trassierung besteht.5 Übrig bleibt eine Achse ohne parametrische Geometrie, aus der sich die Trassierung nicht zurückrechnen lässt. Die beiden Regeln legen die Modellsichten nicht selbst fest; sie prüfen nur, was die Datei in ihrer Kopfzeile erklärt, und gelten als Branchenpraxis.

Wer die Achse weiterplanbar braucht, bestellt den größeren Umfang. Unsere Anlage 7, die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA), nennt keine Modellsicht, deshalb gehört die Frage in die Bieterfrage und danach in den Abwicklungsplan. Dass auch ein deutscher Musterdatensatz die kleinere Modellsicht einträgt, zeigt das Datenblatt Kataloge und Merkmale in Themenfeld 4.

Wo das Schema aufhört, sagt es selbst: Der Tunnel ist in der Schemaübersicht der Dokumentation als noch nicht enthalten ausgewiesen und soll später ergänzt werden.6

Für deutsche Angaben wie Bauklasse oder Asphaltsorte gibt es keinen eigenen Eigenschaftssatz; sie kommen als eigene Merkmale oder aus einem Katalog an das Bauteil, wie es die Seite „Merkmale aus dem Katalog“ in Themenfeld 4 zeigt.6

Dabei zählt die Reihenfolge: erst die Klasse, dann die Merkmale. Eine korrekt klassifizierte Haltung ohne deutsche Merkmale lässt sich ergänzen, ein Platzhalter mit vollständigen Merkmalen nicht, weil der Empfänger nicht weiß, was es ist.

So sieht das in Civil 3D aus: Welches Zeichnungsobjekt auf welche Klasse abgebildet wird, zeigt später der Tiefgang-Bereich Dialog für Dialog. Was Achse, Profilkörper und Kanalnetz als Objekte sind, steht im Fahrwasser.

Woran du es prüfst

Die billigste Prüfung braucht nur einen Texteditor, denn die Kopfzeile der Datei lässt sich darin lesen. Zulässig sind in dieser Kopfzeile nur IFC2X3, IFC4 und IFC4X3_ADD2.7 IFC4X3 ohne Zusatz und IFC4X3_ADD1 sind Zwischenstände, und IFC 4.1 und 4.2 führt die Liste gar nicht, sie gelten als zurückgezogen.

Ob ein Programm IFC 4.3 unterstützt, zeigt deshalb die Versionskennung, die es in die Datei schreibt. Steht eine dieser Zwischen- oder Altnummern in deiner Ausschreibung, gehört sie in die Bieterfrage.

Drei Handgriffe kommen vor dem Versand.

  1. Suche die Achse im IFC-Viewer direkt unter dem Projekt und nicht unter der Straße, sonst meldest du eine Lücke, die keine ist.
  2. Frage bei Erdmassen nach der Klasse im Datensatz, weil der Abzugskörper in der Anzeige gar nicht auftauchen muss.
  3. Lies im öffentlichen Prüfregelwerk nach, woran deine Datei gemessen wird; es ist ohne Norm-Kauf und ohne Lizenzgebühr lesbar.7

Wer IFC 4.3 exportiert, schreibt nur eine Kennung in die Kopfzeile. Zertifiziert wäre erst ein Programm, das die Prüffälle von buildingSMART bestanden hat, und dazu führt die Zertifizierungsliste bis heute keinen Eintrag.8 Der Austausch arbeitet deshalb mit Selbstauskünften, denn die Liste der IFC-4.3-Umsetzungen pflegen die Hersteller selbst, und sie ist ausdrücklich nicht geprüft.8

Dieser Unterschied ist bei der Vergabe eine eigene Zeile im Schriftverkehr wert. Wer einen Nachweis braucht, sieht in der Liste von buildingSMART nach und lässt sich den Stand vom Anbieter schriftlich bestätigen, mit Versionsnummer und Datum.

In deine Bieterfragen gehören damit die Versionskennung, die Modellsicht und der Umfang, in dem die Achse geliefert wird, und nach der Regel auf „Die dünne AIA“ in Themenfeld 2 bekommt jede ein eigenes Formularfeld. Welche Klassen und Prüfregeln dahinterstehen, listet das Datenblatt Formate und IFC dieses Themenfelds; wo Lage und Höhe stehen, klärt die Seite „Wo das Modell liegt“ in Themenfeld 3.

Quellen

Fundstellen geprüft am 11.08.2026, einzelne Angaben am 12.08. und 16.09.2026. Die Ortsdurchfahrt ist ein konstruiertes Beispiel.

  1. ↩ IFC-4.3.2-Dokumentation von buildingSMART, Version 4.3.2.0: IfcFacility mit fünf Untertypen, IfcFacilityPart mit UsageType, IfcRoadPart mit Sachtyp.
  2. ↩ Öffentliches Prüfregelwerk des buildingSMART Validation Service: Zusammensetzungstabelle zu SPS002, Achsregeln ALB000, ALB003, ALB004.
  3. ↩ IFC-4.3.2-Dokumentation, 19 Klassen mit Sachtyp-Aufzählungen einzeln abgerufen; Schacht und Straßenablauf in zwei Prüfungen bestätigt.
  4. ↩ IFC-4.3.2-Dokumentation: Vererbungswege von IfcEarthworksFill und IfcEarthworksCut, Beziehung IfcRelVoidsElement, beide Sachtyplisten vollständig.
  5. ↩ Vergleich der Regeldateien IFC430 und IFC431, ausgezählt 11.08.2026 und gegengeprüft 16.09.2026: 308 gegen 279 ausgeschlossene Einträge, Differenz 29.
  6. ↩ IFC-4.3.2-Dokumentation: Tunnel in der Schemaübersicht der Einleitung durchsichtig und späterer Ergänzung vorbehalten; Eigenschaftssätze von IfcCourse ohne deutsche Angaben.
  7. ↩ Prüfregel IFC101 desselben Regelwerks, als kritisch eingestuft; eigene Auszählung am 11.08.2026: 104 Regeldateien in 34 Gruppen.
  8. ↩ buildingSMART, Liste der IFC-4.3-Umsetzungen mit dem Hinweis auf Selbstauskunft; Zertifizierungsliste beim Abruf am 16.09.2026 unverändert nur mit IFC 2.3 und IFC 4.0.
Stand 09/2026