2D-Bearbeitungswerkzeuge

Zeichnen ist nur die halbe Miete. Mindestens genauso wichtig ist das Bearbeiten bestehender Objekte. In diesem Tutorial lernst du alle wesentlichen Werkzeuge kennen, mit denen du Geometrien verschiebst, kopierst, drehst, skalierst und vieles mehr. Wir arbeiten uns Schritt für Schritt durch die Werkzeugpalette.

Löschen (Kürzel: LÖ) und Rückgängig (Z)

Das einfachste Bearbeitungswerkzeug: Markiere ein Objekt und drücke die Entfernen-Taste. Alternativ startest du den Befehl Löschen aus der Gruppe Ändern, wählst die Objekte aus und bestätigst mit der Eingabetaste.

Hast du etwas versehentlich gelöscht, rettet dich der Befehl Rückgängig (Z) in der Schnellzugriffsleiste. Der Gegenpart Wiederherstellen (HOPPLA) macht das Rückgängig wieder rückgängig. Beide stehen als Flyout zur Verfügung, sodass du gezielt zu einem bestimmten Punkt in der Bearbeitungshistorie springen kannst.

Achtung: Startest du nach dem Rückgängigmachen irgendeinen anderen Befehl (selbst eine Ausschnittsverschiebung zählt), kannst du die rückgängig gemachten Änderungen nicht mehr wiederherstellen.

Auswahlsätze: Objekte effizient auswählen

Viele Bearbeitungsbefehle erwarten einen Auswahlsatz. Du kannst Objekte entweder vor dem Start des Befehls markieren oder erst den Befehl starten und dann die Objekte wählen (Abschluss mit Eingabetaste). Für die Auswahl hast du verschiedene Methoden:

  • Einzelklick: Wählt ein einzelnes Objekt
  • Fenster (links nach rechts): Zwei diagonale Klicks von links oben nach rechts unten wählen nur Objekte, die vollständig im Rahmen liegen
  • Kreuzendes Fenster (rechts nach links): Zwei diagonale Klicks von rechts unten nach links oben wählen auch Objekte, die der Rahmen nur berührt
  • Lasso: Halte die Maustaste gedrückt und ziehe ein Lasso um die Objekte. Mit der Leertaste wechselst du zwischen Fenster-Polygon, kreuzendem Polygon und Zaun
  • Umschalttaste + Fensterwahl: Entfernt Objekte aus dem aktuellen Auswahlsatz

Verschieben (Kürzel: S) und Kopieren (KO)

Beide Befehle funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Du wählst Objekte aus, bestätigst die Auswahl, pickst einen Startpunkt und dann einen Zielpunkt. Der Unterschied: Verschieben bewegt die Objekte, Kopieren erstellt eine Kopie am Zielort.

Für relatives Verschieben drücke anstelle des Startpunkts einfach die Eingabetaste und gib dann den Versatz als Koordinaten ein (z.B. 5,1 für 5 Meter nach rechts und 1 Meter nach oben). Alternativ steht dir auch die Befehlszeilenoption Verschiebung zur Verfügung, über die du relative Koordinaten direkt eingeben kannst.

Gruppen (Kürzel: GR): Objekte dauerhaft zusammenfassen

Wenn du bestimmte Objekte immer gemeinsam bearbeiten möchtest, fasse sie in einer Gruppe zusammen. Starte den Befehl Gruppe in der Multifunktionsleiste, wähle die Objekte und bestätige. Fortan werden beim Anklicken eines Gruppenobjekts automatisch alle Mitglieder markiert.

Über den Gruppenbegrenzungsrahmen (Multifunktionsleiste Start, Erweiterung der Gruppe Gruppen) schaltest du zwischen dem zentralen Gruppengriff und den einzelnen Objektgriffen um. Der zentrale Griff eignet sich perfekt zum gemeinsamen Verschieben, Drehen und Skalieren. Schalte ihn aus, wenn du einzelne Objekte innerhalb der Gruppe bearbeiten möchtest.

Drehen (Kürzel: DH)

Der Befehl Drehen rotiert ausgewählte Objekte um einen Basispunkt. Der Basispunkt muss nicht am Objekt selbst liegen. Beachte die Winkeleinstellungen deiner Zeichnung:

  • In reinen AutoCAD-Zeichnungen: Altgrad (°), 0° nach Osten, Drehung gegen den Uhrzeigersinn
  • In Civil 3D-Vorlagen: Neugrad (gon), 0 gon nach Norden, Drehung gegen den Uhrzeigersinn
  • In Map-Zeichnungen: Möglicherweise Neugrad mit Drehung im Uhrzeigersinn (vermessungstechnisch)

Besonders nützlich ist die Option Bezug: Damit weist du einer vorhandenen Kante eine neue Ausrichtung zu. Picke zwei Punkte am Objekt als Bezugswinkel und bestimme dann die gewünschte Richtung.

Skalieren (Kürzel: V)

Beim Skalieren bestimmst du einen Basispunkt und gibst einen Faktor ein: 1 entspricht 100%, 0.5 halbiert, 2.0 verdoppelt die Größe. Auch hier gibt es die Option Bezug: Picke zwei Punkte, deren aktueller Abstand bekannt ist, und gib die gewünschte neue Länge ein. So skalierst du präzise auf ein bestimmtes Maß.

Ausrichten (Kürzel: AUS): Drei Befehle in einem

Der Befehl Ausrichten kombiniert Verschieben, Drehen und Skalieren in einem einzigen Arbeitsschritt. Du pickst 2 oder 3 Passpunktpaare (Quell- und Zielpunkt), und AutoCAD berechnet die passende Transformation. Das Verfahren entspricht einer Helmert-Transformation mit proportionaler Skalierung. Die Objekte bleiben geometrisch ähnlich.

Dieser Befehl ist besonders beliebt zum Einpassen von nicht georeferenzierten Plänen in einen Lageplan.

Spiegeln (Kürzel: SP)

Spiegeln erzeugt eine Kopie (oder verschiebt, wenn gewünscht) an einer Spiegelachse, die du durch zwei Punkte bestimmst. Am Ende fragt AutoCAD, ob die Ausgangsobjekte gelöscht werden sollen. Beachte: Durch das Spiegeln wird die Konstruktionsrichtung von Polylinien umgekehrt, und Texte werden gespiegelt dargestellt. Letzteres steuerst du über die Systemvariable MIRRTEXT.

Stutzen (Kürzel: SU) und Dehnen (DE)

Mit Stutzen kürzt du lineare Objekte an Schnittkanten, mit Dehnen verlängerst du sie. Durch Drücken der Umschalttaste wechselst du während des Befehls zwischen beiden Funktionen. Der Ablauf:

  1. Starte den Befehl Stutzen.
  2. Wähle die Schnittkanten aus (die Objekte, an denen gestutzt/gedehnt werden soll) und bestätige mit der Eingabetaste.
  3. Klicke nun die Enden der zu stutzenden Objekte. AutoCAD kürzt immer die Seite, die näher am Klickpunkt liegt.
  4. Mit gedrückter Umschalttaste wechselst du zum Dehnen.

Tipp: Statt einzelne Enden zu klicken, kannst du auch mit Auswahlrahmen, Lasso oder Zaun arbeiten. Das spart Zeit bei vielen Objekten.

Abrunden (Kürzel: AR) und Fasen (FAS)

Abrunden verbindet zwei Segmente mit einem Kreisbogen eines definierten Radius. Fasen fügt ein lineares Segment mit definierten Abständen ein. Bei beiden Befehlen gibst du zuerst den Radius bzw. die Abstände ein und pickst dann die zwei Segmente.

Zwei wichtige Details:

  • Rundest du zwei getrennte Polylinien ab, werden sie automatisch zu einer Polylinie zusammengefügt
  • Ein Abrundungsradius von 0 fügt zwei Polylinien im Schnittpunkt zusammen, ohne Bogen. Das ist ein schneller Weg, Polylinien zu verbinden

Griffbearbeitung: Objekte direkt am Griff anfassen

Griffe werden sichtbar, sobald du ein Objekt auswählst. Je nach Objekttyp gibt es verschiedene Griffe mit unterschiedlichen Funktionen:

  • Stützpunktgriff (Quadrat): Verändert die Lage eines Eckpunkts
  • Mittelpunktgriff (Rechteck): Verschiebt ein ganzes Segment
  • Umschaltgriff (Dreieck): Öffnet ein Menü mit Optionen

Halte die Maus über einen Griff (ohne zu klicken), um ein kontextabhängiges Menü zu sehen. Dort findest du Befehle wie Scheitelpunkt hinzufügen oder Scheitelpunkt entfernen. Möchtest du mehrere Griffe gleichzeitig bearbeiten, wähle sie mit gedrückter Umschalttaste aus (sie werden rot) und klicke dann einen davon an.

Versetzen (Kürzel: VS): Parallelen erzeugen

Im Gegensatz zum Kopieren berechnet Versetzen eine echte Parallele, bei der alle Segmente den gleichen Abstand zum Ausgangsobjekt haben. Gib zuerst den Abstand ein, picke dann das Objekt und zeige mit der Maus, auf welcher Seite die Parallele entstehen soll.

Voraussetzung: Die Ausgangsobjekte müssen geometrisch sauber sein, also keine doppelten Stützpunkte oder Selbstüberschneidungen aufweisen.

Brechen (BR) und Verbinden (VB)

Mit Brechen entnimmst du aus einem linearen Objekt einen Abschnitt oder trennst es an einem Punkt auf. An Punkt brechen trennt das Objekt, ohne Material zu entfernen. Verbinden fügt aneinanderstoßende Polylinien mit gemeinsamen Endpunkten wieder zu einem Objekt zusammen.

Richtung wechseln: Polylinie umdrehen

Die Konstruktionsrichtung einer Polylinie ist nicht immer offensichtlich, kann aber relevant sein (z.B. für Leitungs- oder Achsrichtungen). Mit dem Befehl Umdrehen (Multifunktionsleiste Start, Erweiterung der Gruppe Ändern) kehrst du die Richtung um.