Kanal kommunal
Der Kanalbetrieb will seine Daten zurück. In welcher Form?
Themenfeld 5 · Liefern · Lesezeit 6 Minuten
Am Ende einer Kanalerneuerung will der Betreiber seine Daten zurück, und zwar nicht als Modelldatei. Für den kommunalen Kanal gibt es dafür ein eigenes Fachdatenformat, und der Empfänger erwartet es seit Jahren in einer bestimmten Version. Was geht da wirklich über den Tisch, und was muss vorher geklärt sein?
Was gemeint ist
Kanaldaten sind erst fertig, wenn sie beim Betreiber ankommen. Für den Kanal gibt es seit 1991 ein digitales Austauschformat,1 deshalb sind die Fehler hier gut beschrieben.
Die Form ist das ISYBAU-Austauschformat Abwasser, ein XML-Format aus den Baufachlichen Richtlinien Abwasser, herausgegeben vom Verteidigungsministerium und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.2 Das ist ein Regelwerk des Bundesbaus; Kommunen benutzen es aus eingespielter Praxis, vorgeschrieben ist es ihnen nicht.
Mit IFC konkurriert es nicht: Für Zustand, Hydraulik und Betrieb hält IFC einzelne Eigenschaftssätze und Anschlüsse bereit, aber kein Kanal-Datenmodell mit Inspektion, Rechennetz und Betriebsdaten, und eben das führt das Kanalformat mit.3
Das Format gliedert die Datei in Metadaten, die für alles gelten, und fünf Datenkollektive: Stammdaten, Zustand, Hydraulik, Betrieb, Präsentation.2 Zwingend zu übergeben sind zwischen Planung, Bau und Betrieb vor allem Stammdatenfelder wie Lage, Höhe, Profil und Material;1 das erklärt, warum eine gelieferte Datei so dünn wirkt.
Beschrieben ist das Netz als Kanten-Knoten-Modell und nicht als Bauteilbaum; Kante ist das Wort des Formats für jede Verbindung. Eine Haltung ist eine Kante vom Zulauf- zum Ablaufknoten, ein Schacht ist ein Knoten, die Richtung liegt in Abflussrichtung fest.2 Das Bestandsmodell landet zuletzt in der Kanaldatenbank des Betreibers; was dort nicht ankommt, ist für den Betrieb nicht vorhanden, so tadellos es im Modell aussieht.
Daneben liegt ein zweites Regelwerk: Das Merkblatt DWA-M 145-3 ist im Dezember 2025 erschienen und hat DWA-M 150 aus dem April 2010 abgelöst.4 Zurückgezogen heißt hier ersetzt; ein Anwendungsverbot ist damit nicht belegt.
Was das für dein Büro heißt
Nehmen wir das gedachte Beispiel, eine Ortsdurchfahrt über 800 Meter mit Mischwasserkanal, geplant von einem Büro mit acht Leuten. Die Kanaldaten wechseln darin dreimal den Besitzer.
- Zu Beginn liefert der Kanalbetrieb seinen Bestand aus seiner Kanaldatenbank, meist nur die Stammdaten; die Annahme zeigt die Seite „Bestandsdaten annehmen“ in Themenfeld 3.
- Von der Planung in den Bau geht die Datei an die Baufirma. Dieser Übergang klappt selten; wir klären deshalb vorher Benennung, Mindestangaben und Fortschreibung.
- Am Ende von Leistungsphase 8 steht der letzte Datenübergabepunkt, bei uns die DÜP 7: Der Kanalbetrieb bekommt die Kanaldaten für sein Kataster zurück, in der Version, die sein Kanalinformationssystem einliest. Die Grundregel steht auf „Welches Format wofür“ dieses Themenfelds: erst fragen, dann die höchste kompatible Version nehmen.1
Der Name ist der Schlüssel
Das Kanalformat kennt zwar ein optionales Kennungsfeld, die LISA-GUID des Bundes mit 32 Zeichen. Die Identität eines Objekts hängt aber nicht daran, Schlüssel sind Objektbezeichnung und Objektart.5 Der Leitfaden des Softwareverbands BVBS sagt es kurz: Der Name ist der Schlüssel.1 Die Objektbezeichnung ist Pflichtfeld und fasst höchstens 30 Zeichen.5
Auch die Netztopologie hängt am Namen. Die Felder für Zulauf- und Ablaufknoten einer Haltung sind selbst Zeichenketten und keine Verweise auf eine Kennung.5 Wer einen Schacht umbenennt, zerschneidet damit jede Haltung, die ihn nennt, solange nicht alle Nennungen mitgeändert werden.
Daraus folgen drei Benennungsregeln.
- Eine Haltung heißt wie ihr Zulaufschacht. Zwei Objekte verschiedener Art tragen also denselben Namen, weil die Haltung ihren Namen vom Zulaufschacht bekommt.
- Namen sind je Gruppe eindeutig. Schächte untereinander und Haltungen untereinander dürfen sich nicht wiederholen, sonst lässt sich ein Objekt nicht mehr zuordnen.
- Ein Anschlusspunkt und ein Schacht sollten nicht gleich heißen. Das Verbot steht in den Baufachlichen Richtlinien; der Leitfaden hält es technisch für nicht nachvollziehbar und rät, gleiche Namen zu vermeiden, wenn Zielsysteme damit nicht umgehen können.1
Unser Vergabeordner nennt keine Benennungssystematik, der Kanalbetrieb führt in seiner Datenbank aber eine eigene. Wir erfragen sie deshalb in den ersten zwei Wochen nach dem Zuschlag und halten sie im Abwicklungsplan fest. Nachträgliches Umbenennen trifft die Baufirma, die alle Namen ändern muss; der Leitfaden nennt diesen Mehraufwand, beziffert ihn aber nicht.1
Ein Bezeichnungsschema gibt es: Die Baufachlichen Richtlinien Abwasser legen in Anhang A-1.1 fest, wie Schächte, Bauwerke, Anschlusspunkte und Haltungen heißen, für Liegenschaften des Bundes.2
Ob deine Kommune es übernimmt oder eine eigene Systematik führt, steht in ihren Vergabeunterlagen; eine öffentlich abrufbare kommunale Vorgabe war am 16.09.2026 nicht auffindbar.6 Dass die Bezeichnung auch zwischen den Fachmodellen das Objekt ausweist, steht auf der Seite „Merkmale aus dem Katalog“ in Themenfeld 4.
Die Katalogfalle beim Einlesen
Das Format beschreibt ein Rohr über vier Merkmale: Material, Profilart, Profilbreite und Profilhöhe.1 Ein Programm mit Kanalnetzkatalog kennt dagegen nur die Kombinationen aus Material und Nennweite, die jemand vorher angelegt hat, und das Format bietet weit mehr: allein seine Materialliste führt 43 Werte, dazu 24 Profilarten und frei wählbare Breite und Höhe.7
Beim Einlesen einer Kanaldatei, etwa des Bestands vom Kanalbetrieb, schnappt die Falle zu: Fehlt eine Kombination, nimmt das Übersetzungsprogramm die nächstpassende Variante; es bricht nicht ab, es protokolliert ins Ereignisfenster,8 und die Ersetzung fällt oft erst auf, wenn jemand das Protokoll liest.
Woran du es prüfst
Vier Fragen entscheiden, ob deine Kanaldaten beim Betreiber ankommen.
- Die Benennungsregel deines Auftraggebers. Ist sie abgefragt und im Abwicklungsplan festgehalten, bevor der erste Schacht entsteht, und läuft jede Haltung in Abflussrichtung? Sonst hat der Schacht, an dem eine Druckleitung in den Freispiegel übergeht, rechnerisch zwei Abläufe.
- Die Mindestangaben je Objektart. Sind sie vereinbart, auch die Geländehöhe an Anschlusspunkten ohne Schacht?1 Viele Felder sind optional, und eine Datei kann gültig sein, ohne dass die Baufirma damit rechnen kann.
- Der Katalog des Zielsystems. Ist er vor dem Einlesen gegen die Materialien und Profile der Austauschdatei abgeglichen, und hast du danach das Protokoll im Ereignisfenster gelesen?
- Die Version des Betreibersystems. Liegt schriftlich vor, welche Version sein System einliest? Eine mündliche Zusage hilft dir nicht, wenn die Übergabe abgelehnt wird.
Zusammen kosten die vier Fragen eine Abstimmung und eine Notiz im Abwicklungsplan. Ohne sie merkst du erst bei der Übergabe, dass der Betreiber die Datei nicht übernehmen kann, und dann ist die Bauzeit vorbei.
Steht in deinen Vergabeunterlagen „Datenübergabe nach DWA-M 150″, ist das eine Bieterfrage wert: Welches Format liest der Betreiber wirklich ein? Die Antwort gehört schriftlich in deine Projektakte, damit sie später nachlesbar ist.
Die Feldnamen, Längen und Referenzlisten des Kanalformats stehen im Datenblatt Formate und IFC dieses Themenfelds, die Versionsgeschichte im Blatt „Versionen und Stände“. Wo die Kette nach der Übergabe endet, zeigt die Seite „Die letzte Meile“ dieses Themenfelds.
Fundstellen geprüft am 11.08.2026, einzelne Angaben am 12.08. und 16.09.2026. Die Ortsdurchfahrt ist ein konstruiertes Beispiel.
- ↩ BVBS Bundesverband Software und Digitalisierung im Bauwesen, Implementierungs-Leitfaden zur einheitlichen Nutzung von ISYBAU-Datenformaten, 13.11.2025, Abschnitte 1, 5, 7, 10 und 11. Ein Verbandspapier, kein Behördendokument.
- ↩ Baufachliche Richtlinien Abwasser (BMVg und BImA), Anhang A-1.1 (Bezeichnungsschema) und A-7 (Aufbau, Datenkollektive, Stammdaten, Tabelle A-7 – 18), mit dem veröffentlichten XML-Schema.
- ↩ IFC-4.3.2-Dokumentation, Version 4.3.2.0:
Pset_Condition,Pset_MaintenanceStrategy,Pset_PipeSegmentOccurrence,FlowDirectionamIfcDistributionPort; kein Kanal-Datenmodell. Abruf 16.09.2026. - ↩ DWA, Regelwerksmeldung zum Merkblatt DWA-M 145-3, Ausgabe 12/2025, und die Liste zurückgezogener Publikationen mit DWA-M 150 (4/2010).
- ↩ XML-Schema des ISYBAU-Austauschformats Abwasser, Version 2024, eigener Download 11.08.2026, Feldlängen am 12.08.2026 nachgezählt.
- ↩ Eigene Suche am 11.08. und 16.09.2026 nach einer kommunalen Benennungsvorgabe mit Namensmuster; gefunden nur das Bezeichnungsschema des Bundes (Anhang A-1.1).
- ↩ Referenzlisten desselben Schemas, eigene Auszählung 11.08.2026, nachgezählt 12.08.2026: Materialliste G102 mit 43 Werten, Profilartenliste G205 mit 24.
- ↩ Hilfe zum ISYBAU Translator 2024 (RZI Software GmbH) im Autodesk App Store, abgerufen 16.09.2026, zum Ersetzen fehlender Kombinationen und zum Hinweis im Ereignisfenster.
