Parzellen entwerfen und bearbeiten
Die Wohnbaufläche aus dem ersten Tutorial ist eine Parzelle mit 3.600 m². Sie liegt nördlich des Wohnwegs, und ihre Straßenseite ist die gemeinsame Grenze mit ihm. Aus ihr sollen Baugrundstücke werden, jedes mindestens 500 m² groß und an der Straße mindestens 18 m breit. Von Hand wäre das eine Rechenaufgabe: Linie ziehen, Fläche abfragen, Linie verschieben, wieder abfragen. Die Parzellenentwurfswerkzeuge nehmen dir diese Schleife ab. Du gibst die Regel vor, Civil 3D schiebt die Teilungslinie, bis sie passt.
In diesem Tutorial richten wir den Werkzeugkasten ein, teilen die Fläche mit der Gleitlinie in einem Durchgang und führen die zu kleine Restparzelle mit ihrem Nachbarn zusammen. Dabei kommt die Topologie aus dem ersten Tutorial zurück, diesmal dort, wo die meisten Fehler passieren: beim Löschen einer Grenze.
Wer den Werkzeugkasten schon kennt, springt direkt zur Regel oder in die Praxis:
Konzept Der Werkzeugkasten Parzellenentwurfswerkzeuge
Alle Werkzeuge zum Zeichnen und Teilen von Parzellen sitzen in einem schwebenden Werkzeugkasten, den Parzellenentwurfswerkzeugen. Er enthält zwei Arten von Werkzeugen. Die Freihandwerkzeuge zeichnen Parzellensegmente als Geraden und Bögen, etwa mit Festelement Gerade hinzufügen – Zwei Punkte oder Tangente zeichnen – Tangente ohne Bogen, und jede geschlossene Fläche wird dabei sofort zur Parzelle. Die Werkzeuge zur Größenanpassung teilen eine vorhandene Parzelle nach Vorgaben: Du nennst Mindestfläche und Mindestbreite an der Straße, Civil 3D sucht die Lage der Linie.
Ganz rechts im Werkzeugkasten klappt die Schaltfläche Werkzeugkasten einblenden die Vorgaben auf, darunter die Bereiche Parzellen-Größendefinition und Automatischer Entwurf. Diese Werte gelten für alle Werkzeuge zur Größenanpassung, bis du sie änderst. Daneben stehen Werkzeuge zum Bearbeiten und Löschen von Segmenten, die wir am Ende brauchen. Den Werkzeugkasten lässt man deshalb während der ganzen Aufteilung offen.
Konzept Gleitlinie, Schwenkungslinie, Freiform
Zum Unterteilen gibt es drei Methoden. Sie unterscheiden sich darin, was an der Teilungslinie feststeht und was sich bewegen darf, während Civil 3D nach der passenden Fläche sucht. Die Grafik zeigt die Gleitlinie an einer kleineren, schiefen Fläche, unten rechts klein die Schwenkungslinie zum Vergleich.
Gleitlinie. Die Teilungslinie steht in einem festen Winkel zur Straßenseite, dem Frontwinkel (in der Hilfe auch Winkel relativ zur Straßenfront), meist 90 Grad. Civil 3D schiebt sie an der Straßenseite entlang, bis das neue Grundstück die Vorgaben erfüllt. An einer geraden Straßenseite ergibt das die typischen Grundstücke mit parallelen Seitengrenzen, an einer gekrümmten Straßenseite laufen die Grenzen bei 90 Grad radial.
Schwenkungslinie. Hier gibst du zusätzlich einen festen Schwenkpunkt (Hilfe: Schwenkungspunkt) an, und zwar auf der Seite gegenüber der Straßenseite, meist auf der Rückgrenze. Die Teilungslinie läuft immer durch diesen Punkt. Civil 3D sucht dazu den Punkt auf der Straßenseite, an dem das neue Grundstück Mindestfläche und Mindestbreite an der Straße einhält. Das braucht man, wenn eine Grenze an einem bestimmten Punkt der Rückgrenze ankommen soll, etwa an einem Knick, oder bei Grundstücken an einem Wendehammer, deren Seitengrenzen fächerförmig auseinanderlaufen.
Freiform. Mit Freiform-Erstellen ziehst du eine Teilungslinie ohne Größensuche: Du setzt einen Punkt auf der Grenze und gibst eine Richtung oder einen zweiten Punkt an. Das passt für Grenzen, deren Lage schon feststeht, etwa an einem vorhandenen Zaun oder einer Böschungsoberkante.
| Methode | Was feststeht | Was sich bewegt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Gleitlinie | der Frontwinkel | die Lage entlang der Straßenseite | Grundstücke an einer geraden Straße |
| Schwenkungslinie | der Schwenkpunkt auf der Rückgrenze | der Endpunkt an der Straßenseite | Wendehammer, Grenze soll einen bestimmten Punkt treffen |
| Freiform | Punkt und Richtung | nichts, es gibt keine Größensuche | vorgegebene Grenzen aus Bestand oder Planung |
Konzept Die Entwurfsregel: Parzellengröße und automatischer Entwurf
Die Werte im Bereich Parzellen-Größendefinition sind eine Entwurfsregel für jedes neue Grundstück. Die Werkzeuge zur Größenanpassung suchen die Lage, an der das neue Grundstück alle Mindestwerte zugleich einhält. Wäre ein Grundstück mit genau der Mindestfläche schmaler als die Mindestbreite an der Straße, wächst die Fläche, bis die Breite stimmt. Die Restparzelle prüft dagegen keines der Werkzeuge. Hier sind die Werte für unser Beispiel, die Feldnamen stehen so im Werkzeugkasten (Wortlaut je nach Version leicht abweichend):
| Feld | Wert im Beispiel | Warum |
|---|---|---|
| Fläche min. | 500 | Mindestfläche aus dem Bebauungsplan, hier ein Beispielwert |
| Straßenfront min. | 18 | also die Mindestbreite an der Straße, damit Zufahrt und Haus Platz haben |
| Straßenfront min. bei Versatz verwenden | Nein | an einer geraden Straße ohne Belang; an Wendehammern misst man die Breite an der Baugrenze |
| Straßenfront-Versatz | Vorgabe lassen | wirkt nur, wenn die Zeile davor auf Ja steht |
| Breite min. | 18 | das zweite Mindestmaß der Regel, gemessen hinter dem Versatz; bei 90 Grad dasselbe Maß wie Straßenfront min. |
| Tiefe min. | 25 | gilt für das neue Grundstück, gemessen lotrecht ab der Mitte der Straßenseite; reicht die Tiefe nicht, vergrößert Civil 3D Breite und Fläche. Restparzellen prüft das Werkzeug nicht |
| Tiefe max. verwenden | Nein | unsere Fläche ist überall 30 m tief |
| Voreinstellung für mehrere Lösungen | Kürzeste Straßenfront verwenden (Vorgabe) | gibt es zwei gültige Lagen, nimmt Civil 3D die mit der kürzeren Straßenfront |
Für unser Rechteck heißt das: Bei 30 m Tiefe reichen für 500 m² schon 16,7 m Breite. Die Mindestbreite an der Straße von 18 m verlangt mehr, also wird jedes Grundstück 18 m breit und 540 m² groß. Sechs davon brauchen 108 m von den 120 m an der Straße. Es bleiben 12 m übrig, eine Restparzelle von 360 m², und die liegt unter der Mindestfläche.
Was mit der Restparzelle passiert, regelt der zweite Bereich, Automatischer Entwurf. Der Automatische Modus legt mit Ein alle Grundstücke in einem Durchgang bis zum Ende der Straßenseite an und zeigt sie gemeinsam in der Vorschau. Mit Aus bietet Civil 3D jedes Grundstück einzeln an. Ein passt für regelmäßige Flächen wie unser Rechteck, Aus für unregelmäßige Formen, spitze Innenecken oder wenn du nach jedem Grundstück die Regel ändern willst. Die Restverteilung wirkt nur mit Ein, bei Aus hat sie keine Wirkung.
Die Restverteilung sagt, wohin die Restparzelle geht, die für ein volles Grundstück nicht mehr reicht. Sie hat drei Optionen. Parzelle aus Rest erstellen legt sie als eigene Parzelle an, auch wenn sie die Mindestfläche unterschreitet. Rest in letzte Parzelle eingliedern schlägt sie dem letzten Grundstück zu. Rest neu verteilen verteilt sie auf alle Grundstücke; in unserem Beispiel ergäbe das sechs Grundstücke mit je 20 m an der Straße und 600 m². Wir nehmen bewusst die erste Option. Dann siehst du die Restparzelle und entscheidest selbst, wohin sie gehört. Bei regelmäßigen Flächen sparen die beiden anderen den Schritt zum Zusammenführen.
Praxis Werkzeugkasten öffnen und die Regel setzen
Vorbedingung ist der Stand aus dem ersten Tutorial: Im Gebiet Baufeld Wohnweg liegen der Wohnweg (960 m², eigener Stil) und die Wohnbaufläche (3.600 m²), beide mit Nummern ab 100. Die Regel setzen wir, bevor wir ein Werkzeug anklicken, weil das Werkzeug sie beim Start sofort anwendet.
- Werkzeugkasten öffnen: Registerkarte Start, Gruppe Entwurf erstellen, Dropdown Parzelle, Eintrag Werkzeuge zum Erstellen von Parzellen. Es öffnet sich der schwebende Werkzeugkasten Parzellenentwurfswerkzeuge, noch ohne Dialog. Der Dialog mit Gebiet und Stil kommt erst, wenn du ein Werkzeug anklickst, deshalb ist jetzt Zeit für die Regel.
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- Vorgaben aufklappen: Ganz rechts im Werkzeugkasten auf die Schaltfläche Werkzeugkasten einblenden klicken, einen kleinen Pfeil. Darunter erscheint eine Liste mit den Bereichen Parzellen-Größendefinition und Automatischer Entwurf. Die Werte dort gelten für Gleitlinie, Schwenkungslinie und alle anderen Werkzeuge zur Größenanpassung, bis du sie wieder änderst.
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- Parzellengröße einstellen: Im Bereich Parzellen-Größendefinition Fläche min. auf 500 setzen, Straßenfront min. auf 18, Breite min. auf 18 und Tiefe min. auf 25. Straßenfront min. bei Versatz verwenden und Tiefe max. verwenden stellst du auf Nein, Straßenfront-Versatz und Tiefe max. bleiben auf der Vorgabe. Die Einheiten kommen aus den Zeichnungseinstellungen, in der Vorlage Deutschland also Quadratmeter und Meter.
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- Automatischen Entwurf einstellen: Im Bereich Automatischer Entwurf Automatischer Modus auf Ein stellen und bei Restverteilung Parzelle aus Rest erstellen wählen. Mit Ein entstehen alle Grundstücke in einem Durchgang, und nur mit Ein wirkt die Restverteilung überhaupt. Die zu kleine Restparzelle bleibt so als eigene Fläche sichtbar, und du entscheidest danach, wohin sie gehört.
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Praxis Mit der Gleitlinie teilen
Die Gleitlinie arbeitet mit einem kurzen Dialog und danach über Abfragen an der Befehlszeile: zu teilende Parzelle, Anfangspunkt der Straßenfront, also der Straßenseite des Grundstücks, dann Endpunkt der Straßenfront und Frontwinkel. Die Befehlszeile lesen wir bei jedem Schritt mit, weil sie die Reihenfolge der Abfragen vorgibt. Den Objektfang Endpunkt schaltest du vorher ein, damit Start und Ende genau auf den Ecken der gemeinsamen Grenze von Wohnbaufläche und Wohnweg sitzen. Die Richtung zählt: Civil 3D legt die Grundstücke vom Start zum Ende hin an, die Restparzelle landet am Ende.
- Gleitlinie wählen: Im Werkzeugkasten die Liste der Werkzeuge zur Größenanpassung am kleinen Pfeil aufklappen und Gleitlinie – Erstellen wählen; darin stehen auch Schwenkungslinie und Freiform. Beim ersten Werkzeug, seit du den Werkzeugkasten geöffnet hast, öffnet Civil 3D jetzt den Dialog Parzellen erstellen – Layout mit den Vorgaben für die neuen Parzellen. Kommt er nicht, öffnest du ihn über die Schaltfläche Parzelle erstellen im Werkzeugkasten und prüfst das Gebiet.
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- Vorgaben im Dialog setzen: Im Dialog Parzellen erstellen – Layout als Gebiet Baufeld Wohnweg wählen, dazu Parzellenstil und Flächenbeschriftungsstil der Wohnbaufläche aus Tutorial 1. Die Layer bleiben auf der Vorgabe, Segmentbeschriftungen automatisch hinzufügen bleibt aus, dann OK. Das Gebiet muss stimmen, weil neue Grenzen nur Parzellen im eigenen Gebiet teilen. Die Stile müssen die der Wohnbaufläche sein, sonst fehlen die Grundstücke später in der Flächentabelle.
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- Parzelle wählen: Die Befehlszeile fragt nach der Parzelle, die unterteilt werden soll. Auf die Flächenbeschriftung der Wohnbaufläche mit 3.600 m² klicken, nicht auf die 960 m² des Wohnwegs. Der Klick auf die Beschriftung ist die Vorgabe der Elementeinstellung Methode für Parzellenauswahl; steht sie auf Punkt in Parzelle wählen, klickst du stattdessen irgendwo in die Wohnbaufläche.
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- Straßenseite festlegen: Civil 3D fragt nach dem Anfangspunkt der Straßenfront. Hier ist das die Südkante der Wohnbaufläche, zugleich die Nordkante des Wohnwegs. Die Südwestecke bei
0,8anklicken oder die Koordinaten eintippen, als Endpunkt die Südostecke bei120,8. Dabei zeigt eine gelbe Linie die vorgeschlagene Straßenseite; den Mauszeiger an der Südkante entlang nach Osten führen, bis sie auf dieser Kante liegt. Die Grenze gehört beiden Parzellen, geteilt wird aber nur die gewählte.Screenshot anzeigen
- Frontwinkel eingeben und Vorschau prüfen: Auf die Abfrage „Winkel angeben“ 90 eintippen und mit Enter bestätigen; Enter allein übernimmt die Vorgabe von 90 Grad ebenso. Civil 3D zeigt jetzt alle Grundstücke als Vorschau. Nachzählen lohnt sich: sechs Grundstücke mit 18 m an der Straße und am Ostende eine schmale Restparzelle, 12 m breit.
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- Ergebnis annehmen und Befehl beenden: Die Befehlszeile fragt „Ergebnis akzeptieren?“, und Enter nimmt die Vorgabe Ja. Die Grundstücke entstehen mit Grenzen und Flächenbeschriftungen, und der Befehl fragt gleich nach der nächsten Parzelle. Mit Esc beendest du ihn. Den Werkzeugkasten lässt du offen, weil wir ihn zum Zusammenführen gleich wieder brauchen.
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Am Rande: Stehen die Teilungslinien in der Vorschau schräg, obwohl du 90 eingegeben hast, steht die Zeichnung wahrscheinlich auf Gon statt auf Grad. 90 Gon sind nur 81 Grad, deshalb kippen die Grenzen, und die Flächen werden ungleich. Dann die Vorschau mit Nein verwerfen, den Befehl mit Esc beenden und die Einheit an zwei Stellen umstellen, weil AutoCAD und Civil 3D sie getrennt führen. In der Befehlszeile EINHEIT eingeben und im Dialog Zeichnungseinheiten unter Winkel Dezimalgrad wählen. Dazu im Projektbrowser auf der Registerkarte Einstellungen per Rechtsklick auf den Zeichnungsnamen Zeichnungseinstellungen bearbeiten öffnen und auf der Registerkarte Einheiten und Zone die Winkeleinheiten auf Grad stellen. Danach die Gleitlinie neu starten.
Nach dem Teilen stehen im Gebiet Baufeld Wohnweg acht Parzellen: der Wohnweg, sechs Grundstücke mit je 540 m² und am Ostende die Restparzelle mit 360 m². Der Wohnweg bleibt unberührt, weil die neuen Grenzen an der gemeinsamen Grenze enden. Weichen deine Werte ab, lohnt ein Blick auf die Tiefe der Wohnbaufläche und den Frontwinkel. Die neuen Grundstücke bekommen ihre Nummern vom automatischen Flächenzähler des Gebiets, in der Reihenfolge der Erstellung. Welche Teilfläche die Ausgangsnummer behält, legt die Hilfe nicht fest. Bei uns blieb die 100 beim östlichsten vollen Grundstück, die übrigen laufen von West nach Ost 102 bis 106, und die Restparzelle ist die 107. Die Nummern folgen also nicht der Lage; deshalb nummerieren wir im dritten Tutorial neu.
Die anderen beiden Methoden laufen ähnlich. Die Schwenkungslinie, im Werkzeugkasten Schwenkungslinie – Erstellen, fragt nach Parzelle, Anfangspunkt und Endpunkt der Straßenfront und zusätzlich nach dem Schwenkpunkt auf der Rückgrenze; findet sie mit der aktuellen Regel keine Lösung, bietet die Befehlszeile an, die Werte anzupassen oder einen neuen Punkt zu wählen. Freiform-Erstellen fragt nach einem Punkt auf der Grenze und einer Richtung und teilt ohne Größensuche. Für unser Rechteck brauchen wir beide nicht. An einem Wendehammer am Ende einer Stichstraße wäre die Schwenkungslinie die erste Wahl.
Konzept Zusammenführen und Löschen
Eine Grenze zwischen zwei Nachbarn gibt es nur einmal, sie gehört beiden. Löschst du sie, verschmelzen die beiden Flächen zu einer Parzelle, und nur eine der beiden Nummern bleibt. Welche das ist, legt die Hilfe nicht fest; im dritten Tutorial nummerieren wir ohnehin neu. Soll eine bestimmte Parzelle bleiben, geht das über den Parzellenverbund im Werkzeugkasten. Das Ergebnis ist eine Parzelle, die als die zuerst gewählte weiterbesteht (Identität und Eigenschaften, so nennt es die Hilfe); die gemeinsame Grenze bleibt als Segment stehen, deshalb lässt sich der Verbund mit Parzellenverbund auflösen wieder trennen. Für die Restparzelle brauchen wir den Verbund nicht: Wir löschen die Grenze zum Nachbarn, weil die Restparzelle in ihm aufgehen soll.
| Was du löschst | Was passiert |
|---|---|
| die gemeinsame Grenze zweier Parzellen | beide verschmelzen zu einer Parzelle, die Flächen addieren sich |
| die Grenze zwischen dem Wohnweg und einem Grundstück | mindestens dieses Grundstück verschmilzt mit dem Wohnweg; der Wohnweg ist als eigene Fläche verloren |
| die Flächenbeschriftung einer Parzelle | geht so nicht: Die Beschriftung blendest du nur über ihren Stil aus; die Parzelle selbst bleibt, solange ihre Segmente die Fläche schließen |
| eine Außengrenze, an der kein Nachbar liegt | die Fläche ist nicht mehr geschlossen, die Parzelle verschwindet; ihre Grenzen zu Nachbarn bleiben bei diesen |
| die Polylinie, aus der die Kontur entstand (Vorhandene Objekte löschen war aus) | nichts an der Parzelle, nur die AutoCAD-Kontur ist weg |
Zum Löschen einzelner Grenzen gibt es im Werkzeugkasten das Werkzeug Teilobjekt löschen (englisch Delete Sub-entity). Es löscht das Teilobjekt, das du wählst, also eine einzelne Kante. Besteht eine gemeinsame Grenze aus mehreren Segmenten, löscht Civil 3D laut Hilfe beim Zusammenführen alle gemeinsamen Segmente, auch die nicht gewählten. Der AutoCAD-Befehl LÖSCHEN nimmt immer das ganze Segment, an der Außengrenze aus dem Rechteck also alle vier Kanten auf einmal. Die Teilungslinien sind eigene Segmente, dort träfe LÖSCHEN dasselbe wie Teilobjekt löschen. Wir nehmen trotzdem durchgehend das Werkzeug, damit wir an der Außengrenze nicht versehentlich das ganze Segment löschen.
Praxis Die Restparzelle zusammenführen
Vorbedingung ist der offene Werkzeugkasten. Die Restparzelle mit 12 m an der Straße und 360 m² kommt zum östlichsten Grundstück. Daraus wird das östliche Randgrundstück mit 30 m an der Straße und 900 m², etwa für ein Doppelhaus.
- Teilobjekt löschen wählen: Im Werkzeugkasten Parzellenentwurfswerkzeuge auf Teilobjekt löschen klicken; der Tooltip zeigt den Namen, falls du das Symbol suchst. Das Werkzeug trifft nur die gewählte Kante,
LÖSCHENdagegen das ganze Segment, und wir wollen genau eine Kante zwischen zwei Nachbarn entfernen.Screenshot anzeigen
- Gemeinsame Grenze wählen: Die Befehlszeile fragt „Zu entfernendes Teilobjekt auswählen“. Ein kleines Auswahlfenster von rechts nach links aufziehen, das nur die senkrechte Teilungslinie zwischen dem östlichsten 18-m-Grundstück und der 12 m breiten Restparzelle schneidet; so genügt es, wenn das Fenster die Linie berührt. Den Befehl mit Enter oder Esc beenden; beide Flächen verschmelzen zu einem Grundstück mit 30 m an der Straße. Erfasst das Fenster auch die waagerechte Grenze zum Wohnweg, verschmilzt die Restparzelle und womöglich mehr mit dem Wohnweg; dann sofort Rückgängig im Werkzeugkasten.
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- Ergebnis prüfen: In der verschmolzenen Fläche steht nur noch eine Flächenbeschriftung, mit 900 m². Im Projektbrowser stehen unter Baufeld Wohnweg jetzt sieben Parzellen, eine weniger als nach dem Teilen. Kurz nachrechnen: 5 × 540 + 900 = 3.600 m², genau die Wohnbaufläche. Mit den 960 m² des Wohnwegs sind es 4.560 m², genau die Gebietsparzelle.
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Ist die falsche Grenze schon gelöscht und es zu spät für Rückgängig, ziehst du sie mit Festelement Gerade hinzufügen – Zwei Punkte wieder ein, von Knoten zu Knoten mit dem Objektfang Endpunkt. Sobald die Fläche geschlossen ist, teilt sie sich wieder in zwei Parzellen.
Willst du eine Parzelle wirklich loswerden, statt sie einem Nachbarn zuzuschlagen, löschst du ihre Außengrenzen, an denen kein Nachbar liegt. Dann ist die Fläche offen und die Parzelle weg. Liegt eine Parzelle rundum zwischen Nachbarn, geht das nicht: Jede ihrer Grenzen ist eine gemeinsame, und jedes Löschen führt sie mit einem Nachbarn zusammen. Läuft die Zeichnung träge und findet die Schnellauswahl mehr Parzellen, als im Plan zu sehen sind (die Gebietsparzelle, eine je Gebiet, ist normal), liegen vermutlich unsichtbare Phantom-Parzellen in der Datei. Die Fehlerbehebung beschreibt dafür einen eigenen Ablauf.
Einordnung Grenzen nachträglich ändern
Kleine Korrekturen gehen über Griffe. Klickst du eine Grenze an, zeigt sie an ihren Knoten Griffe, und ein gezogener Knoten verschiebt die Ecke beider anliegenden Grundstücke; ihre Flächenbeschriftungen rechnen sofort neu. Das ist der schnelle Weg für einen Knick, den der Bebauungsplan vorgibt.
Soll eine Teilungslinie dagegen nach einer neuen Regel wandern, etwa weil ein Grundstück jetzt 600 m² haben soll, gibt es im Werkzeugkasten Gleitlinie – Bearbeiten und Schwenkungslinie – Bearbeiten. Sie fragen nach der vorhandenen Linie und der Parzelle, deren Fläche sich ändern soll, und schieben die Linie mit ähnlichen Abfragen wie beim Erstellen. Die Nachbarparzelle gibt die Fläche dabei ab, die Summe bleibt gleich.
