Civil 3D | Höhenlage, Prüfungen und Kreuzungen

Höhenlage, Prüfungen und Kreuzungen

Im Lageplan sieht die Leitung aus dem ersten Tutorial fertig aus. Ob sie planbar ist, entscheidet sich aber in der Höhe: Liegt sie frostsicher, taucht sie an Kuppen aus, kommt sie dem Schmutzwasser-Sammler zu nah? Anders als beim Kanal gibt es dafür keine Sohlhöhe je Haltung, die du eintippst. Die Druckleitung wird über zwei Angaben gesteuert, und darauf setzen zwei getrennte Prüfungen auf.

Wir arbeiten an derselben Trinkwasserleitung DN 100 weiter: Sie soll dem Bestands-DGM in 1,30 m Überdeckung folgen, mindestens 1,20 m einhalten, die Muffentoleranz nicht überschreiten und den Kanal aus Kapitel 9 mit Abstand kreuzen.

Überdeckung 1,3 m 1,3 m ! Senke: min. 1,2 m unterschritten DGM = Bezugsoberfläche Druckleitung Bezugsoberfläche + Überdeckungswert steuern die Höhenlage, die Tiefenprüfung meldet dünne Stellen
Schnelleinstieg

Je nachdem, woran es gerade hakt:


Konzept Zwei Wege zur Höhe: feste Höhe oder Bezugsoberfläche

Civil 3D kennt für die Höhenlage einer Druckleitung zwei Ansätze, und du entscheidest je Kanalsystem, welcher gilt. Gemeint ist mit Kanalsystem der zusammenhängende Leitungsstrang, nicht das Kanalnetz aus Kapitel 9.

WegWie er arbeitetWann er passt
Feste HöheDu gibst je Punkt eine Höhe vor. Die Leitung liegt dort, wo du sie hinlegst, unabhängig vom Gelände.Zwangspunkte: Anschluss an ein Bauwerk, Unterquerung, Kreuzung mit Bestand, Rohrbrücke.
Bezugsoberfläche mit ÜberdeckungDu weist ein DGM als Bezugsoberfläche zu, im Erstellen-Dialog heißt das Feld Referenz-DGM, und gibst einen Überdeckungswert vor. Civil 3D legt die Leitung in diesem Abstand unter das Gelände, sie folgt also der Geländeform.Der Regelfall auf freier Strecke. Ändert sich das Gelände, zieht die Höhenlage nach.

Die Überdeckung ist dabei der Abstand vom Gelände bis zum Rohrscheitel, nicht bis zur Sohle. Ein Wechsel auf eine größere Nennweite frisst deshalb Überdeckung, ohne dass du die Leitung angefasst hast. Für Trinkwasserleitungen liegt der Planungswert im deutschsprachigen Raum üblicherweise bei 1,2 bis 1,5 m, damit die Leitung unter der Frostgrenze liegt. Das ist ein Regelwert der Fachpraxis, die örtliche Frosttiefe und die Vorgabe des Netzbetreibers gehen vor.

Wichtig für das Verständnis der Bilder: Die Leitung folgt dem Gelände, aber nicht jedem Knick. Sie besteht aus geraden Rohren, und ihre Richtungswechsel sind an dieselben Winkelgrenzen gebunden wie in der Lage. An einer scharfen Geländesenke bleibt sie deshalb gestreckt, und genau dort wird die Überdeckung knapp. Das ist die Stelle, die dir die Tiefenprüfung gleich anzeigt.


Praxis Bezugsoberfläche und Überdeckung nachziehen

Wenn du im ersten Tutorial Bezugsoberfläche und Überdeckung schon im Erstellen-Dialog gesetzt hast, liegt die Leitung bereits richtig. Trotzdem lohnt der Durchgang: Nach einem Kopieren der Zeichnung, nach einer Datenverknüpfung oder wenn du ein fremdes Netz übernimmst, ist genau diese Zuweisung der erste Verdächtige. Liegt der Strang flach auf Höhe 0, fehlt sie.

  1. Kanalsystem wählen: Die Leitung im Lageplan anklicken. Damit markierst du das Kanalsystem, also den Strang, und Civil 3D blendet die kontextabhängige Registerkarte für Druckleitungsnetze ein. Alle folgenden Werkzeuge hängen an dieser Auswahl.
    Screenshot anzeigen
    Lageplan mit markierter Druckleitung und der eingeblendeten kontextabhängigen Registerkarte für Druckleitungsnetze
  2. Netzeigenschaften prüfen: In der Gruppe Eigenschaften öffnest du die Netzeigenschaften. Auf der Registerkarte Lageplan steht in der Gruppe Vorgabe-Objektreferenz das Feld DGM-Name. Achtung, das ist nur eine Vorgabe für Bauteile, die du danach erstellst; auf vorhandene Objekte wirkt eine Änderung hier nicht.
    Screenshot anzeigen
    Dialog Druckleitungsnetz-Eigenschaften, Registerkarte Lageplan mit dem Feld DGM-Name in der Gruppe Vorgabe-Objektreferenz
  3. Komponenteneigenschaften prüfen: Danach die Komponenteneigenschaften öffnen, sie zeigen je Bauteil das Referenz-DGM sowie Minimal- und Maximalüberdeckung, letztere nur zum Lesen. Du siehst hier also, ob einem Bauteil der Bezug fehlt, reparierst die Höhenlage aber noch nicht. Achte außerdem darauf, dass das DGM die ganze Trasse abdeckt, sonst prüft die Tiefenprüfung später nur einen Teil des Strangs.
    Screenshot anzeigen
    Dialog Komponenteneigenschaften mit Referenz-DGM sowie den schreibgeschützten Feldern Minimal- und Maximalüberdeckung
  4. Längsschnitteinstellungen öffnen und Referenz setzen: Das Kanalsystem markieren, dann in der Gruppe Längsschnitt (je nach Hilfeseite auch Profil beschriftet) die Schaltfläche Kanalsystem-Längsschnitt anklicken. Sie öffnet den Dialog Kanalsystem-Längsschnitteinstellungen, und der ist die eigentliche Stellschraube: Hier legst du fest, wie der Strang einem DGM oder einem Längsschnitt folgt. Im Feld Referenzlängsschnitt stehen drei Optionen: Keine (kein Versatz, die Leitung folgt nichts), Längsschnitt (ein vorhandener Längsschnitt, etwa eine Gradiente) und Aus DGM erstellen. Für unsere Wasserleitung nimmst du Aus DGM erstellen und wählst das Bestands-DGM; Civil 3D erzeugt sich daraus den Längsschnitt selbst.
    Screenshot anzeigen
    Dialog Kanalsystem-Längsschnitteinstellungen mit aufgeklapptem Feld Referenzlängsschnitt und den Optionen Keine, Längsschnitt und Aus DGM erstellen
  5. Versatzart und Versatzabstand setzen: Die Versatzart auf Standardlänge stellen und im Feld Versatzabstand die gewünschte Tiefe eintragen, für unser Beispiel 1,30 m. In dieser Kombination ist der Versatzabstand genau der Überdeckungswert: Der Strang läuft in diesem Abstand unter der Geländelinie. Dann Dynamisch aktualisieren aktivieren, damit die Leitung dem DGM auch nach einer Geländeänderung folgt, und unter Längsschnitt zeichnen in bei einem bereits vorhandenen Längsschnitt auf Nur aktualisieren gehen. Zwei Sonderfälle solltest du kennen: Hängt der Referenzlängsschnitt an einer Gradiente statt am Gelände, ist der Versatzabstand nur noch der Abstand zu dieser Linie. Und bei der Versatzart Versatz an Krümmer wird er allein an den Krümmern gehalten, dazwischen läuft das Rohr gerade durch und die reale Überdeckung wandert mit dem Gelände.
    Screenshot anzeigen
    Dialog Kanalsystem-Längsschnitteinstellungen mit Versatzart Standardlänge, eingetragenem Versatzabstand 1,30 Meter, aktivierter Option Dynamisch aktualisieren und der Auswahl unter Längsschnitt zeichnen in
  6. Ergebnis gegenprüfen: Das Netz markieren und in der Objektsicht oder in einer 3D-Ansicht ansehen. Die Leitung muss der Geländeform folgen und in gleichbleibendem Abstand darunter liegen. Ein schnurgerader, waagerechter Strang unter einem welligen Gelände ist das klassische Bild einer fehlenden Bezugsoberfläche.
    Screenshot anzeigen
    Objektsicht mit der Druckleitung, die dem Geländeverlauf in gleichbleibendem Abstand folgt

Einzelne Zwangspunkte behandelst du danach abschnittsweise, ohne den Rest des Strangs anzufassen. Dafür ist im selben Dialog die Registerkarte Überschreibungen da: Dort legst du einen Stationsbereich fest und gibst ihm einen eigenen Referenz-Längsschnitt. Typisch ist das an einer Unterquerung, wo die Leitung dem Gelände folgt, an einer Stelle bewusst tiefer taucht und danach wieder in Regeltiefe weiterläuft. Diese Stellen sind später die interessanten in der Tiefenprüfung, weil sie den Maximalwert reißen können.


Praxis Tiefenprüfung ausführen

Die Tiefenprüfung vergleicht die Lage der Leitung mit der Bezugsoberfläche und meldet, wo sie zu flach oder zu tief liegt. Sie prüft und meldet, sie korrigiert nichts. Das ist so gewollt: In der Planung gibt es Zustände, die eine Regel formal verletzen und trotzdem richtig sind.

  1. Lösungshinweise aktivieren: Bevor du prüfst, einmalig sicherstellen, dass Civil 3D Warnsymbole überhaupt zeichnet: Befehlszeile OPTIONEN, Registerkarte AEC-Editor, unter Lösungshinweise mindestens Entwurf (teils auch Konstruktion beschriftet) aktivieren, Plotten/Publizieren zusätzlich, falls die Symbole mit auf den Plan sollen. Sind beide Kästchen leer, prüft Civil 3D trotzdem, zeichnet aber kein einziges Symbol: Die Leitung wirkt sauber, obwohl Verletzungen gefunden wurden. Die Einstellung gilt gemeinsam für Achsen, Längsschnitte und Druckleitungsnetze, also nur einmal nötig.
    Screenshot anzeigen
    Dialog Optionen, Registerkarte AEC-Editor, aktivierte Kontrollkästchen Entwurf und Plotten/Publizieren unter Lösungshinweise
  2. Befehl aufrufen: Das Netz beziehungsweise ein Bauteil markieren, dann in der kontextabhängigen Registerkarte Druckleitungsnetze in der Gruppe Analysieren auf Tiefenprüfung. Ohne markiertes Bauteil ist dieser Weg zu, der Befehl bleibt aber erreichbar: RunDepthCheck direkt an der Befehlszeile, oder über die Registerkarte Druckleitungsnetz-Entwurf (Lageplan/Grundriss), die dieselbe Gruppe Analysieren mitbringt.
    Screenshot anzeigen
    Kontextabhängige Registerkarte Druckleitungsnetze, Gruppe Analysieren, mit der Schaltfläche Tiefenprüfung
  3. Zu prüfenden Strang wählen: Civil 3D fragt an der Befehlszeile nach dem Pfad entlang des Druckleitungsnetzes (der genaue Wortlaut ist versionsabhängig). Du klickst den Strang im Lageplan oder im Höhenplan an, ein Enter zum Bestätigen braucht es anders als bei der Entwurfsüberprüfung nicht. Eine Option für das gesamte Netz gibt es hier nicht: Die Tiefenprüfung läuft grundsätzlich nur auf einer Verzweigung gleichzeitig, bei mehreren Strängen rufst du sie mehrfach auf.
    Screenshot anzeigen
    Zeichenbereich mit der Eingabeaufforderung zur Auswahl des zu prüfenden Kanalsystems und markiertem Strang
  4. Grenzwerte eintragen: Im Dialog Tiefenprüfung ausführen die Felder Minimale Tiefe der Überdeckung und Maximale Tiefe der Überdeckung setzen, für unser Beispiel 1,20 m und 3,00 m, dann bestätigen. Der Maximalwert ist kein Beiwerk: Er findet die Stellen, an denen die Leitung unnötig tief liegt und der Graben teuer wird.
    Screenshot anzeigen
    Dialog Tiefenprüfung ausführen mit eingetragener minimaler Tiefe der Überdeckung 1,20 Meter und maximaler Tiefe der Überdeckung 3,00 Meter
  5. Warnsymbole lesen und beheben: Verletzungen markiert Civil 3D mit einem Warnsymbol an der Stelle der größten Abweichung, getrennt für zu flach und zu tief. Zoom hin, sieh dir das Gelände dort an und entscheide: die Leitung über den Versatzabstand tiefer legen (Schritt 5 im vorigen Abschnitt), einen einzelnen Stationsbereich über die Registerkarte Überschreibungen absenken oder den Zwangspunkt bewusst so lassen. Ausbauteile prüft dieser Befehl nicht mit, ein zu flach liegender Schieber fällt also nie auf. Nach jeder Änderung die Prüfung erneut laufen lassen; um alte Symbole loszuwerden, Netz markieren, Rechtsklick, Alle Warnungen zu Druckleitungen löschen.
    Screenshot anzeigen
    Lageplan mit Warnsymbol an der Stelle der geringsten Überdeckung nach der Tiefenprüfung
Wenn die Prüfung nichts validiert: Meldet Civil 3D, dass Teile nicht validiert wurden, fehlt diesen Bauteilen die Bezugsoberfläche (Feldname im Dialog: Referenz-DGM), oder sie liegen außerhalb der Oberflächengrenze. Die Prüfung braucht für jedes Bauteil eine Geländehöhe, sonst hat sie keinen Bezugswert. Weise die Bezugsoberfläche zu und prüfe, ob das DGM wirklich bis zum Ende der Trasse reicht. Ein zu klein gerandetes Bestands-DGM ist die häufigste Ursache, gerade an den letzten Metern eines Bauabschnitts.

Praxis Entwurfsüberprüfung und die Abschrägung

Neben der Tiefenprüfung gibt es eine zweite, unabhängige Prüfung: die Entwurfsüberprüfung. Sie kümmert sich nicht um die Tiefe, sondern um die Geometrie der Verbindungen. Vier Kriterien stehen zur Wahl.

KriteriumWas geprüft wirdTypischer Auslöser
AbschrägungDer Ablenkwinkel an einer Verbindung, also die Muffenabwinklung zwischen zwei Rohren, zwischen Rohr und Formstück oder zwischen zwei Formstücken.Ein Knick, der an einem Stoß mehr Winkel verlangt, als das Produkt hergibt.
DurchmesserOb an einer Verbindung gleiche Durchmesser aufeinandertreffen.Größenwechsel ohne Reduzierstück.
Offene VerbindungenOb das Netz irgendwo unterbrochen ist.Ein Bauteil, das danebengesetzt statt angeschlossen wurde.
KrümmungsradiusOb der gelegte Bogen für das Rohr zu eng ist.Eine Kurve, die über zu wenige Rohre gelegt wurde.

Der Begriff Abschrägung ist ein echter Übersetzungsfallstrick. Auf der Baustelle und im Rohrleitungsbau heißt dieselbe Sache Abwinklung oder Ablenkung, im englischen Original steht deflection. In der deutschen Oberfläche von Civil 3D findest du sie unter Abschrägung. Wer nach Abwinklung sucht, sucht vergeblich.

  1. Befehl aufrufen: Das Netz markieren und in der Gruppe Analysieren die Entwurfsüberprüfung starten, direkt neben der Tiefenprüfung. Der Dialog heißt Entwurfsüberprüfung ausführen.
    Screenshot anzeigen
    Kontextabhängige Registerkarte für Druckleitungsnetze mit der Schaltfläche für die Entwurfsüberprüfung neben der Tiefenprüfung
  2. Kriterien wählen: Im Dialog die Kriterien anhaken, die geprüft werden sollen. Für unser Beispiel reichen Abschrägung und Krümmungsradius, weil es um die Kurvenlegung geht. Offene Verbindungen nimmst du dazu, wenn du das Netz zum ersten Mal komplett prüfst.
    Screenshot anzeigen
    Dialog Entwurfsüberprüfung ausführen mit den vier Kriterien Abschrägung, Durchmesser, Offene Verbindungen und Krümmungsradius
  3. Verstöße lesen: Nach dem Ausführen markiert ein Warnsymbol jede Stelle, an der ein Kriterium verletzt ist. Bei einer überschrittenen Abschrägung hast du drei Wege: den Winkel über mehr Muffen verteilen, ein Formstück setzen oder die Toleranz an das reale Produkt anpassen. Welcher passt, entscheidet die Baubarkeit, nicht die Software.
    Screenshot anzeigen
    Lageplan mit Warnsymbol an einer Verbindung, deren Abschrägung die zulässige Toleranz überschreitet
  4. Zulässige Abschrägung an das Produkt anpassen: Der Grenzwert steckt als Eigenschaft an der jeweiligen Größe in der Komponentenliste, der Vorgabewert kommt aus dem Katalog. Öffne die Komponentenliste, geh auf die Registerkarte der Druckleitungen beziehungsweise der Anschlussstücke, wähle die Größe und bearbeite ihre Eigenschaften. Trag den Wert aus dem Datenblatt deines Rohrherstellers ein, bei DN 100 aus Guss also eher 5 Grad als die Katalogvorgabe. Die deutschen Feldbezeichnungen hängen am installierten Country Kit, prüf sie einmal an deiner Oberfläche. Achtung, das wirkt wie die Netzeigenschaften weiter oben nur auf künftig neu eingefügte Bauteile: Ein Krümmer, der schon vor dieser Anpassung im Modell stand, behält seinen eigenen, alten Wert.
    Screenshot anzeigen
    Dialog der Druckleitungsnetz-Komponentenliste mit den Eigenschaften einer Größe und dem Wert für die zulässige Abschrägung
  5. Bereits gesetzte Formstücke einzeln nachziehen: Die Anpassung aus dem vorigen Schritt wirkt nicht auf Bauteile, die schon vor der Listen-Änderung im Modell standen: Die Warnung an einem betroffenen Krümmer bleibt bestehen. Das einzelne Formstück im Lageplan markieren, nicht den ganzen Strang, und seine eigenen Eigenschaften öffnen, dieselbe Komponenteneigenschaften-Gruppe wie weiter oben bei der Bezugsoberfläche, nur jetzt mit einem Formstück statt einer Leitung markiert. Dort den Wert für die zulässige Abschrägung noch einmal eintragen, diesmal bauteilbezogen statt listenbezogen. Bei mehreren betroffenen Formstücken wiederholt sich der Schritt für jedes einzeln, eine Sammelbearbeitung für alle auf einmal ist nicht bekannt.
    Screenshot anzeigen
    Komponenteneigenschaften eines einzeln markierten Formstücks mit dem Feld für die zulässige Abschrägung
Toleranz ist Produktsache: Die Vorgabewerte im Katalog stammen aus dem US-Bestand und passen selten zu dem Rohr, das du wirklich verlegst. Bevor du eine Meldung wegdrückst oder eine Kurve umbaust, lohnt der Blick ins Datenblatt: Bei duktilem Guss mit Steckmuffe sind kleine Nennweiten deutlich gutmütiger als große, und geschweißtes PE-HD hat gar keine Muffentoleranz. Der Rechner Formstück oder Muffe? rechnet dir aus, wie viele Muffen dein Richtungswechsel braucht und welcher Radius dabei entsteht.
Wenn eine Achsabgleich-Meldung auftaucht: Neben den vier Kriterien kann im Panorama-Fenster (Registerkarte Ereignisse) eine Meldung erscheinen, dass Formstück und Leitung an unterschiedlichen Positionen verbunden sind. Sie tritt breit auf, auch an exakt auf den Katalogwinkel gesetzten Formstücken, unabhängig von der zugewiesenen Achse, und Autodesk dokumentiert sie nirgends. Nach allem, was sich testen lässt, ist sie eine routinemäßige, informative Meldung des pfadbasierten Kanalsystems, kein Hinweis auf einen echten Baufehler: Die vier tatsächlich geprüften Kriterien (Abschrägung, Durchmesser, Offene Verbindungen, Krümmungsradius) bleiben die Stellen, an denen du wirklich etwas reparieren musst. Lass dich von dieser Meldung nicht beunruhigen, und wundere dich nicht, wenn alte Einträge auch nach einer Reparatur oder einer neuen Achse stehen bleiben, die Ereignisanzeige ist ein Protokoll, kein Live-Status.

Praxis Kreuzung mit dem Freispiegelkanal

Trinkwasser und Abwasser kreuzen sich in fast jeder Erschließung. Die Regel der Versorgungspraxis lautet: Die Trinkwasserleitung liegt möglichst über dem Abwasserkanal, damit aus einer undichten Kanalhaltung nichts in die Trinkwasserleitung gelangen kann. Das passt technisch gut zusammen, weil der Kanal wegen seines Zwangsgefälles ohnehin tiefer liegt, während die Druckleitung in konstanter Überdeckung dicht unter dem Gelände bleibt.

vertikaler Mindestabstand Gelände (DGM) Druckleitung (folgt dem Gelände) Freispiegelkanal kreuzt quer, liegt mit Gefälle tiefer Kreuzung koordinieren: Mindestabstand einhalten und im gemeinsamen Höhenplan nachweisen
Die Kollisionsprüfung hilft hier nicht: Die eingebaute Kollisionsprüfung von Civil 3D arbeitet zwischen Kanalnetzen, also zwischen Freispiegelnetzen. Druckleitungsnetze erfasst sie nicht. Eine Prüfung, die Kanal gegen Druckleitung meldet, bekommst du im Bordmittel-Umfang also nicht, und eine Meldung über null Kollisionen bedeutet an dieser Stelle schlicht nichts. Die Koordination läuft stattdessen über den Höhenplan, die 3D-Ansicht und, wo vorhanden, über eine Kollisionsprüfung in Navisworks oder eine Erweiterung eines Drittanbieters. Zwischen zwei Kanalnetzen bleibt der Weg aus Kapitel 9 gültig, dort mit aktivierter 3D-Abstandsprüfung.

Ohne begleitende Straße baust du Achse und Höhenplan direkt entlang der Druckleitung auf: Die Leitung wird zum Hauptnetz im eigenen Schnitt, der Freispiegelkanal kommt als kreuzendes Netz dazu. Am Ende steht der lichte Abstand direkt im Plan, statt nur in einem Prüfprotokoll.

  1. Achse entlang der Druckleitung anlegen: Die Achse liefert später die Stationierung für den Höhenplan, sie muss nicht schön sein, nur der Trasse folgen. Entweder frei entlang der Leitung zeichnen, oder aus der schon vorhandenen Geometrie der Druckleitung ableiten. Die volle Anleitung zum Achsenbau steht im Achsen-Kapitel, hier reicht die Achse als reines Stationierungswerkzeug.
    Screenshot anzeigen
    Lageplan mit neu angelegter Achse entlang der Trasse der Druckleitung
  2. Höhenplan auf dieser Achse erzeugen: Aus der neuen Achse einen Geländelängsschnitt und daraus den Höhenplan erzeugen, genau wie im Längsschnitt-Kapitel beschrieben. Für diesen Zweck reicht der einfache Weg mit dem Geländelängsschnitt aus dem Bestands-DGM, ohne Bandsätze oder mehrere überlagerte Schnitte, die kommen gleich noch dazu.
    Screenshot anzeigen
    Frisch erzeugter Höhenplan auf der neuen Achse mit dem Geländelängsschnitt aus dem Bestands-DGM, noch ohne Netzdaten
  3. Befehl für die Druckleitung aufrufen: Mindestens eine Komponente des Druckleitungsnetzes im Lageplan markieren, dann in der kontextabhängigen Registerkarte Druckleitungsnetz-Entwurf, Gruppe Längsschnitt, den Befehl Komponenten in Höhenplan zeichnen aufrufen. Achtung, das ist ein anderer Befehl als der gleichnamige aus der Gruppe Launchpad, den du gleich in Schritt 6 für den Kanal nutzt: Der Launchpad-Befehl (AddNetworkPartsToProf) ist an Haltungen und Schächte gebunden und lehnt eine Druckleitung mit einer Typ-Fehlermeldung ab, deshalb hier zuerst die Leitung markieren statt den Höhenplan anzuklicken.
    Screenshot anzeigen
    Markierte Druckleitungskomponente im Lageplan, kontextabhängige Registerkarte Druckleitungsnetz-Entwurf, Gruppe Längsschnitt, mit dem Befehl Komponenten in Höhenplan zeichnen
  4. Zielhöhenplan wählen: Civil 3D fragt jetzt an der Befehlszeile, in welchen Höhenplan die Druckleitungsnetz-Komponenten sollen. Den in Schritt 2 erzeugten Höhenplan anklicken. Die Leitung steht danach als Hauptnetz im Schnitt, mit ihrer Überdeckung unter der Geländelinie.
    Screenshot anzeigen
    Eingabeaufforderung zur Auswahl des Höhenplans, danach der Höhenplan mit der Druckleitung als Hauptnetz unter der Geländelinie
  5. Bandsatz für Druckleitungen laden: Damit unter dem Schnitt Zahlen stehen und nicht nur das Bild, den Höhenplan markieren, Rechtsklick, Höhenplaneigenschaften, Registerkarte Bänder, und dort einen Bandsatz mit den Druckleitungs-Bandstilen importieren, das Country Kit DACH 2025 bringt dafür fertige Stile für die Überdeckung mit. Zeigt ein importiertes Band nur Striche statt Werte, fehlt ihm die Datenquelle, die stellst du dann auf dieses Netz, ausführlich beschrieben im Kanalnetz-Kapitel.
    Screenshot anzeigen
    Höhenplaneigenschaften, Registerkarte Bänder, mit importiertem Bandsatz für Druckleitungen und dem Überdeckungswert im Bandstreifen unter dem Schnitt
  6. Kreuzenden Freispiegelkanal in denselben Höhenplan zeichnen: Diesmal andersherum: Den Höhenplan anklicken, damit Ziel und Kontext feststehen, dann Registerkarte Längsschnitt, Gruppe Launchpad, Befehl Komponenten in Höhenplan zeichnen und das kreuzende Kanalnetz auswählen. Das ist jetzt der Kanalnetz-Befehl aus Schritt 3, der bei der Druckleitung nicht ging, hier ist er genau richtig, weil ein Kanalnetz aus Haltungen und Schächten besteht.
    Screenshot anzeigen
    Menüband, Registerkarte Längsschnitt, Gruppe Launchpad, Befehl Komponenten in Höhenplan zeichnen mit ausgewähltem Kanalnetz, im Höhenplan der zusätzlich hineinprojizierte, kreuzende Freispiegelkanal
  7. Anzeige der kreuzenden Haltung umstellen: Quer zur Blickrichtung zeigt die kreuzende Haltung aus Schritt 6 erst einmal nur zwei parallele Linien für Scheitel und Sohle, daraus lässt sich die Rohrmitte kaum ablesen. Noch einmal in die Höhenplaneigenschaften wechseln und die Darstellung der Haltung auf ihren echten Querschnitt umstellen.
    Screenshot anzeigen
    Höhenplaneigenschaften mit umgestelltem Anzeigestil der kreuzenden Haltung, im Höhenplan die Haltung jetzt als Kreis oder Ellipse statt als parallele Linien
  8. Lichten Abstand an der Kreuzung messen: An die Kreuzungsstelle zoomen und mit dem Messwerkzeug den senkrechten Abstand zwischen Unterkante Druckleitung und Scheitel Kanal abgreifen, von Rohraußenkante zu Rohraußenkante, nicht von Achse zu Achse. Prüf dabei kurz den Bemaßungsstil, ob er wirklich Außen- statt Innenkante zeigt, die Feineinstellung dazu steht im Tiefgang-Bereich.
    Screenshot anzeigen
    Höhenplan an der Kreuzungsstelle mit gemessenem lichtem Abstand zwischen Druckleitung und Kanal, Bemaßungsstil auf Rohraußenkante eingestellt

Reicht der gemessene Abstand nicht, hebst du die Druckleitung im betroffenen Abschnitt an oder legst den Kanal tiefer, je nachdem, wer den größeren Spielraum hat. Anschließend die Tiefenprüfung erneut laufen lassen, denn eine angehobene Leitung kann die Mindestüberdeckung reißen. Welcher Abstand einzuhalten ist, gibt das Regelwerk des Netzbetreibers vor, trag also den Projektwert ein statt eines Faustwerts.


Anschluss Anbindung ans Kanalnetz und Darstellung im Höhenplan

Es gibt einen Fall, in dem sich beide Netze nicht nur kreuzen, sondern zusammengehören: die Druckentwässerung. Ein Tiefpunkt sammelt im Freispiegelnetz, ein Pumpwerk drückt von dort in eine Druckleitung, und die mündet weiter oben wieder in einen Schacht. Civil 3D kann diese Verbindung herstellen. Der Befehl heißt Mit Schacht/Bauwerk verbinden, du erreichst ihn über das Kontextmenü des markierten Druckleitungsnetzes und wählst danach den Schacht des Kanalnetzes. Er steht ab Civil 3D 2024 zur Verfügung und ist im Menüband gut versteckt. Für Regenwasseranwendungen brauchst du dafür eine passende Komponentenliste, die nicht vorbereitet mitkommt; die Bauteile aus einer Trinkwasserliste lassen sich dafür verwenden.

Für die Darstellung im Höhenplan gilt sonst alles, was in den Kapiteln zum Längsschnitt und zum Kanalnetz steht. Der Höhenplan gehört der Achse, die Netze werden hineinprojiziert, und die Bänder unter dem Schnitt holen ihre Werte aus der jeweiligen Datenquelle. Neu ist nur, welche Größen interessant sind: Statt Sohlhöhe und Gefälle beschriftest du bei einer Druckleitung die Überdeckung und die Bauteile. Das Country Kit DACH 2025 bringt dafür passende Bandstile für die Überdeckung und neue Beschriftungsstile für Druckleitungen im Lageplan mit. Zeigt eine Beschriftung nur Fragezeichen, greift der Stil auf eine Eigenschaft zu, die das Katalogteil nicht liefert. Dann hilft ein anderer Stil, nicht ein anderes Bauteil.

Checkpoint: Die Leitung folgt dem Gelände in 1,30 m Überdeckung, die Tiefenprüfung läuft ohne offene Warnsymbole, und die Entwurfsüberprüfung meldet weder eine überschrittene Abschrägung noch einen zu engen Krümmungsradius. Im Höhenplan siehst du Kanal und Druckleitung übereinander und kannst den Abstand an der Kreuzung belegen. Was jetzt noch schiefgeht, steht mit Diagnose und Lösung in der Fehlerbehebung dieses Kapitels.