Civil 3D | DGM prüfen, konfigurieren und bearbeiten

DGM prüfen, konfigurieren und bearbeiten

Ein DGM ist nach dem Erstellen selten sofort einsatzbereit. Die Rohdaten, egal ob vom Vermesser oder aus öffentlichen Quellen, enthalten fast immer Unregelmäßigkeiten: fehlerhafte Einzelpunkte, fehlende Bruchkanten an Geländemerkmalen oder überdimensionierte Randdreiecke. In diesem Tutorial lernst du den Arbeitskreislauf Prüfen → Verstehen → Optimieren, mit dem du dein DGM praxistauglich machst.

Plane für die Prüfung und Bearbeitung bewusst Zeit ein. Ein sauberes DGM ist die Grundlage für alle weiteren Planungsschritte. Fehler, die hier unentdeckt bleiben, ziehen sich durch Achsen, Profilkörper und Massenermittlungen.


Prüfen DGM in der 3D-Ansicht prüfen

Viele Fehler in der Triangulation erkennst du nur in der dreidimensionalen Darstellung. Im Grundriss sehen die Dreiecke gleichmäßig aus, obwohl einzelne Punkte stark von der Geländeoberfläche abweichen. Der Objekt-Viewer ist dein wichtigstes Prüfwerkzeug.

  1. Wähle dein DGM im Projektbrowser mit Linksklick aus.
  2. Führe einen Rechtsklick aus und wähle Objekt-Viewer.
    Screenshot: Kontextmenü Objekt-Viewer
    Kontextmenü mit Objekt-Viewer
    Über Rechtsklick auf das DGM erreichst du den Objekt-Viewer.
  3. Im Viewer kannst du das Modell drehen (linke Maustaste), zoomen (Scrollrad) und verschieben (mittlere Maustaste).
    Screenshot: Objekt-Viewer 3D-Ansicht
    Objekt-Viewer zeigt DGM in 3D
    Im Objekt-Viewer erkennst du Ausreißer und Vermaschungsfehler auf einen Blick.
  4. Drehe das Modell so, dass du es von der Seite betrachtest. Spitzen und Zacken werden sofort sichtbar.
  5. Achte auf: extrem hohe oder tiefe Punkte (Ausreißer), unnatürlich flache Bereiche und Randdreiecke, die in die Höhe oder Tiefe ragen. Dein DGM sollte später so aussehen:
    Screenshot: Fertiges DGM
    Fertiges DGM in der 3D-Ansicht
    Ein sauber trianguliertes DGM ohne Ausreißer. So sollte dein Modell nach der Prüfung aussehen.

Dreieck-Vermaschung lesen

Die Form der Dreiecke verrät dir viel über die Datenqualität. Gleichmäßige, annähernd gleichseitige Dreiecke deuten auf eine gute Punktverteilung hin. Lange, schmale Dreiecke entstehen, wenn Punkte in einer Linie liegen (z.B. entlang eines Weges vermessen). Sehr große Dreiecke bedeuten, dass in diesem Bereich wenige Daten vorhanden sind. Civil 3D interpoliert hier über eine große Fläche, was zu Ungenauigkeiten führt.

Screenshot: Dreiecke im DGM
Dreiecke im DGM
Kleine Dreiecke = hohe Datendichte. Große Dreiecke = Civil 3D interpoliert über weite Strecken.

Analyse Kantenprüfung und Datendichte

Neben der visuellen Prüfung liefern die Statistiken harte Zahlen. Im Informationen-Dialog siehst du die Punktanzahl, die Dreiecksanzahl und den Höhenbereich. Diese Werte helfen dir einzuschätzen, ob dein DGM für den geplanten Zweck ausreichend genau ist.

Datenquelle Typische Punktdichte Geeignet für
Öffentliches DGM1 (1-m-Raster) 1 Punkt/m² Vorentwurf, Machbarkeitsstudie
Öffentliches DGM5 (5-m-Raster) 0,04 Punkte/m² Grobe Übersicht, Gefälleabschätzung
Tachymetrische Vermessung 0,1–2 Punkte/m² Detailplanung, Massenermittlung
Laserscanning (terrestrisch) 100–10.000 Punkte/m² Bestandsdokumentation, hohe Genauigkeit
Screenshot: DGM-Statistik
DGM Statistik
Die Statistik-Registerkarte: Punktanzahl, Höhenbereich und Neigungswerte auf einen Blick.

Konfiguration DGM-Eigenschaften verstehen

Die DGM-Eigenschaften sind die zentrale Schaltstelle für dein Geländemodell. Hier steuerst du Datenquellen, Darstellung, Analysen und die Berechnungsparameter. Es gibt drei Wege, die Eigenschaften zu öffnen:

  • Zeichnungsbereich: DGM anklicken → Rechtsklick → DGM-Eigenschaften
  • Projektbrowser: DGM-Name → Rechtsklick → DGM-Eigenschaften
  • Kontextregisterkarte: DGM auswählen → Schaltfläche „Eigenschaften“ in der Multifunktionsleiste
Screenshot: DGM-Eigenschaften via Zeichnungsbereich
DGM-Eigenschaften über Projektbrowser öffnen
DGM-Eigenschaften über den Zeichnungsbereich: Rechtsklick auf das DGM.
Screenshot: DGM-Eigenschaften via Projektbrowser
DGM-Eigenschaften über Projektbrowser öffnen
DGM-Eigenschaften über den Projektbrowser: Rechtsklick auf den DGM-Namen.
Screenshot: DGM-Eigenschaften via Kontextregisterkarte
DGM-Eigenschaften über Projektbrowser öffnen
DGM-Eigenschaften über die Kontextregisterkarte: Mit angeklickten DGM.

Registerkarten im Detail

Informationen: Name und Beschreibung des DGMs. Die Beschreibung ist optional, aber nützlich für die Nachverfolgbarkeit, z.B. „Vermessung vom 15.01.2026, Büro Müller“. Der Bereich Vorgabestile steuert die Darstellung im Zeichnungsbereich.

Screenshot: Registerkarte Information
DGM-Eigenschaften Registerkarte Definition
Die Registerkarte „Information“ lässt Namensänderungen und Stileinstellungen zu.

Definition: Hier findest du alle Datenquellen (Punkte, Punktdateien, Bruchkanten, Begrenzungen) als Operationsliste. Die Reihenfolge der Operationen bestimmt das Ergebnis (dazu mehr im Abschnitt Bearbeitungsreihenfolge). Außerdem kannst du hier die Definitionsoptionen anpassen: maximale Dreieckslänge, Neuaufbauverhalten und Punktfilter.

Screenshot: Registerkarte Definition
DGM-Eigenschaften Registerkarte Definition
Die Registerkarte „Definition“ listet alle Datenquellen und Operationen auf.
DGM-Eigenschaften: Definition

Analyse: Einstellungen für Neigungsbereiche, Gefällepfeile und Höhenbereiche. Genauere Informationen findest du im Tutorial Teil 3.

Screenshot: Registerkarte Analyse
DGM-Eigenschaften Registerkarte Definition
Die Registerkarte „Analyse“ ermöglicht dir diverse Auswertungen.

Statistik: Präzise Übersicht über Punktanzahl, Dreiecksanzahl, Koordinatenbereiche, Höhenminimum/-maximum und Neigungswerte. Wenn hier Nullhöhen oder unrealistische Extremwerte auftauchen, hast du fehlerhafte Punkte im DGM.

Screenshot: Registerkarte Statistik
DGM-Eigenschaften Registerkarte Definition
Die Registerkarte „Statistik“ zeigt dir sämtliche Daten und Fakten.

Darstellung DGM-Stil anpassen

Nach der Erstellung zeigt dein DGM standardmäßig die Dreiecksvermaschung, ein Netz aus Linien, das zwar die Datenstruktur offenlegt, aber für Pläne ungeeignet ist. In den meisten Fällen möchtest du auf Höhenlinien umstellen.

  1. Öffne die DGM-Eigenschaften (siehe oben).
    Screenshot: Informationen-Dialog
    DGM Informationen Dialog
    Der Informationen-Dialog zeigt dir die wichtigsten Kennzahlen deines DGMs.
  2. Im Bereich Vorgabestile klicke auf den aktuellen DGM-Stil.
    Screenshot: Vorgabestile
    Vorgabestile in Civil 3D
    Die Vorgabestile bieten verschiedene Darstellungsoptionen für unterschiedliche Zwecke.
  3. Wähle einen der vordefinierten Stile, z.B. „Höhenlinien 1m und 5m“ oder „Höhenschichten“.
    Screenshot: DGM-Stil anpassen
    DGM-Stil anpassen
    Von Dreiecken auf Höhenlinien umstellen: ein Klick in den Vorgabestilen.
  4. Bestätige mit OK. Die Darstellung im Zeichnungsbereich ändert sich sofort.
Vorgabestil Anwendung
Dreiecke Datenprüfung, Vermaschungskontrolle
Höhenlinien 1m und 5m Lagepläne, Geländedarstellung (Standardwahl)
Höhenschichten Farbcodierte Höhenzonen für Präsentationen
Keine Darstellung Wenn das DGM nur als Berechnungsgrundlage dient
Verweis Level 3: Eigene DGM-Stile erstellen (Linienstärken, Farben, Intervalle anpassen) ist ein Fortgeschrittenenthema. Eine ausführliche Anleitung findest du in einem weiteren Tutorial „Stile & Vorlagen“.

Bearbeiten Bruchkanten hinzufügen

Bruchkanten sind eines der wichtigsten Werkzeuge für ein realistisches Geländemodell. Sie erzwingen, dass die Dreiecke entlang von Geländemerkmalen verlaufen: Böschungsoberkanten, Grabensohlen, Stützmauern, Fahrbahnränder. Ohne Bruchkanten „verschleift“ die Triangulation diese scharfen Kanten, weil sie den kürzesten Weg zwischen den Punkten sucht, nicht den geländetreuen.

Screenshot: Bruchkanten
Vermaschungsdetail
Die Dreiecksform gibt Aufschluss über notwendig werdende Bruchkanten.
Bruchkantentyp Einsatz Besonderheit
Standard-Bruchkante Böschungskanten, Wegränder, Grabensohlen Häufigster Typ. Dreieckskanten folgen der Linie.
Wandbruchkante Stützmauern, Gebäudekanten, senkrechte Abbrüche Erzeugt eine vertikale Kante. Das DGM hat an dieser Stelle zwei verschiedene Höhen.
Annäherungsbruchkante Wenn keine exakten Höhenwerte vorliegen Übernimmt die Höhe vom umgebenden DGM. Nützlich, wenn du nur den Verlauf kennst.

Einzelne Bruchkante

  1. Wähle dein DGM im Projektbrowser aus → RechtsklickAuswählen.
  2. In der kontextbezogenen Registerkarte: Daten hinzufügenLinie hinzufügen.
  3. Du kannst die Linie direkt zeichnen.
  4. Klicke die Stützpunkte entlang des Geländemerkmals. Die Z-Höhe wird aus dem DGM gezogen.
  5. Beende mit Rechtsklick. Die Triangulation wird sofort aktualisiert. Die Dreiecke richten sich entlang der neuen Bruchkante aus.
Einzelne Bruchkante hinzufügen in Form von händisch gezeichneten DGM-Linien: Die Dreiecke richten sich entlang der Linie aus.

Mehrere Bruchkanten gleichzeitig

Wenn du bereits 3D-Polylinien in der Zeichnung hast, die als Bruchkanten dienen sollen (z.B. vom Vermesser gelieferte Geländekanten), kannst du mehrere auf einmal hinzufügen.

Mehrere Bruchkanten auf einmal hinzufügen, ideal für Polylinien vom Vermesser.
Stolperfalle: Bruchkanten müssen Höhenwerte besitzen. Wenn du eine 2D-Polylinie (Z=0) als Bruchkante hinzufügst, zieht sie die umliegenden Dreiecke auf Höhe 0 herunter und erzeugt eine tiefe Senke im DGM. Verwende immer 3D-Polylinien mit korrekten Z-Werten oder wähle den Typ „Annäherungsbruchkante“, der die Höhe vom umgebenden DGM übernimmt.

Werkzeuge Punkte und Linien bearbeiten

Civil 3D bietet eine Reihe von Werkzeugen, um einzelne Elemente im DGM gezielt zu verändern. Alle Befehle erreichst du über die kontextbezogene Registerkarte (DGM auswählen → Rechtsklick → Auswählen) oder über den Projektbrowser.

Befehl Wirkung Typischer Einsatz
Punkt hinzufügen Neuen Punkt mit XYZ-Koordinate einfügen Fehlende Messpunkte nachträglich ergänzen
Punkt löschen Punkt entfernen, Dreiecke werden neu berechnet Fehlerhafte Ausreißer beseitigen
Punkt verschieben Lage (XY) ändern, Höhe bleibt erhalten Falsch verortete Punkte korrigieren
Punkt ändern Höhe (Z) eines Punktes ändern Höhenkorrekturen nach Kontrollmessung
Linie löschen Dreieckskante entfernen Unerwünschte Verbindungen beseitigen
Kante umdrehen Dreieckskante zwischen zwei Dreiecken umklappen Vermaschung manuell optimieren
Punkt hinzufügen: Neuen Geländepunkt ins DGM einfügen.
Punkt löschen: Fehlerhafte Ausreißer aus dem DGM entfernen.
Punkt verschieben: Position korrigieren, Höhe bleibt erhalten.
Punkt ändern: Höhenwert eines bestehenden Punktes korrigieren.
Linie löschen: Vorsicht: Es können Löcher im DGM entstehen.
Kante umdrehen: Die Dreiecksaufteilung manuell ändern.

Grenzen Begrenzungen (innen und außen)

Begrenzungen definieren, wo dein DGM gültig ist und wo nicht. Du kennst die Außenbegrenzung bereits aus Teil 1. Sie beschneidet das DGM auf den Planungsbereich. Die Innenbegrenzung schneidet Löcher ins DGM, z.B. für Gebäude, Gewässer oder Bereiche ohne Daten.

Außenbegrenzung

Definiert den Rand des gültigen DGM-Bereichs. Alles außerhalb wird nicht dargestellt. Du benötigst eine geschlossene Polylinie, die den gewünschten Bereich umschließt.

Innenbegrenzung

Schneidet einen Bereich aus dem DGM heraus. Typische Anwendung: Ein Gebäude steht im Planungsbereich, aber das Gelände unter dem Gebäude ist irrelevant. Statt fehlerhafte Interpolation unter dem Gebäude darzustellen, schneidest du den Gebäudegrundriss als Innenbegrenzung aus.

  1. Zeichne eine geschlossene Polylinie um den auszuschneidenden Bereich (z.B. den Gebäudegrundriss).
  2. Wähle dein DGM aus → kontextbezogene Registerkarte → Daten hinzufügenBegrenzungen.
  3. Wähle den Typ Innenbegrenzung.
  4. Wähle die geschlossene Polylinie aus und bestätige.
  5. Das DGM zeigt jetzt ein Loch an der Stelle des Gebäudes.
Praxisbeispiel: Bei einer Straßenplanung in bebauter Umgebung kannst du alle Gebäudegrundrisse als Innenbegrenzungen setzen. So zeigt dein DGM nur das tatsächliche Gelände, nicht die interpolierten Werte unter den Gebäuden.

Anpassen DGM heben und senken

Mit dem Befehl „Heben/Senken“ veränderst du alle Höhenwerte des DGMs um einen festen Betrag. Das ist nützlich in zwei Situationen: (1) Planungsvarianten durchspielen: „Was passiert, wenn wir das Gelände um 20 cm anheben?“ und (2) Höhensystem anpassen, z.B. den Mutterboden pauschal abziehen (−0,20 m).

  1. Wähle dein DGM aus → kontextbezogene Registerkarte.
  2. Im Bereich „Bearbeiten“ klicke auf DGM heben/senken.
  3. Gib den Höhenwert ein: positiv = anheben, negativ = absenken.
  4. Bestätige. Alle Punkte im DGM werden um diesen Wert verschoben.
DGM heben/senken: Alle Höhenwerte um einen festen Betrag verschieben.

Wichtig Bearbeitungsreihenfolge verstehen

Civil 3D wendet alle Operationen auf dein DGM sequenziell an, und zwar in der Reihenfolge, wie sie in der Registerkarte „Definition“ der DGM-Eigenschaften aufgelistet sind. Diese Reihenfolge ist entscheidend: Eine Begrenzung, die vor einer Punktdatei steht, schneidet nur die bis dahin vorhandenen Punkte ab. Die nachfolgend importierten Punkte werden nicht begrenzt.

Faustregel: Begrenzungen sollten immer als letzte Operation in der Liste stehen. So stellst du sicher, dass alle vorher hinzugefügten Punkte, Bruchkanten und Korrekturen von der Begrenzung erfasst werden.

In der Operationsliste (DGM-Eigenschaften) kannst du die Reihenfolge mit den Pfeiltasten im linken Bereich ändern. Einzelne Operationen können mit dem Häkchen deaktiviert werden. Die Daten bleiben gespeichert, werden aber nicht mehr berücksichtigt.

Automatischer vs. manueller Neuerstellung

Standardmäßig berechnet Civil 3D das DGM nach jeder Änderung automatisch neu. Bei großen Modellen (>100.000 Punkte) kann das spürbar langsam werden. In den Definitionsoptionen (Projektbrowser „Rechtsklick“) kannst du auf Neu erstellen umschalten. Das DGM aktualisiert sich dann erst, wenn du explizit „Neu erstellen“ wählst. Schalte die „Neuerstellung – Automatisch“ wieder ein, wenn du mit der Bearbeitung fertig bist.

Kontrollpunkt: Dein DGM sollte jetzt bereinigt sein: keine Spitzen oder Ausreißer, scharfe Geländekanten durch Bruchkanten abgebildet, saubere Außen- und ggf. Innenbegrenzung. Prüfe die 3D-Ansicht im Objekt-Viewer ein letztes Mal.
Sieht dein DGM anders aus als erwartet? Kreuzende Bruchkanten, Performance-Einbrüche oder fehlende Punkte? Wirf einen Blick in die DGM-Fehlerbehebung.