Punktgruppen, Beschreibungsschlüssel und Darstellung
Nach dem ersten Tutorial liegen 55 importierte Punkte und ein von Hand gesetzter Schacht in der Zeichnung. Alle sehen gleich aus, alle hängen auf demselben Layer, und die ausführliche Beschreibung ist nicht übersetzt. Für einen Bestandsplan braucht es das Gegenteil: Schachtdeckel mit Symbol, Nummer und Höhe, Geländepunkte nur mit Höhe, Bäume mit ihrem Stammumfang, und alles auf eigenen Layern. Von Hand wären das 56 Einzelentscheidungen bei jeder neuen Lieferung.
Civil 3D löst das mit zwei Werkzeugen, die zusammenspielen. Punktgruppen sortieren Punkte nach Regeln, etwa nach ihrer Kurzbeschreibung, und geben ganzen Gruppen einen Stil. Beschreibungsschlüssel lesen den Code jedes einzelnen Punkts und weisen ihm daraufhin Symbol, Layer und Klartext zu. Wer beides einmal sauber einrichtet, bekommt die nächste Aufnahme mit einem einzigen Import fertig sortiert. Wer die Regeln dahinter nicht kennt, wundert sich, warum ein Punkt anders aussieht, als er soll.
Wer Punktgruppen schon kennt und vor allem verstehen will, warum ein Schlüssel nicht greift, springt direkt dorthin:
Konzept Punktgruppen sind Filter
Eine Punktgruppe ist kein Behälter, in den man Punkte hineinlegt. Sie ist eine gespeicherte Regel: alle Punkte mit Kurzbeschreibung GEL*, alle Punkte mit Nummern von 1001 bis 1999, alle Punkte über 300 m Höhe. Welche Punkte dazugehören, ergibt sich aus der Regel. Kommt später ein Punkt dazu, der die Regel erfüllt, wird er Mitglied, ohne dass du ihn einzeln zuweist. Civil 3D markiert eine Gruppe in diesem Fall als veraltet. Ein Rechtsklick auf die Gruppe und Aktualisieren holt die neuen Punkte direkt herein. Der Eintrag Änderungen anzeigen daneben öffnet erst den Dialog Punktgruppenänderungen, in dem du siehst, was sich ändert, und von dort über das Aktualisierungssymbol übernimmst.
Im Bild filtert die eine Gruppe nach der Kurzbeschreibung, die andere nach Nummern. Ein Geländepunkt vom ersten Messtag erfüllt beide Regeln und steht deshalb in beiden Gruppen.
Drei Eigenschaften dieser Filterlogik sind für alles Weitere wichtig. Erstens darf ein Punkt in beliebig vielen Gruppen gleichzeitig stehen. Ein Schachtdeckel aus unserer Aufnahme gehört zur Importgruppe „Aufnahme Los 1″, zur Gruppe „Schächte“ und zur Standardgruppe _Alle Punkte. Wenn diese Gruppen unterschiedliche Stile haben, muss Civil 3D entscheiden, welcher gilt, dazu gleich mehr bei der Anzeigereihenfolge. Zweitens filtert eine Gruppe nur. Sie wendet keine Beschreibungsschlüssel an und ändert an den Punkten selbst nichts, auch wenn sie auf einen Code filtert. Drittens ist _Alle Punkte eine Sondergruppe. Sie enthält automatisch jeden Punkt der Zeichnung, und ihre Filter-Registerkarten sind gesperrt. Wer filtern will, legt eine eigene Gruppe an. Ein Unterschied zum Beschreibungsschlüssel gehört noch dazu: Bei Schlüsseln zählt die Groß- und Kleinschreibung immer, bei den Beschreibungsfiltern einer Gruppe nur, wenn dort das Kontrollkästchen Groß- und Kleinschreibung beachten gesetzt ist.
Für die Regeln selbst gibt es zwei Wege. Bei der Basismethode füllst du mehrere Registerkarten aus, je eine für Einbeziehen, Ausschließen und die übrigen Kriterien. Das reicht für die allermeisten Gruppen. Beim Abfrage-Editor baust du einen einzigen Ausdruck aus verknüpften Bedingungen, was sich für verschachtelte Fälle eignet. Am Ende dieses Tutorials steht dazu ein kurzer Ausblick.
Konzept Der Dialog Punktgruppeneigenschaften
Alles, was eine Gruppe ausmacht, steht im Dialog Punktgruppeneigenschaften. Er hat neun Registerkarten. Für den Alltag brauchst du vier davon regelmäßig, die übrigen sind Kontrolle oder Spezialfall.
| Registerkarte | Wofür | Im Beispiel |
|---|---|---|
| Informationen | Name, Beschreibung, Punktstil und Punktbeschriftungsstil der Gruppe | „Gelände“, kleines Kreuz, nur Höhe |
| Punktgruppen | ganze andere Gruppen einschließen | selten nötig |
| Übereinstimmung von Kurzbeschreibung | Codes aus den Beschreibungsschlüsseln anhaken, Punkte mit passender Kurzbeschreibung gehören dazu (reiner Filter, die Gruppe weist dabei nichts zu) | Alternative zum Einschließen per Kurzbeschreibung |
| Einbeziehen | Punkte nach Nummern, Höhen, Namen, Kurzbeschreibungen oder Auswahl aufnehmen (in Teilen der Hilfe Einschließen) | Kurzbeschreibung GEL*,BK* |
| Ausschließen | dieselben Kriterien, aber zum Herausnehmen | die drei Kontrollpunkte |
| Abfrage-Editor | alternative Methode mit einem kombinierten Ausdruck; hier sitzt auch das Kontrollkästchen Groß- und Kleinschreibung beachten, das für die Beschreibungsfilter der Gruppe gilt (Kurz- und ausführliche Beschreibung) | nur das Kontrollkästchen |
| Überschreibungen | Stil oder Beschriftungsstil der Gruppe durchsetzen, wenn sie die oberste Gruppe des Punkts ist | bewusst aus |
| Punktliste | zeigt, welche Punkte die Regeln gerade erfassen | Kontrolle vor dem OK |
| Zusammenfassung | alle Einstellungen der Gruppe als Liste | zum Gegenlesen |
Praxis Die Gruppen Gelände und Schächte anlegen
Für unseren Bestandsplan brauchen wir zunächst zwei Gruppen. „Gelände“ fasst alles zusammen, was auf der Geländeoberfläche liegt und später ins DGM soll: Geländepunkte und Bordsteinkanten. Schachtsohlen und Gebäudeecken gehören nicht hinein, die Sohle liegt drei Meter unter dem Deckel, und Gebäudeecken werden oft am Sockel oder an der Fassade in beliebiger Höhe gemessen. „Schächte“ fasst Deckel und Sohlen zusammen, weil sie später gemeinsam in eine Tabelle sollen. Vorbedingung: die importierten Punkte aus dem ersten Tutorial mit der Kontrollmessung 2028 bis 2030. Alle drei Anschlusspunkte sind Geländepunkte.
- Punktgruppe erstellen: Registerkarte Start, Gruppe Geländedaten erstellen, Menü Punkte, Eintrag Punktgruppe erstellen. Es öffnet sich der Dialog Punktgruppeneigenschaften auf der Registerkarte Informationen. Je nach Version geht es auch über das Kontextmenü der Sammlung Punktgruppen im Projektbrowser. Die Gruppe entsteht erst mit dem OK am Ende, bis dahin kannst du jederzeit abbrechen.
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- Name und Stile vergeben: Auf der Registerkarte Informationen den Namen „Gelände“ eintragen, als Punktstil ein kleines, unauffälliges Symbol und als Punktbeschriftungsstil einen Stil, der nur die Höhe zeigt. Welche Stile zur Auswahl stehen und wie sie heißen, hängt von deiner Vorlage und dem Country Kit ab. Diese beiden Stile gelten für jeden Gruppenpunkt, der keinen eigenen Stil hat, und genau so sollen Geländepunkte im Plan aussehen: viele kleine Höhen ohne dicht gesetzte Punktnummern.
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- Einbeziehen nach Kurzbeschreibung: Auf der Registerkarte Einbeziehen (in Teilen der Hilfe Einschließen) das Kontrollkästchen Mit übereinstimmender Kurzbeschreibung aktivieren und
GEL*,BK*eintragen, mehrere Muster durch Komma getrennt. Der Stern steht für beliebig viele weitere Zeichen. Hier ist ein breites Muster erwünscht: Hängt der Messtrupp später eine Linienkennung an, etwaBK2für die zweite Bordsteinlinie, gehört der Punkt trotzdem dazu.Screenshot anzeigen
- Kontrollpunkte ausschließen: Auf der Registerkarte Ausschließen das Kontrollkästchen Mit übereinstimmenden Nummern aktivieren und
2028-2030eintragen, einen Bereich mit Bindestrich. Einzelne Nummern trennst du mit Komma. Dass die Kontrollmessung beim Import einen eigenen Nummernbereich bekommen hat, zahlt sich hier aus: ein Bereich statt einer Liste einzelner Nummern. Die Kontrollpunkte liegen wenige Millimeter neben den Originalen. Im DGM würden sie winzige, spitze Dreiecke erzeugen, die niemandem nützen.Screenshot anzeigen
- Groß- und Kleinschreibung beachten: Auf die Registerkarte Abfrage-Editor wechseln und dort nur das Kontrollkästchen Groß- und Kleinschreibung beachten setzen. Die Abfrage selbst bearbeitest du nicht, und Abfrage ändern bleibt aus, so arbeitet die Gruppe weiter mit der Basismethode. Die Tabelle darunter zeigt die Regeln aus Einbeziehen und Ausschließen schon als Ausdruck, nur zum Lesen. Mit Häkchen erfasst die Gruppe genau die Codes, die auch der Beschreibungsschlüssel erkennt, denn der unterscheidet immer zwischen groß und klein.
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- Punktliste prüfen und bestätigen: Auf die Registerkarte Punktliste wechseln. Dort stehen alle Punkte, die die Regeln jetzt erfassen. Geh die Spalte Kurzbeschreibung durch: Taucht ein
MHoderGEBauf, stimmt ein Muster nicht. Fehlen die Kontrollpunkte, hat das Ausschließen funktioniert. Dann mit OK bestätigen, die Gruppe erscheint im Projektbrowser.Screenshot anzeigen
- Zweite Gruppe „Schächte“ anlegen: Schritt 1 bis 6 noch einmal durchgehen, mit diesen Abweichungen: auf Informationen der Name „Schächte“, ein Schachtsymbol als Punktstil und ein Beschriftungsstil mit Punktnummer und Höhe; auf Einbeziehen bei Mit übereinstimmender Kurzbeschreibung das Muster
MH*; Ausschließen bleibt leer. Das Häkchen bei Groß- und Kleinschreibung setzt du wieder. Die Punktliste zeigt danach neun Punkte: fünf Deckel (MH, darunter der Schacht 5001) und vier Sohlen (MHST).Screenshot anzeigen
Das Häkchen bei Groß- und Kleinschreibung setzt du bewusst, weil die Hilfe nicht dokumentiert, welcher Wert vorgegeben ist. Mit gesetztem Häkchen fällt ein falsch codierter Punkt aus Gruppe und Schlüssel gleichermaßen heraus, der Fehler bleibt sichtbar, und du korrigierst ihn am Code. Genau das zeigt sich beim Ergebnischeck am Ende des Tutorials an drei Punkten aus der zweiten Datei.
Bei „Schächte“ erfasst das Muster MH* Deckel und Sohlen gleichermaßen, und genau das wollen wir hier, weil beide später in eine gemeinsame Tabelle sollen. Der von Hand gesetzte Schacht 5001 steht mit in der Punktliste, obwohl er nie importiert wurde: Die Gruppe fragt nur nach der Kurzbeschreibung, nicht nach der Herkunft.
Konzept Wer bestimmt, wie ein Punkt aussieht
Ein Punkt kann seinen Stil aus drei Quellen bekommen: aus einer Punktgruppe, aus einem Beschreibungsschlüssel oder von Hand. Sobald zwei dieser Quellen etwas anderes sagen, entscheidet eine feste Rangfolge. Im Normalfall sind Überschreibungen aus, dann ist der Vorgabestil einer Gruppe nur die Rückfallebene, und der Stil aus dem Schlüssel setzt sich gegen ihn durch. Erst eine aktivierte Überschreibung in der obersten Gruppe des Punkts dreht das um. Sie zu kennen erspart dir später die Frage, warum ein Punkt nicht so aussieht, wie der Schlüssel es sagt.
| Rang | Quelle | Wann sie greift |
|---|---|---|
| 1 | Überschreibung der obersten Gruppe des Punkts | Maßgeblich ist die oberste Gruppe der Anzeigereihenfolge, in der der Punkt steht. Hat sie auf der Registerkarte Überschreibungen einen Stil aktiviert, setzt sich dieser auch gegen den Beschreibungsschlüssel durch. |
| 2 | Stil am Punkt selbst | Im Normalfall gilt er. Den setzt der Beschreibungsschlüssel, oder du setzt ihn von Hand in den Eigenschaften des Punkts. |
| 3 | Vorgabestil der obersten Gruppe | Rückfallebene für Punkte ohne eigenen Stil. Auch hier zählt die oberste Gruppe der Anzeigereihenfolge, in der der Punkt steht. |
Tiefer stehende Gruppen wirken auf einen Punkt gar nicht, auch nicht mit aktivierter Überschreibung. Steht der Punkt in einer Gruppe, die in der Anzeigereihenfolge ganz oben steht und eine Überschreibung aktiv hat, setzt sich deren Stil auch gegen den Schlüssel durch. Steht ganz oben eine Gruppe ohne Überschreibung, etwa _Alle Punkte, gilt der Schlüssel-Stil, und tiefere Gruppen ändern nichts.
Die Punktgruppen-Anzeigereihenfolge ist also zweimal im Spiel: bei den Überschreibungen und bei Punkten ohne eigenen Stil. Bei uns wird sie für die Beschriftung wichtig. Der eigene Stil des Punkts schlägt den Vorgabestil der Gruppe, nur eine Überschreibung schlägt beide. Der Beschreibungsschlüssel wird gleich Symbol und Layer setzen, die Beschriftung überlassen wir bewusst den Gruppen; dafür bekommt der Punkt vom Schlüssel keinen eigenen Beschriftungsstil. Ein Schachtdeckel steht aber sowohl in „Schächte“ als auch in „Aufnahme Los 1″. Steht die Importgruppe weiter oben, bekommt er deren Beschriftung statt Nummer und Höhe. Darum kümmert sich der nächste Abschnitt.
Überschreibungen sind ein scharfes Werkzeug. Nützlich sind sie für Sonderpläne, etwa eine Gruppe ganz oben, die alle Gebäudeecken für einen Leitungsplan unsichtbar schaltet. Gefährlich werden sie, wenn eine Überschreibung in einer oben stehenden Gruppe vergessen aktiv bleibt: Dann sehen plötzlich alle Punkte einer Gruppe gleich aus, obwohl der Schlüsselsatz sauber eingerichtet ist. In unserem Beispiel bleiben alle Überschreibungen aus.
Praxis Die Anzeigereihenfolge festlegen
Die Reihenfolge stellst du für alle Gruppen der Zeichnung an einer Stelle ein. Faustregel: Die spezifischste Gruppe nach oben, die allgemeinste nach unten, und _Alle Punkte immer ganz nach unten. Rutscht _Alle Punkte nach oben, übernimmt jeder Punkt ohne eigenen Stil ihren Stil, und die Arbeit an den übrigen Gruppen ist unsichtbar.
- Dialog Punktgruppen öffnen: Im Projektbrowser, Registerkarte Übersicht, mit der rechten Maustaste auf die Sammlung Punktgruppen klicken und Eigenschaften wählen. Es öffnet sich der Dialog Punktgruppen mit der Liste aller Gruppen und Pfeil-Schaltflächen daneben. Die Reihenfolge in dieser Liste ist die Anzeigereihenfolge, einen eigenen Eintrag dafür im Projektbrowser gibt es nicht.
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- Gruppen sortieren: Eine Gruppe markieren und mit den Pfeilen nach oben oder unten schieben, bis die Liste so aussieht: „Schächte“ oben, darunter „Gelände“, darunter „Aufnahme Los 1″, ganz unten
_Alle Punkte. „Schächte“ steht über „Gelände“, obwohl sich die beiden nicht überschneiden. Gewöhn dir trotzdem an, die kleinere, gezieltere Gruppe nach oben zu legen, dann bleibt die Reihenfolge auch richtig, wenn später eine überlappende Gruppe dazukommt.Screenshot anzeigen
- Aktualisieren, bestätigen und im Plan prüfen: Den Dialog mit OK schließen. Ist eine Gruppe als veraltet markiert, bringt sie ein Rechtsklick auf die Sammlung Punktgruppen mit Aktualisieren (Punktgruppe(n)) auf Stand; Änderungen anzeigen zeigt vorher, was sich ändert. Im Plan zeigen die Schachtpunkte jetzt Nummer und Höhe, Geländepunkte und Bordsteinkanten nur die Höhe. Bäume und Gebäudeecken behalten die Beschriftung von „Aufnahme Los 1″. Dass sich an den Schächten die Texte von Deckel und Sohle überdecken, ist hier noch normal; das räumt der letzte Schritt beim Beschreibungsschlüssel auf.
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Ein paar Gelände- und Bordsteinpunkte zeigen nach dem OK weiter Nummer und Höhe aus „Aufnahme Los 1″: die drei Punkte 1044 bis 1046 mit dem klein geschriebenen Code gel, die wegen des Häkchens bei Groß- und Kleinschreibung nicht in „Gelände“ stehen, und die Kontrollpunkte 2028 bis 2030, die wir bewusst ausgeschlossen haben. Weil die Kontrollpunkte wenige Millimeter neben den Originalen liegen, überdecken sich dort die Beschriftungen. Die drei Codes korrigierst du im dritten Tutorial, nach dem Aktualisieren nimmt „Gelände“ die Punkte dann auf.
Konzept Beschreibungsschlüssel: die Weiche hinter dem Code
Punktgruppen arbeiten mit Mengen von Punkten. Der Beschreibungsschlüssel (englisch Description Key) arbeitet mit dem einzelnen Punkt. Er liest dessen Kurzbeschreibung, sucht den passenden Eintrag und setzt dann direkt am Punkt den Punktstil, auf Wunsch den Punktbeschriftungsstil, den Layer und die ausführliche Beschreibung. Mehrere Schlüssel bilden einen Beschreibungsschlüsselsatz. Der Satz ist das Regelwerk, das aus dem Kürzel im Feldbuch einen fertig dargestellten Punkt macht.
Wichtig ist, wer dieses Regelwerk anwendet: der Befehl, mit dem ein Punkt in die Zeichnung kommt. Beim Import und beim Erstellen von Hand prüft Civil 3D jeden neuen Punkt gegen die Schlüssel, vorausgesetzt, Beschreibungsschlüssel deaktivieren steht auf Falsch. Punktgruppen wenden keine Schlüssel an, sie filtern nur. Und ein Schlüsselsatz wirkt nicht rückwirkend. Punkte, die schon vor ihm in der Zeichnung lagen, wie unsere 55 aus dem ersten Tutorial, bekommen ihre Zuweisung erst mit einem eigenen Befehl, den wir weiter unten ausführen.
Jedes Detail im Ablauf oben hat Folgen. Verglichen wird nur das erste Element der Kurzbeschreibung, also alles bis zum ersten Leerzeichen. Bei BAUM 45 ist das BAUM; die 45 ist ein Parameter. Der Vergleich unterscheidet Groß- und Kleinschreibung, die Schreibweise muss also exakt passen. Der erste Treffer gewinnt, danach prüft Civil 3D für diesen Punkt nicht weiter. In welcher Reihenfolge Civil 3D die Schlüssel eines Satzes prüft, legt die Hilfe nicht fest, und ein Umsortieren der Schlüssel eines Satzes sieht sie nicht vor. Verlass dich darauf nicht, sondern vermeide Überschneidungen. Die Nummern im Bild stehen für das Prinzip, eine feste Prüfreihenfolge sind sie nicht. Festlegen lässt sich die Reihenfolge erst eine Ebene höher: Bei mehreren Schlüsselsätzen bestimmt die Suchreihenfolge, welcher Satz zuerst durchsucht wird, und die Suche endet beim ersten Treffer.
Im Code eines Schlüssels sind Platzhalter erlaubt. Sie folgen der AutoCAD-Syntax für Mustervergleiche.
| Platzhalter | steht für | Beispiel |
|---|---|---|
* | beliebig viele Zeichen, auch keins | BK* trifft BK, BK2 und BKO |
? | genau ein beliebiges Zeichen | BK? trifft BK2, aber nicht BK |
# | genau eine Ziffer | MH# trifft MH1 bis MH9, aber nicht MHS |
@ | genau ein Buchstabe | GEB@ trifft GEBA, aber nicht GEB1 |
. | genau ein Zeichen, das weder Buchstabe noch Ziffer ist | BK. trifft BK- und BK/, aber nicht BK2 |
Achtung beim Punkt: Im Code eines Schlüssels ist er ein Platzhalter, in der Kurzbeschreibung ein ganz normales Zeichen. Er trennt dort nichts, dazu gleich mehr bei den Fallen.
Die ausführliche Beschreibung entsteht aus dem Format des Schlüssels. Dort steht Klartext, in den Civil 3D Teile der Kurzbeschreibung einsetzt. $* übernimmt die Kurzbeschreibung unverändert, $1 den ersten Parameter nach dem Code, $2 den zweiten. Aus dem Format „Baum, Umfang $1 cm“ und der Kurzbeschreibung BAUM 45 wird so „Baum, Umfang 45 cm“. Parameter können außerdem Symbolgröße und Drehung steuern, über die Spalten Skalierungsparameter, Fester Skalierfaktor, Zeichnungsmaßstab verwenden, Auf X-Y anwenden und Auf Z anwenden sowie Drehungsparameter, Feste Drehung und Drehrichtung. So wächst etwa ein Baumsymbol mit dem Kronendurchmesser. Das ist Stoff für den Themenblock Stile und Vorlagen im Tiefgang-Bereich, für den Bestandsplan reicht der Klartext.
Praxiswissen Drei Fallen, an denen der Schlüssel vorbeiläuft
Aus den Regeln oben folgen drei Fehlerbilder, die fast jeder einmal erlebt. In zwei Fällen greift gar kein Schlüssel, der Punkt bleibt roh: Standardstil, Standardlayer, keine Übersetzung. Im dritten greift der falsche, was tückischer ist, weil der Punkt auf den ersten Blick versorgt aussieht.
| Kurzbeschreibung | Schlüssel im Satz | Ergebnis | Warum |
|---|---|---|---|
baum 45 | BAUM* | kein Treffer, Punkt bleibt roh | Der Vergleich unterscheidet Groß- und Kleinschreibung: baum ist nicht BAUM. |
MH.7 | MH | kein Treffer, Punkt bleibt roh | Der Punkt trennt nicht. Das erste Element heißt MH.7 und passt nicht zum exakten Code MH. Ein MH* würde ihn fangen, die 7 käme dann aber nicht als Parameter an. |
MHST 7 | MH* und MHST* im selben Satz | möglicher falscher Treffer: Deckelsymbol, Deckellayer, „Schacht 7″ | MH* passt auch auf MHST. Welcher der beiden Schlüssel zuerst geprüft wird, ist nicht festgelegt; ist der Satz nach Code sortiert, steht MH* vorn. |
Gegen die ersten beiden Fallen hilft nur Disziplin im Feldbuch und ein kurzer Blick auf die Daten vor dem Import. Gegen die dritte hilft ein Schlüsselsatz ohne Überschneidungen. Wo Parameter ohnehin mit Leerzeichen folgen, schreibst du den Code ganz ohne Platzhalter. Ein Schlüssel MH ohne Stern trifft MH 7, weil das erste Element exakt MH ist, und lässt MHST 7 in Ruhe; die Sohlen fängt MHST*. Dann spielt die Prüfreihenfolge keine Rolle mehr. Dazu kommt eine unscheinbare Ursache im Editor selbst: Die optionalen Zuweisungen eines Schlüssels, also Punktstil, Punktbeschriftungsstil, Layer sowie Skalierungs- und Drehungsparameter, haben je ein Kontrollkästchen. Ist es nicht aktiviert, weist der Schlüssel diese Eigenschaft nicht zu, obwohl der Wert daneben richtig eingetragen ist. Code und Format sind Pflichtfelder ohne Kontrollkästchen.
Praxis Den Beschreibungsschlüsselsatz anlegen und anwenden
Für unsere Aufnahme reichen sechs Schlüssel. Symbol, Layer und Klartext kommen vom Schlüssel, die Beschriftung überlassen wir den Gruppen. Diese Aufteilung hat einen praktischen Grund: Für einen Übersichtsplan schaltest du die Beschriftung über die Gruppen um, ohne den Schlüsselsatz anzufassen. Die Stilnamen in der Tabelle stammen aus der Vorlage, mit der die Screenshots entstanden sind; nimm die passenden aus deiner Vorlage.
| Code | Format (ausführliche Beschreibung) | Stil (im Beispiel) | Layer |
|---|---|---|---|
GEL* | Geländepunkt | 2.1.1 Bodenpunkt | V-GELAENDE |
BK* | Bordsteinkante | AP-Bordstein [2023] | V-BORD |
BAUM* | Baum, Umfang $1 cm | 2.7.1.3 Einzelner Laubbaum | V-BAUM |
GEB* | Gebäudeecke | 2.1.2 Aufnahmepunkt | V-GEBAEUDE |
MHST* | Schachtsohle $1 | Sohle | V-SCHACHT-SOHLE |
MH | Schacht $1 | Schacht Rund | V-SCHACHT |
- Neuen Schlüsselsatz aufrufen: Im Projektbrowser auf die Registerkarte Einstellungen wechseln, die Sammlung Punkt aufklappen, mit der rechten Maustaste auf Beschreibungsschlüsselsätze klicken und Neu wählen. Schlüsselsätze sind Einstellungen der Zeichnung, deshalb liegen sie hier und nicht bei den Punkten auf der Registerkarte Übersicht.
Screenshot anzeigen
- Satz benennen: Es öffnet sich der Dialog Beschreibungsschlüsselsatz mit den Feldern Name und Beschreibung. Trag „Aufnahme DACH“ ein, bei Bedarf eine kurze Beschreibung, etwa für welches Codeschema der Satz gilt, und bestätige mit OK. In einer Bürovorlage gespeichert, steht der Satz künftig jeder neuen Zeichnung zur Verfügung.
Screenshot anzeigen
- Schlüssel-Editor öffnen: Mit der rechten Maustaste auf den neuen Satz klicken und Schlüssel bearbeiten wählen. Der Beschreibungsschlüssel-Editor öffnet sich im Panoramafenster als Tabelle, je Zeile ein Schlüssel, je Spalte eine Eigenschaft.
Screenshot anzeigen
- Ersten Schlüssel anlegen: Ein neuer Satz bringt schon eine Zeile mit Vorgabewerten mit, die nutzt du für den ersten Schlüssel. In der Spalte Code den Vorgabeeintrag anklicken und durch
GEL*ersetzen, in Großbuchstaben, in der Spalte Format das vorgegebene$*durch „Geländepunkt“. Das Format ist die spätere ausführliche Beschreibung,$*würde nur den Code kopieren. Bei Schlüsseln mit Parameter, etwaBAUM*, gehört$1ins Format („Baum, Umfang $1 cm“), sonst geht der Stammumfang verloren.Screenshot anzeigen
- Kontrollkästchen aktivieren und Werte zuweisen: In der Zeile
GEL*das Kontrollkästchen in der Spalte Stil aktivieren und einen Stil aus der Liste wählen; mit <Vorgabe> bekäme der Punkt kein eigenes Symbol. Ebenso in der Spalte Layer V-GELAENDE setzen. Fehlt der Layer, legst du ihn im Dialog Layerauswahl über Neu an (Dialog Layer erstellen, Feld Layername). Ohne Häkchen weist der Schlüssel die Eigenschaft nicht zu, auch wenn der Wert daneben stimmt. Beim Punktbeschriftungsstil ist das Kontrollkästchen vorgegeben aktiv; nimm das Häkchen heraus, weil die Beschriftung von den Gruppen kommt.Screenshot anzeigen
- Die übrigen Schlüssel anlegen: Für
BK*,BAUM*,GEB*,MHST*undMHjeweils mit der rechten Maustaste auf eine vorhandene Schlüsselzeile klicken, erst dort bietet das Kontextmenü Neu an. In der neuen Zeile Code, Stil, Format und Layer nach der Tabelle oben ausfüllen und dabei jedes Mal die Kontrollkästchen für Stil und Layer setzen und das beim Punktbeschriftungsstil gegebenenfalls herausnehmen. Achte beim letzten darauf, dass wirklich kein Stern hinterMHsteht. Mit Stern erfasste der Schlüssel auch die Sohlen, und je nach Prüfreihenfolge landeten sie als Deckel im Plan.Screenshot anzeigen
- Liste gegenlesen und Editor schließen: Geh die fertige Liste durch und frag dich bei jedem Code, ob ein anderer Code ihn mit erfassen könnte. Mit
MHohne Stern überschneidet sich in unserem Satz kein Code mit einem anderen, die Prüfreihenfolge ist dann unkritisch. Zum Schluss die Änderungen über das Symbol zum Speichern und Schließen oben im Panoramafenster übernehmen (grüner Haken, Tooltip je nach Version).Screenshot anzeigen
- Suchreihenfolge prüfen: Mit der rechten Maustaste auf die Sammlung Beschreibungsschlüsselsätze klicken und Eigenschaften wählen. Es öffnet sich der Dialog Suchreihenfolge für Beschreibungsschlüsselsätze. Den Satz „Aufnahme DACH“ mit den Pfeilen nach oben schieben und mit OK bestätigen. Der erste Satz der Liste wird zuerst durchsucht, und die Suche endet beim ersten Treffer. Bringt deine Vorlage schon einen Satz mit, etwa aus dem Country Kit, könnte sonst ein fremder Schlüssel mit gleichem Code zuerst greifen.
Screenshot anzeigen
- Beschreibungsschlüssel auf die vorhandenen Punkte anwenden: Zurück auf die Registerkarte Übersicht, die Sammlung Punktgruppen aufklappen, mit der rechten Maustaste auf die Punktgruppe
_Alle Punkteklicken und Beschreibungsschlüssel anwenden wählen (englisch Apply Description Keys). Der Schritt ist hier Pflicht, weil die 55 Punkte und der Schacht 5001 in die Zeichnung kamen, bevor es den Satz gab, und der Import deshalb nichts zuweisen konnte.Screenshot anzeigen
- Ergebnis prüfen: Im Plan haben die Punkte jetzt ihre Symbole und liegen auf den neuen Layern. Klick den Baum 1052 an, in der Eigenschaften-Palette muss bei der ausführlichen Beschreibung „Baum, Umfang 45 cm“ stehen. Beim Schacht 1014 erwartest du Deckelsymbol und „Schacht 7″, bei der Sohle 1015 Sohlsymbol und „Schachtsohle 7″. Drei Punkte bleiben ohne Schlüssel-Symbol, im Vorgabestil von „Aufnahme Los 1″ und auf dem alten Layer.
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- Sohlen im Lageplan einfrieren: Im Menüband, Registerkarte Start, Gruppe Layer, auf Layer-Eigenschaften klicken und im Layereigenschaften-Manager beim Layer V-SCHACHT-SOHLE in der Spalte Frieren auf die Sonne klicken, bis sie zur Schneeflocke wird. Deckel und Sohle sind lagegleich gemessen, ihre Beschriftungen lagen übereinander. Im Lageplan zählt der Deckel, die Sohlhöhen holst du im nächsten Tutorial in die Schachttabelle. Danach steht an jedem Schacht nur noch Nummer und Deckelhöhe.
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Die drei Punkte ohne Schlüssel-Symbol aus Schritt 10 stammen aus der zweiten Datei. Ihre Kurzbeschreibung lautet gel in Kleinbuchstaben, der zweite Messtrupp hat anders getippt, deshalb greift der Schlüssel GEL* bei ihnen nicht. In der Gruppe „Gelände“ fehlen sie ebenfalls, weil die Gruppe Groß- und Kleinschreibung beachtet. Die korrigieren wir im nächsten Tutorial im Punkteditor.
Zum Anwenden in Schritt 9 noch zwei Hinweise. Die Gruppe _Alle Punkte war dort nur die Auswahl, zuweisen tut der Befehl. Willst du den Abgleich später nur für einzelne Punkte wiederholen, markierst du sie im Plan und wählst denselben Eintrag aus ihrem Kontextmenü. Liegt der Satz im Büroalltag schon in der Vorlage, erledigt der Import diese Zuweisung selbst, und der Schritt entfällt.
Die Beschriftung kommt wie geplant von den Gruppen: Das Kästchen Punktbeschriftungsstil im Schlüssel ist aus, also gibt die Punktgruppe den Stil auf der Registerkarte Informationen vor, solange der Punkt selbst keinen Stil hat. Bei unserem Import ist das der Normalfall, weil Beschreibungsschlüssel deaktivieren auf Falsch stand; nur dann greifen die Vorgabestile aus den Punkterstellungs-Einstellungen nicht. Ob es stimmt, prüfst du im Punkteditor, den das nächste Tutorial ausführlich zeigt (Rechtsklick auf die Gruppe, Punkte bearbeiten). Die Spalte Punktbeschriftungsstil ist für unsere Punkte leer oder zeigt <Vorgabe>, je nach Version. Steht dort ein Stilname, schlägt dieser den Vorgabestil der Gruppe. Dann setzt du die Spalte auf die Vorgabe zurück (leer oder <Vorgabe>) oder aktivierst in den Punktgruppeneigenschaften auf der Registerkarte Überschreibungen den Punktbeschriftungsstil.
Wenn der Satz einmal steht, hilft ein Blick auf die Registerkarte Übereinstimmung von Kurzbeschreibung in den Gruppeneigenschaften. Dort hakst du die Codes aus dem Satz an, statt die Muster auf der Registerkarte Einbeziehen von Hand zu tippen. Die Gruppe filtert dann nach denselben Codes, die der Schlüssel kennt; zuweisen tut sie dabei weiterhin nichts.
Einordnung Abfrage-Editor und Stile in der Tiefe
Die Basismethode deckt die meisten Gruppen ab. Der Abfrage-Editor wird interessant, wenn Bedingungen ineinandergreifen, etwa alle Geländepunkte über einer bestimmten Höhe, aber nur aus einem Nummernbereich. Er baut daraus einen einzigen Ausdruck mit logischen Verknüpfungen und Klammern. Wer ihn nutzt, nutzt ihn für die ganze Gruppe, aus dem Grund, der in der Warnung oben steht.
Punktstile, Punktbeschriftungsstile und Beschreibungsschlüsselsätze haben ein eigenes Innenleben: Symbolgrößen in Zeichnungs- oder Plotmaßstab, Beschriftungsinhalte mit Ausdrücken, das Weitergeben von Sätzen über Vorlagen. Das ist Stoff für den Themenblock Stile und Vorlagen im Tiefgang-Bereich. Für den Bestandsplan in diesem Kapitel genügen die Stile, die deine Vorlage mitbringt.
_Alle Punkte. Der Schlüsselsatz „Aufnahme DACH“ setzt Symbol, Layer und ausführliche Beschreibung, die Gruppen setzen die Beschriftung. Der Layer V-SCHACHT-SOHLE ist im Lageplan gefroren, an den Schächten stehen nur noch Nummer und Deckelhöhe. Du kannst begründen, warum MH ohne Stern steht und warum drei Punkte roh geblieben sind. Offen bleiben die drei rohen Punkte, ein Höhenausreißer und die Ausgabe an Tabelle, Export und DGM. Das ist der Stoff des nächsten Tutorials.