Arbeiten mit Geodaten

AutoCAD Civil 3D ist nicht nur ein Zeichenwerkzeug, sondern auch eine vollwertige GIS-Plattform. Du kannst geografische Daten aus verschiedensten Quellen einbinden und mit deiner Planung kombinieren. In diesem Tutorial lernst du die wichtigsten Geodaten-Werkzeuge kennen.

Map-Status-Leiste: Dein Geodaten-Cockpit

Die Map-Status-Leiste am unteren Bildschirmrand zeigt dir den aktuellen Status deiner Geodatenverbindungen an. Hier siehst du auf einen Blick, welches Koordinatensystem aktiv ist und ob Datenquellen verbunden sind. Die Leiste ist im Arbeitsbereich Planung und Analyse sichtbar.

Koordinatensysteme: Die Basis für räumliche Daten

Damit Geodaten korrekt positioniert werden, muss deiner Zeichnung ein Koordinatensystem zugewiesen sein. AutoCAD Civil 3D unterstützt tausende vordefinierte Systeme, die über EPSG-Codes identifiziert werden.

So weist du ein Koordinatensystem zu:

  1. Klicke in der Statusleiste auf das Dreieck der Koordinatensystem-Anzeige.
  2. Wähle den Befehl Bibliothek.
  3. Gib den EPSG-Code ein (z.B. 25832 für ETRS89/UTM Zone 32N oder 2398 für ein historisches System).
  4. Wähle das gefilterte Koordinatensystem aus und klicke auf Zuweisen.

Im DACH-Raum begegnen dir vor allem zwei Systemfamilien: die modernen UTM-Systeme auf Basis von ETRS89 und die älteren Gauß-Krüger-Systeme bzw. landesspezifischen Projektionen. Kläre vor Projektbeginn mit allen Beteiligten, welches Koordinatensystem genutzt wird.

UTM-Koordinatensysteme (ETRS89)

Das europaweit einheitliche Bezugssystem ETRS89 mit UTM-Projektion ist heute der Standard für neue Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die UTM-Zonen teilen sich nach geografischer Länge auf:

EPSG-Code Bezeichnung Längengrad-Bereich Abdeckung (DACH)
25831 ETRS89 / UTM Zone 31N 0° – 6° Ost Westliches Niedersachsen, westliches NRW
25832 ETRS89 / UTM Zone 32N 6° – 12° Ost Großteil Deutschlands, Westösterreich, Schweiz
25833 ETRS89 / UTM Zone 33N 12° – 18° Ost Ostdeutschland, Ostösterreich

EPSG 25832 ist der mit Abstand am häufigsten verwendete Code im deutschsprachigen Raum. In den neuen Bundesländern, in Sachsen und in Ostösterreich kommt EPSG 25833 zum Einsatz. Zone 31 wird nur im äußersten Westen Deutschlands benötigt.

Gauß-Krüger und landesspezifische Systeme

Ältere Vermessungsdaten und Bestandspläne liegen häufig noch in Gauß-Krüger-Koordinaten (Deutschland) oder in landesspezifischen Projektionen (Österreich, Schweiz) vor. Du brauchst diese Codes, wenn du historische Daten einliest oder mit Bestandsunterlagen arbeitest.

EPSG-Code Bezeichnung Land / Region
Deutschland — Gauß-Krüger (DHDN)
31466 DHDN / GK Zone 2 Westen (Mittelmeridian 6°)
31467 DHDN / GK Zone 3 Mitte (Mittelmeridian 9°)
31468 DHDN / GK Zone 4 Ost / Süd (Mittelmeridian 12°)
31469 DHDN / GK Zone 5 Äußerster Osten (Mittelmeridian 15°)
Österreich — Bundesmeldenetz (MGI)
31254 MGI / Austria GK West Vorarlberg, Tirol (M28)
31255 MGI / Austria GK Central Salzburg, Kärnten, OÖ, Stmk. (M31)
31256 MGI / Austria GK East Wien, NÖ, Burgenland (M34)
Schweiz — Landesvermessung
2056 CH1903+ / LV95 Gesamte Schweiz (aktuell)
21781 CH1903 / LV03 Gesamte Schweiz (historisch)

EPSG-Code für deinen Ort finden

Gib einen Ortsnamen oder eine Postleitzahl ein und erhalte die passenden EPSG-Codes für dein Projekt — weltweit.

Georeferenzierte Rasterbilder

Luftbilder, Orthophotos und topografische Karten können direkt mit Lagebezug eingebunden werden. Voraussetzung ist, dass eine Worlddatei (.tfw, .jgw) die Georeferenzierung beschreibt oder die Information direkt im Bild gespeichert ist (GeoTIFF, ECW). Nutze den Befehl Bild einfügen im Arbeitsbereich Planung und Analyse, und das Bild wird automatisch an der richtigen Position platziert.

Hintergrundkarte: Online-Karten direkt in AutoCAD

Wenn deiner Zeichnung ein Koordinatensystem zugewiesen ist und du bei Autodesk angemeldet bist, kannst du Online-Karten als Hintergrund einblenden. In der kontextsensitiven Multifunktionsleiste findest du unter Online-Karte den Befehl Karte. Du kannst zwischen Straßenkarte, Luftbild und hybrider Ansicht wählen. Mit dem Befehl Bereich erfassen speicherst du einen Ausschnitt als festen Bestandteil deiner Zeichnung.

WMS-Dienste: Kartendienste aus dem Internet

Web Map Services (WMS) stellen Kartenbilder über standardisierte Internetschnittstellen bereit. Viele Landesvermessungsämter, Kommunen und öffentliche Einrichtungen bieten WMS-Dienste an, z.B. für Liegenschaftskarten, Höhenmodelle oder Bodenrichtwerte.

Du bindest WMS-Dienste über die FDO-Datenverwaltung ein (Feature Data Objects). Gib die URL des Dienstes ein, wähle die gewünschten Layer und AutoCAD zeigt die Karten im Hintergrund deiner Zeichnung an. Da die Daten bei jeder Ansichtsänderung neu vom Server geladen werden, benötigst du eine stabile Internetverbindung.

WFS-Dienste: Vektordaten aus dem Internet

Im Unterschied zu WMS, der nur Bilder liefert, überträgt ein Web Feature Service (WFS) echte Vektordaten. Das bedeutet, du erhältst Geometrien (Punkte, Linien, Flächen) mit Sachdaten, die du in deiner Zeichnung weiterverarbeiten kannst. Typische WFS-Datenquellen sind Flurstücksgrenzen, Gewässerverläufe oder Naturschutzgebiete.

Geodatenbanken und Dateidatenquellen

Für umfangreichere Projekte kannst du dich direkt mit Geodatenbanken verbinden (z.B. Oracle Spatial, PostGIS, SQLite/SpatialLite). Auch dateibasierte Formate wie ESRI Shapefiles (.shp), MapInfo-Dateien (.tab) oder GeoJSON lassen sich über die FDO-Schnittstelle einbinden.

Der Ablauf ist immer ähnlich:

  1. Öffne den Aufgabenfenster-Bereich für die Datenverbindung.
  2. Wähle den Datentyp (Datei, Datenbank oder Webdienst).
  3. Konfiguriere die Verbindung (Dateipfad, Server-URL, Zugangsdaten).
  4. Wähle die gewünschten Layer oder Tabellen.
  5. Die Daten erscheinen in deiner Zeichnung und können auf eigenen Layern organisiert werden.

Geodaten aus externen Quellen bleiben mit der Quelle verknüpft. Ändert sich der Datenbestand, kannst du die Anzeige aktualisieren. Für Offline-Arbeit lassen sich die Daten auch in die Zeichnung importieren.