BIM | Vorgänge führen

Vorgänge führen

Wie gebe ich einen Treffer weiter, damit der andere ihn versteht?

Themenfeld 6 · Zusammenarbeiten und nachweisen · Lesezeit 7 Minuten

Die Prüfung ist gelaufen, die Treffer sind gesichtet, und jetzt muss jemand anders damit arbeiten. Dafür gibt es ein offenes Format, das Befund, Bild, Zuständigen und Frist zusammenhält. Was es festlegt, ist eng umrissen und öffentlich dokumentiert. Was es offenlässt, merkt man erst beim ersten Austausch mit einem fremden Werkzeug. Beides lohnt sich zu kennen, bevor der erste Vorgang entsteht.


Was gemeint ist

Ein im offenen Format ist mehr als ein Textfeld mit einem Bild daneben. Er besteht aus vier Teilen: der gepackten Datei, die verschickt wird, und darin dem Vorgang selbst, seinen als eigenen Dateien und den Verweisen auf die betroffenen Objekte, die in der jeweiligen Sichtpunktdatei stehen.

Wer die vier auseinanderhält, kann jedes Problem beim Übergeben genau einem davon zuordnen. Das Format heißt , und die jüngste veröffentlichte Version ist 3.0 vom 18.06.2021.1

Sechs Felder verlangt das Schema: Kennung, Art, Bearbeitungsstand, Titel, Anlagezeitpunkt und Ersteller.1 Zuständiger und Frist gehören nicht dazu, sie sind freiwillig. Ein Werkzeug, das nur das Mindeste verlangt, erzeugt formal einwandfreie Vorgänge, um die sich hinterher niemand kümmert.

Ein Sichtpunkt ist die gespeicherte Sicht auf das Modell. Die Datei enthält genau eine Kamera mit Standpunkt und Blickrichtung, dazu je nach Kameraart den Öffnungswinkel oder die sichtbare Bildhöhe, und die Sichtbarkeit steht darin als Grundzustand, Sichthinweisen und Ausnahmen, in dieser Reihenfolge angewendet.2 Deshalb baut ein Sichtpunkt aus einem fremden Modell die Sichtbarkeit neu auf, und was du gerade offen hattest, ist danach zugeklappt.

Der Verweis auf ein Bauteil kann drei Angaben tragen: die Objektkennung aus dem Austauschformat, das erzeugende System und eine werkzeugeigene Kennung als Rückfallebene; vorgeschrieben ist nur, dass eine der beiden Kennungen dasteht, die Objektkennung ist die erste Wahl.3 Der Vorgang zeigt damit nicht auf ein Bauteil, sondern auf eine Zeichenkette. Ob sie morgen noch dasselbe Bauteil trifft, entscheidet das Programm, das die Modelldatei schreibt.


Was das für dein Büro heißt

Nehmen wir das gedachte Beispiel dieser Seiten, eine Ortsdurchfahrt über 800 Meter mit Mischwasserkanal, geplant von einem Büro mit acht Leuten.

Aus dem Koordinationslauf kommt ein Befund: Eine Haltung im zweiten Bauabschnitt kreuzt den Korridor der Gasleitung, deren Tiefe die Auskunft nicht nennt. Ob der lichte Abstand aus der Auflage des Gasnetzbetreibers eingehalten ist, lässt sich so nicht entscheiden. Der Vorschlag lautet, die Tiefe an der Kreuzung mit einem Suchschlitz feststellen zu lassen; reicht der Abstand dann nicht, lässt das Gefälle eine tiefere Sohle zu.

Der Vorgang geht als Datei an die Projektleiterin, weil sie die Sparten mit dem Leitungsträger klärt. Sie setzt „in Arbeit“; auf „geprüft“ setzt sie ihn, wenn der nächste Lauf mit der eingemessenen Leitung nichts mehr meldet. Der Maßstab: Ein Kollege, der das Projekt nicht kennt, muss den Vorgang in sechs Wochen ohne Rückfrage verstehen.

Frage des DrittenFeldBei uns
Worum geht es?TitelOrt und Sache in einer Zeile, dazu die laufende Nummer
Wo genau?Sichtpunkt und Titeldie Station im Klartext, der Sichtpunkt reicht nicht
Welches Bauteil?ObjektverweisKennung plus lesbare Bezeichnung
Aus welchem Modellstand?Beschreibungder Stand aus dem Dateinamen, im Text wiederholt
Was ist das Problem?Beschreibungdie Regel mit ihrer Fundstelle
Was soll passieren?Beschreibungein Vorschlag, keine bloße Frage
Wer?Zuständigerder Autor Kanal oder der Autor Straße, bei Sparten die Projektleiterin
Bis wann?Fristder nächste Koordinationstermin, sonst ein Datum

Die rechte Spalte beschreibt unser Beispielprojekt, die Feldnamen sind belegt.1

Die Werteliste gehört in den Abwicklungsplan

Bearbeitungsstand, Art und Dringlichkeit sind im Standard nicht festgelegt, sondern freie Zeichenketten aus einer Erweiterungsdatei, die jedes Projekt selbst füllt; sieben solcher Listen sieht das Schema vor.4 Deshalb stehen unsere Werte im : Art Kollision, Abstand, Rückfrage und Mangel; Bearbeitungsstand offen, in Arbeit, erledigt und geprüft; Dringlichkeit hoch und normal.

Das Schema schreibt keinen Vorgabewert vor, und was ein Programm mit einem unbekannten Wert macht, hängt vom Programm ab. Der Hamburger BIM-Leitfaden empfiehlt, Titel, Zuständigkeiten und Ablauf der Vorgänge vor Projektbeginn festzulegen, die DEGES-Modellierungsrichtlinie verlangt für ihre Modelle mindestens BCF in der Version 2.1.5

Datei und Schnittstelle verwenden dieselben Feldnamen, die Pflichtfelder unterscheiden sich: Die Schnittstelle verlangt beim Anlegen nur den Titel, die Datei sechs Felder.6 Bei uns ist es die Datei, weil ein Büro und eine Handvoll Runden keinen Dienst rechtfertigen.

Im Abwicklungsplan reicht für die Werteliste eine kleine Tabelle; in die Programme kommt sie auf zwei Wegen. Beim Austausch als Datei, wie bei uns, richtet jede Seite dieselbe Liste in ihrem Programm ein, und jede BCF-Datei führt sie in ihrer Erweiterungsdatei mit.4 Läuft das Projekt über einen Dienst mit der Schnittstelle, pflegt man die Liste dort einmal, und die angebundenen Programme holen sie ab.6

Vier Grenzen, die man vorher kennt

Vier Eigenschaften des Formats machen beim Austausch Ärger, obwohl keine davon ein Fehler ist.

  • Der Modellstand ist nicht sicher gebunden. Der Vorgang verweist auf die Modelldatei, die laut Dokumentation keine eindeutige Kennung haben muss;7 deshalb schreiben wir den Stand zusätzlich in den Beschreibungstext.
  • Die Objektkennung soll stabil bleiben. Nach der IFC-Dokumentation ist sie dauerhaft; ob das Autorenprogramm sie beim Export hält, steht auf der Seite „Was beim Export verloren geht“ in Themenfeld 5, bei den Unterbereichen eines Profilkörpers reißt sie.7 Die Forderung gehört in den Abwicklungsplan.
  • Ein Vorgang ist kein Vertragsschriftverkehr. Das Format kennt weder Empfangsbestätigung noch Zustellwirkung; wer eine Frist mit Folgen setzen will, tut das zusätzlich auf dem vereinbarten Weg.
  • Zuständig ist genau eine Person. Das Feld nimmt genau eine Zeichenkette; „Team Kanal“ ist formal zulässig, aber dann fühlt sich niemand angesprochen.

Die Vorgänge liegen zentral in der Datenumgebung; so halten es die niedersächsischen BIM-Standards.8 Zum Ende der dritten Leistungsphase gehen sie mit dem Prüfbericht an den Auftraggeber, die Empfängerliste steht auf der Seite „Welches Format wofür“ in Themenfeld 5.

So sieht das in Civil 3D aus: Vorgänge legt man außerhalb an, im Koordinationsprogramm oder in der Datenumgebung; die Haltung, auf die ein Vorgang zeigt, entsteht im Fahrwasser-Kapitel Kanalnetz. Den Weg zur BCF-Datei zeigt später der Tiefgang-Bereich Dialog für Dialog.

Woran du es erkennst

Nimm deinen letzten Vorgang und lies ihn so, als kämst du neu ins Projekt. Versteht man den Text auch ohne den Sichtpunkt? Steht der Modellstand darin, und steht die Regel mit ihrer Fundstelle dabei? Macht der Text einen Vorschlag, statt nur zu fragen? Ist eine Person eingetragen und keine Rolle, und steht dort ein Datum statt „zeitnah“? Wo eine dieser Antworten nein heißt, kostet der Vorgang den Empfänger eine Rückfrage.

Vor jeder Abstimmungsrunde lohnt der Blick in die Liste, gefiltert nach leeren Zuständigkeitsfeldern, denn einen Vorgang ohne Empfänger arbeitet niemand ab.

Dann sind die Unterlagen und das Werkzeug dran. Steht die Werteliste für Art, Bearbeitungsstand und Dringlichkeit in deinem Abwicklungsplan, und ist sie auf beiden Seiten hinterlegt? Welche BCF-Version dein Programm schreibt, steht oft nicht auf der Werbeseite, aber häufig in der Hilfe oder im Marktplatz-Eintrag des Herstellers. Dort zuerst nachsehen; erst wenn sich dort nichts findet, beim Hersteller nachfragen und es sich schriftlich geben lassen.

Wer Vorgänge aus einem älteren Projekt übernimmt, prüft eine Handvoll von Hand nach, weil in BCF 2.0 der Bearbeitungsstand noch an jedem Kommentar hing und erst seit Version 2.1 allein am Vorgang steht.1

Woher der Befund kommt, aus dem ein Vorgang wird, steht auf der Seite „Kollisionsprüfung im Tiefbau“ dieses Themenfelds. Wo der Vorgang danach liegt und wer ihn freigibt, klärt die Seite „Die Gemeinsame Datenumgebung“ dieses Themenfelds.

Quellen

Fundstellen geprüft am 14.08.2026. Die Ortsdurchfahrt ist ein konstruiertes Beispiel.

  1. ↩ Schema und Änderungsverzeichnis zu BCF bei buildingSMART, abgerufen 14.08.2026: Freigabe 3.0 vom 18.06.2021, sechs Pflichtfelder, Zuständiger und Termin freiwillig, Bearbeitungsstand seit 2.1 allein am Vorgang.
  2. ↩ Schema visinfo.xsd zu BCF 3.0 und der Abschnitt zur Sichtbarkeit, abgerufen 14.08.2026: genau eine Kamera, Sichtbarkeit als Grundzustand, Sichthinweise und Ausnahmen in dieser Reihenfolge.
  3. ↩ Dokumentation zu BCF 3.0, Abschnitt zum Objektverweis, abgerufen 14.08.2026: Objektkennung aus dem Austauschformat, erzeugendes System, werkzeugeigene Kennung als Rückfallebene.
  4. ↩ Erweiterungsschema extensions.xsd zu BCF 3.0, abgerufen 14.08.2026: sieben Listen als freie Zeichenketten, ohne feste Aufzählung zulässiger Werte.
  5. ↩ BIM-Leitfaden Hamburg, Fassung 4 (2023), Abschnitt 4.3, und BIM-Modellierungsrichtlinie der DEGES, Fassung 3.0 (Juni 2026), Abschnitt 8.7, geprüft 23.09.2026.
  6. ↩ Dokumentation der Schnittstelle BCF-API 3.0, abgerufen 14.08.2026: beim Anlegen nur der Titel Pflicht; Wertelisten je Projekt vom Dienst; lesbare Nummer vergibt der Server.
  7. ↩ Dokumentation zu BCF 3.0, Kopfbereich (Dateien ohne eindeutige Kennung); IFC-Dokumentation 4.3, Abschnitt zur Software-Identität (Kennung dauerhaft); Neuvergabe beim Export als Herstellerangabe.
  8. ↩ BIM-Standards der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Fassung 1.08, Mai 2026, Abschnitt 6.1.4 (geprüft 23.09.2026): Aufgaben zentral in der Datenumgebung, eine Person je Aufgabe.
Stand 09/2026