Civil 3D | Verschneidungskriterien und Übergänge: Zieltypen und Bearbeiten

Verschneidungskriterien und Übergänge: Zieltypen und Bearbeiten

Tutorial 1 hat eine Böschung zum DGM gebaut. Das ist der häufigste Fall, aber nicht der einzige. Manchmal soll die Böschung nicht zum Gelände laufen, sondern auf eine feste Bauwerkshöhe, um einen bestimmten Höhensprung oder über eine feste Breite. Dafür gibt es vier Zieltypen. Dazu kommen getrennte Neigungen für Abtrag und Auftrag, Übergänge zwischen unterschiedlich geneigten Abschnitten und das nachträgliche Bearbeiten.

Der rote Faden bleibt die Baugrube aus Tutorial 1. Wir verfeinern jetzt ihre Böschungen und lernen, wie sich Civil 3D verhält, wenn das Modell sich ändert.

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Schritt 1 Die vier Zieltypen einer Verschneidung

Der Zieltyp legt fest, woran die Böschung endet. Civil 3D kennt vier Möglichkeiten. Die Wahl entscheidet, wie sich die Böschung verhält, wenn sich das Modell ändert.

Oberfläche (DGM) trifft Gelände Höhe 100,00 feste Kote Relative Höhe Δh fester Höhensprung Entfernung feste Breite
ZieltypDie Böschung endet anTypischer Einsatz
Oberflächedem Schnitt mit einem DGM (Geländeanschluss).Anschluss ans Bestandsgelände. Der mit Abstand häufigste Fall: Baugrube, Damm, Einschnitt.
Höheeiner festen, absoluten Kote, die du eingibst.Böschung bis auf eine Bauwerks- oder Sohlenhöhe, etwa bis zur Oberkante einer Mauer.
Relative Höheeinem festen Höhensprung gegenüber dem Grundriss.Immer gleicher Höhenunterschied, etwa 2,00 m unter die Plattformkante, unabhängig vom Gelände.
Entfernungeiner festen horizontalen Breite.Böschung mit vorgegebener Breite, etwa ein Bankett oder Streifen mit fester Ausdehnung.
Nur der Zieltyp Oberfläche reagiert auf Geländeänderungen. Bei den Zieltypen Höhe, Relative Höhe und Entfernung steht das Ziel fest; ändert sich das Bestandsgelände, bleibt die Böschung, wo sie ist. Das ist mal gewollt (Bauwerkshöhe) und mal eine Fehlerquelle (man wollte eigentlich ans Gelände).

Schritt 2 Abtrag, Auftrag und getrennte Neigungen

Beim Zieltyp Oberfläche entscheidet die Lage des Grundrisses zum Gelände, ob abgetragen oder aufgeschüttet wird. Liegt der Grundriss über dem Gelände, wird aufgeschüttet (Auftrag, Fill). Liegt er darunter, wird abgetragen (Abtrag, Cut). Eine ringförmige Baugrubensohle erzeugt rundum Abtrag, eine Dammkrone rundum Auftrag.

Ein guter Kriteriensatz hält dafür getrennte Neigungen bereit, weil Abtrag und Auftrag selten gleich steil sein dürfen:

FallWas Civil 3D nimmtBeispielwert
Grundriss über GeländeAuftragsneigung (Fill Slope)1:1,5 (Damm)
Grundriss unter GeländeAbtragsneigung (Cut Slope)1:2 (Einschnitt)

Wechselt die Böschung entlang ihres Verlaufs von Abtrag zu Auftrag, etwa weil das Gelände ansteigt, schaltet Civil 3D automatisch zwischen den beiden Neigungen um. Du musst nichts trennen. Wichtig ist nur, dass beide Werte im Kriteriensatz sinnvoll gesetzt sind.

Manche Kriteriensätze bieten zusätzlich eine Suchreihenfolge oder eine bevorzugte Richtung an, wenn das Gelände die Böschung auf mehreren Wegen treffen könnte. Im Normalfall genügt die Standardeinstellung. Erst bei welligem Gelände oder Mulden lohnt es sich, hier nachzusehen, falls der Böschungsfuß an unerwarteter Stelle sitzt.

Schritt 3 Zieltyp und Neigung im Kriteriensatz einstellen

Den Zieltyp und die Neigungen stellst du nicht bei jeder Böschung neu ein, sondern einmal im Kriteriensatz. Ein Verschneidungskriteriensatz bündelt diese Regeln, sodass du sie wiederverwenden kannst. Die Eingabe-Einheit für die Neigung (Verhältnis, Prozent oder Grad) gehört ebenfalls in den Satz.

  1. Kriteriensatz bearbeiten: Im Toolspace-Register Einstellungen unter Verschneidung → Verschneidungskriteriensätze den passenden Satz aufklappen und per Rechtsklick auf ein Kriterium Bearbeiten wählen. Wichtig: Die Verschneidungskriteriensätze liegen im Register Einstellungen, nicht im Projektbrowser; dort liegen nur die Oberflächen. Es öffnet sich das Dialogfeld Verschneidungskriterien mit der Registerkarte Kriterien, auf der Zieltyp und Neigungen sitzen.
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    Toolspace-Register Einstellungen mit den Verschneidungskriteriensätzen und dem geöffneten Dialogfeld Verschneidungskriterien, Registerkarte Kriterien
  2. Zieltyp wählen: Im Dialogfeld stellst du den Zieltyp ein: Oberfläche, Höhe, Relative Höhe oder Entfernung. Je nach Wahl ändern sich die folgenden Felder, etwa das Feld für die Zielhöhe beim Typ Höhe oder für die Breite bei Entfernung.
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    Dialogfeld Verschneidungskriterien mit der Auswahl des Zieltyps zwischen Oberfläche, Höhe, Relative Höhe und Entfernung
  3. Neigung und Einheit setzen: Du trägst die Abtrags- und die Auftragsneigung getrennt ein und wählst das Format über die Optionen Neigung (Verhältnis) oder Neigung (prozentual). Achte darauf, welches gerade aktiv ist: Bei Neigung (Verhältnis) liest Civil 3D 1.5 als 1:1,5. Bei Neigung (prozentual) liest es 1.5 dagegen als 1,5 %, also fast flach. Stimmt das Format nicht, wird die Böschung absurd steil oder flach.
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    Editor mit den getrennten Feldern für Abtragsneigung und Auftragsneigung und der eingestellten Neigungseinheit
Die Einheit ist die Falle: 1:1,5 ist nicht dasselbe wie 1,5 % und nicht dasselbe wie 1,5°. Wer den Wert in der falschen Einheit einträgt, bekommt eine völlig andere Böschung. Vor dem Eintragen kurz prüfen, welche Einheit der Kriteriensatz erwartet. Die drei Schreibweisen erklärt Tutorial 1 im Abschnitt zur Neigung.

Schritt 4 Übergänge zwischen Böschungen

Hast du entlang einer Kante zwei Böschungsabschnitte mit unterschiedlicher Neigung, etwa 1:1,5 am einen und 1:2 am anderen Abschnitt, bleibt zwischen ihnen eine Lücke. Du legst die beiden Böschungen dafür zunächst wie in Tutorial 1 an, jede mit ihrer Neigung. Der Befehl Übergang erstellen füllt diese Lücke: Er spannt eine verbindende Fläche auf, die von der einen Neigung zur anderen überblendet. Beide Böschungen müssen zur selben Verschneidungsgruppe gehören.

  1. Übergang erstellen aufrufen und Elementkante wählen: In der Werkzeugleiste Übergang erstellen anklicken. Civil 3D fragt nach der Elementkante; du klickst die Grundriss-Kante an, an der die beiden Böschungen liegen, egal an welcher Stelle.
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    Werkzeug Übergang erstellen aufgerufen, Auswahl der Grundriss-Elementkante im Zeichenbereich
  2. In die Lücke klicken: Du klickst in die Lücke zwischen den beiden Böschungen, also an die Stelle, an der der Übergang eingefügt werden soll. Civil 3D zeigt eine Vorschau der verbindenden Fläche.
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    Klick in die Lücke zwischen den beiden Böschungen, Civil 3D zeigt eine Vorschau der verbindenden Übergangsfläche
  3. Mit Rechtsklick bestätigen: Passt die Vorschau, bestätigst du mit einem Rechtsklick (oder Enter). Civil 3D rechnet den Übergang und verschleift die Böschung von der einen Neigung zur anderen, sodass die Lücke geschlossen ist.
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    Bestätigen des Übergangs per Rechtsklick, der gerechnete Übergang füllt die Lücke zwischen den beiden Böschungen
  4. Übergang kontrollieren: Du prüfst, ob die Böschung entlang der Kante sauber von der einen Neigung in die andere übergeht und der Böschungsfuß durchgehend verläuft. Im 3D-Orbit erkennst du Verschneidungen oder Überhänge im Übergangsbereich am schnellsten.
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    Böschung, die entlang der Kante von einer Neigung in die andere übergeht, durchgehender Böschungsfuß in der 3D-Ansicht
Versionshinweis: Ab Civil 3D 2023.2 lassen sich Übergänge auch ohne den Umweg über einen Querschnittsbestandteil oder einen Profilkörper und ohne separate Zielangabe erzeugen. In älteren Versionen funktioniert der klassische Übergang innerhalb der Verschneidungsgruppe weiterhin, der Weg über den Befehl Übergang erstellen bleibt gleich.

Schritt 5 Verschneidungen bearbeiten und aktualisieren

Verschneidungen lassen sich nachträglich anpassen. Du kannst das Kriterium ändern, den Grundriss verschieben oder einzelne Werte direkt editieren. Der große Vorteil: Die Verschneidung ist mit ihrem Grundriss dynamisch verbunden.

  1. Kriterium nachträglich ändern: Mit Verschneidung bearbeiten änderst du Neigung oder Zieltyp einer bestehenden Verschneidung. Das läuft nicht über einen Dialog, sondern über Eingabeaufforderungen in der Befehlszeile. Die Böschung rechnet sofort neu, so drehst du eine zu steile Böschung schnell flacher. Einen echten Parameter-Dialog einer einzelnen Böschung öffnest du über Verschneidungseigenschaften.
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    Befehlszeilen-Eingabeaufforderungen des Werkzeugs Verschneidung bearbeiten zum Ändern von Neigung und Zieltyp
  2. Grundriss anpassen, Verschneidung folgt: Verschiebst oder änderst du die Grundriss-Elementkante, etwa weil die Baugrube größer wird, zieht die Verschneidung automatisch nach. Das ist die dynamische Verknüpfung: eine Quelle, die Böschung folgt. Die Höhen der Elementkante bearbeitest du wie im Elementkanten-Kapitel beschrieben.
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    Geänderte Grundriss-Elementkante, der die Böschung automatisch folgt
  3. Feinschliff im Editor: Für gezielte Eingriffe gibt es den Verschneidungseditor und den Verschneidungshöheneditor. Hier liest du einzelne Werte, Neigungen und Höhen tabellarisch und korrigierst sie punktuell, ohne die ganze Böschung neu aufzubauen.
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    Verschneidungseditor und Verschneidungshöheneditor mit der tabellarischen Liste der Werte
Ändert sich das Ziel-DGM (Bestand), folgt die Böschung zum Zieltyp Oberfläche nur, wenn das DGM neu aufgebaut wird. Steht die Verschneidung danach noch auf dem alten Stand, lohnt ein bewusster Neuaufbau des Ziel-DGM. Bei festen Zielen (feste oder relative Höhe, Entfernung) bleibt die Böschung dagegen bewusst unverändert.
Checkpoint: Du kennst die vier Zieltypen und weißt, dass nur die Oberfläche auf Geländeänderungen reagiert. Abtrag und Auftrag laufen über getrennte Neigungen, die Einheit muss zum Kriteriensatz passen. Übergänge verbinden unterschiedlich geneigte Böschungen, und das Bearbeiten geht über Verschneidung bearbeiten sowie die beiden Editoren. Als Nächstes wird aus der Verschneidung ein eigenes DGM, und daraus rechnen wir Volumen.